Vorberichte Stuttgarter Kickers – FSV Frankfurt

2. November 2007 in Kickers I, News

„Es geht jetzt um meinen Kopf“
Dem Kickers-Trainer Peter Zeidler droht die Entlassung, doch er bleibt nach außen hin gelassen

Erst morgen nach der Partie gegen Frankfurt (14 Uhr, Gazistadion) weiß Peter Zeidler, ob er Trainer der Stuttgarter Kickers bleiben wird. Gelingt dem Team wieder kein Heimsieg, muss der 45-Jährige wohl seinen Hut nehmen. Ein Treffen mit einem Fußballtrainer am Rande des Rauswurfs.

Von Fabian Heckenberger

Peter Zeidler sitzt im Clubrestaurant der Kickers auf der Waldau, vor sich ein leeres Glas. Die Latte macchiato hat er durch einen schwarzen Strohhalm geschlürft. Er wischt sich mit der Hand über den Mund und das Begrüßungslächeln aus dem Gesicht. Doch kurz darauf schleicht es sich wieder an. Auch in ganz unpassenden Momenten. Zeidler sagt: „Der ganze Job kann sehr belastend sein“ – und lächelt. Immer wieder. „Wir lassen uns von außen schlechtreden.“ Lächeln. „Es geht jetzt um meinen Kopf.“ Peter Zeidler steht am Abgrund – und lächelt.

Es gibt viele Leute beim Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers, die Peter Zeidler nicht lächeln sehen wollen. Im Internet-Fanforum wird der Trainer kritisiert, beschimpft, beleidigt. „Der trägt hier nur seine Mütze spazieren“, ist noch einer der harmloseren Sätze. Die Anhänger der Blauen sind sauer. 13 Spieltage – und ihre Mannschaft steht nur auf Platz zehn, gerade noch über der ominösen Trennlinie für die Qualifikation zur dritten Liga, die am Ende der Saison über die Zukunft des Vereins entscheidet. „Ich schaue nicht ins Forum“, sagt der frühere Oberstudienrat für Sport und Französisch am Gymnasium Heubach (Kreis Schwäbisch Gmünd). Morgen müssen die Kickers den ersten Heimsieg einfahren. Sonst muss Zeidler nach der Partie gegen Frankfurt wohl gehen. „Es geht an die Substanz.“ Diesmal lächelt er nicht.

Der 45-Jährige weiß, dass in seinem Job alles von den Ergebnissen abhängt. Er war Jugendtrainer beim VfB, der roten Konkurrenz, er hat bei Ralf Rangnick und Rainer Adrion gelernt, seinen Fußballlehrer beim DFB in Köln gemacht, war Cheftrainer in Aalen und unter Hans Meyer Coach der zweiten Mannschaft beim 1. FC Nürnberg. „Ich kenne das Geschäft“, sagt Zeidler und blickt durch die Gaststätte auf der Waldau. Zwei Tische weiter sitzt der Manager Joachim Cast, der sich für Zeidler stark macht und nach der Niederlage am vergangenen Samstag bei 1860 München II noch mal eine Schonfrist für den Trainer herausgehandelt hat. „Ein guter Mann“, sagt Zeidler: „Er steht an meiner Seite.“ Da stehen immer weniger.

Es ist kein Geheimnis, dass einige Präsidiumsmitglieder Peter Zeidler lieber heute als morgen an die frische Luft setzen wollen, allen voran der ehemalige Fußballprofi Walter Kelsch. Zeidler will kein Öl ins schon hoch lodernde Feuer gießen. Er sagt nur: „Ich habe als Französischlehrer eine Vorliebe für Strasbourg.“ Kelsch hat in den 80er Jahren drei Jahre beim dortigen Club Racing gespielt. „Wir haben also auch immerhin etwas gemeinsam“, sagt Zeidler. Und lächelt wieder.

Ist das mehr als bloßer Zweckoptimismus eines Mannes, der morgen vielleicht seinen Traumjob los ist? Eine Art Galgenhumor in Anbetracht des drohenden Rauswurfs? Oder marschiert der Pädagoge tatsächlich als überzeugter Optimist an der Spitze seiner schwächelnden Mannschaft auf den Rasen des Gazistadions zur entscheidenden Partie? „Er ist wirklich so positiv. Er ist authentisch“, sagt Cast. Manch andere nennen das Schwäche. Er sei zu weich, ist der häufigste Vorwurf, den sich Zeidler gefallen lassen muss. Er lasse den Spielern zu viel durchgehen.

