Presse von heute: Die beiden Stuttgarter Pressehäuser sind sich mal wieder einig

Die vierte Liga rückt immer näher
Kickers halten am Trainer fest 

STUTTGART. Das Trauerspiel bei den Stuttgarter Kickers in der Fußball-Regionalliga geht weiter. „Im Vergleich zu den vorangegangenen Spielen war das 0:1 gegen Ingolstadt ein Rückschritt“, sagt der Trainer Stefan Minkwitz.

Von Joachim Klumpp

Den letzten Trumpf haben die Stuttgarter Kickers noch nicht gezogen. Die Verhandlungen mit einem Sportpsychologen laufen. Ob dessen Mithilfe am Sonntag etwas bewirkt hätte? „Tore schießt der auch nicht“, sagt Stefan Minkwitz dazu nur lapidar. Der Kickers-Trainer wirkte nach der 0:1-Niederlage am Sonntag gegen Ingolstadt besonders niedergeschlagen. „Es ist doch klar, dass so etwas nicht spurlos an einem Coach vorübergeht“, sagt Walter Kelsch, das sportliche Gesicht im Präsidium. Der Exprofi war nach der Partie eigens in die Kabine geeilt, um die Mannschaft aufzubauen. „Ich habe gesagt: wir müssen jetzt positiv denken.“ Auch wenn das bei fünf Punkten Rückstand auf den ominösen zehnten Platz, der zur Qualifikation für die dritte Liga nötig ist, schwerfällt. Zumal nach einem Auftritt, bei dem einmal mehr deutlich wurde, dass den Kickers ein Führungsspieler fehlt, erst recht, wenn noch der Kapitän Jens Härter ausfällt. „Das ist sicher ein Manko“, gibt Minkwitz zu.

Das in der Winterpause behoben werden soll, darüber zumindest besteht Einigkeit. Stefan Leitl, der ausgerechnet beim Ligarivalen Ingolstadt in Ungnade gefallen ist, wäre ein Kandidat, allerdings war dieser schon vor der Saison nicht finanzierbar. Im Gegenzug soll der eine oder andere Spieler die Freigabe erhalten, zum Beispiel Markus Ortlieb, der als potenzieller Führungsspieler aus Wuppertal geholt wurde. Dass er diesen Anspruch, allein schon von seinem Charakter her, nicht erfüllen kann, hätte man möglicherweise erkennen können, denn der 26-Jährige gilt als extrem introvertiert. Warum allerdings der ebenfalls in die zweite Mannschaft degradierte Sven Sökler momentan keine Zukunft mehr bei den Kickers erhält, steht auf einem anderen Blatt – denn Fußball spielen kann der Junge ohne Frage.

Der Manager Joachim Cast ist zumindest so objektiv und nimmt eine Teilschuld auf sich, nachdem der entlassene Trainer Peter Zeidler längst außen vor ist. „Natürlich habe ich die Zugänge mit zu verantworten.“ Walter Kelsch dagegen sagt: „Ich habe nur die Rahmenbedingungen geschaffen.“ Mit dem Ergebnis ist er alles andere als zufrieden, was dazu führt, „dass ich bei möglichen Transfers im Winter mitmischen werde“, wie er betont. Was Cast dazu sagt? Nur so viel: „Die Einkäufe müssen sitzen.“

Das Geld für einen neuen Trainer jedenfalls wollen sich die Kickers sparen, in diesem Punkt hat sich das Präsidium offensichtlich festgelegt. „Herr Minkwitz und Herr Malchow arbeiten gut“, sagen Kelsch – und auch der Präsident Dirk Eichelbaum. Selbst wenn die Ergebnisse eine ganz andere Sprache sprechen. Vier Spiele, kein Sieg, nicht einmal ein Tor, das sind die Fakten. Während man unter Peter Zeidler noch punktgleich zu Platz zehn lag. Minkwitz gibt zu: „Das Spiel gegen Ingolstadt war spielerisch enttäuschend.“ Rückschritt, kein Rücktritt. Kelsch nennt als Begründung: „Es musste taktisch und konditionell viel aufgearbeitet werden. Das geht nicht von heute auf morgen.“

Gut also, dass nach dem nächsten Samstag mit dem Spiel in Regensburg erst einmal die Winterpause beginnt. Bis 1. März. Viel Zeit, mit einem großen Handicap: die Tabelle steht erst einmal für knapp drei Monate, auch in den Köpfen der Verantwortlichen. Und Eichelbaum sagt: „So langsam werden wir uns Gedanken machen, was passiert, wenn wir die Qualifikation für die dritte Liga verpassen.“ Danach sieht es momentan aus.

Stuttgarter Zeitung

Alarmstufe Rot bei den Blauen

Bei einer Niederlage in Regensburg droht Trainer Minkwitz der Rauswurf
 
Stuttgart – Bei den Stuttgarter Kickers schrillen die Alarmglocken lauter denn je. Nach der erbärmlichen Vorstellung gegen Ingolstadt dürfte feststehen: Punktet das Team am Samstag in Regensburg nicht, droht Trainer Stefan Minkwitz der Rauswurf.

VON JÜRGEN FREY

Minkwitz war auch am Tag danach noch fassungslos. „Die Leistung in der ersten Halbzeit“, räumt der Coach offen und ehrlich ein, „war ein Schritt zurück in die Steinzeit.“ Folge: Der freie Montag wurde gestrichen. Es gab viele Einzelgespräche. „Es sah im Spiel nicht so aus, als dass alle Spieler den Ernst der Lage erkannt hätten“, monierte Minkwitz. Bis zum letzten Spiel vor der Winterpause am Samstag kann er nicht allzu viel ändern. Jens Härter, Oliver Stierle und Bashiru Gambo sind verletzt, Mustafa Akcay gesperrt. Hinzu kommt: Körperliche Defizite lassen sich kurzfristig nicht beheben. „In der siebenwöchigen Vorbereitung werden wir eine Woche im Wald verbringen“, kündigt Minkwitz an.

Das Problem des 39-Jährigen könnte nur sein, dass er beim Trainingsauftakt am 14. Januar gar nicht mehr im Amt sein wird. „Der Trainer kann doch nichts dafür, wenn der Beigang den Ball frei vor dem Tor nicht reinmacht“, nimmt ihn Präsident Dirk Eichelbaum zwar in Schutz. Doch klar ist: Bei einer Niederlage in Regensburg dürfte es für Minkwitz heißen – Chance bekommen, Chance nicht genutzt. Die Kickers-Granden dürften sich kaum dem Vorwurf aussetzen, nicht den allerletzten Trumpf auszuspielen, um mit einem erfahrenen Trainer von außen neue Kräfte zu mobilisieren. Da unabhängig davon ein Mittelfeldspieler und ein Stürmer verpflichtet werden sollen, bleibt die alles entscheidende Frage: Wer soll das bezahlen? Eichelbaum setzt auf „Umschichtungen im Etat und den Verkauf von Spielern“. Wer die Sache jedoch bei Lichte betrachtet, weiß: Ohne eine Finanzspritze von Hauptsponsor Eduardo Garcia dürften Verpflichtungen, die die Blauen wirklich weiterbringen, eine Fata Morgana bleiben.

Stuttgarter Nachrichten

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