Der Vater zweier Töchter bleibt äußerlich ruhig, wenn er solche Sätze hört. Doch in ihm drin kocht es dann. „Soll ich die Spieler vermöbeln? Ich brauche sie eine Woche später wieder“, sagt er. Als Peter Zeidler im Frühjahr zum ersten Mal in die Kabine der Stuttgarter Kickers kam, lautete die Frage der Spieler: „Sollen wir Sie oder Du sagen?“ Der neue Trainer schaute in die Runde, überlegte kurz und sagte dann: „Sie.“

Etwas Respekt muss sein. Doch der Lehrer baut auch eine Art Freundschaft zu seinen Fußballschülern auf, besonders zu den Sorgenkindern wie etwa Mustafa Parmak. Nicht zuletzt deshalb griff der Mannschaftskapitän Jens Härter kürzlich zum Telefonhörer und machte sich beim Präsidenten Dirk Eichelbaum für Zeidler stark. Das hat dem Trainer kurzfristig den Kopf gerettet. Doch wenn die Mannschaft gegen den FSV Frankfurt verliert, hilft wohl auch kein Anruf mehr.

Um 14 Uhr beginnt morgen die Partie im Gazistadion auf der Waldau. Den Begriff Schicksalsspiel lehnt Zeidler ab, doch er sagt: „Es wird immer eine Kamera auf mich gerichtet sein.“ Heute Abend lenkt er sich vielleicht noch mit etwas Musik ab: französische Chansons, die hört er gerne. Dazu liest Zeidler oft die Sportzeitung „L“Equipe“. Bis zum Anpfiff geht der Trainer im Kopf dann noch mal die möglichen Spielszenarien durch. Früher Rückstand oder Führung? Fällt der Ausgleich? Gibt es eine Rote Karte? Tor? Gegentor? Abpfiff. Und dann? Peter Zeidler lächelt und sagt: „Ich empfinde Angst vor einer Niederlage, aber mehr Vorfreude auf einen Sieg.“

Stuttgarter Zeitung

Vorsicht vor den Kickers

FSV gastiert morgen in Stuttgart

Es zählt nicht zum üblichen Geplänkel vor einem Spieltag, wenn Bernd Reisig, Manager des FSV Frankfurt, mutmaßt, dass „alles andere als ein Sieg die Stuttgarter Kickers in eine ziemlich starke Krise stürzen würde“. Denn wenn der FSV Frankfurt morgen (14 Uhr) in der Fußball-Regionalliga Süd bei den Schwaben gastiert, geht es für deren Trainer Peter Zeidler wohl um seinen Posten.

Dass die Kickers bislang weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, lässt FSV-Coach Tomas Oral kalt. „Diese Mannschaft sollte niemals unterschätzt werden“, sagt der Trainer, den Sorgen plagen. Während Markus Kreuz (Leistenzerrung) und Matthias Hagner (Adduktorenprobleme) in Stuttgart aller Voraussicht nach auflaufen können, wird es für Sead Mehic nicht reichen. Der Offensivspieler, zuletzt in blendender Form, zog sich beim Heimsieg gegen Unterhaching einen Muskelfaserriss zu. Andre Laurito (Schulterverletzung) fehlt weiterhin, Angelo Barletta kehrt nach seiner Augenentzündung wieder zurück.

Derweil hat der FSV die Mitgliederversammlung auf den 19. November (19 Uhr, Bürgerhaus Bornheim) terminiert. Weil der aktuelle Vorstand laut Satzung auch ohne Präsident handlungsfähig ist, sollen die Wahlen turnusgemäß erst bei der Versammlung 2008 abgehalten werden. ase

Frankfurter Rundschau
FSV reist nach Stuttgart

Der FSV Frankfurt gastiert am kommenden Samstag um 14 Uhr bei den Stuttgarter Kickers im GAZi-Stadion a.d.Waldau.
 
Trainer Tomas Oral plagen einige Verletzungssorgen vor der Partie, die er aber gewohnt sachlich zur Kenntnis nimmt: „Wir haben auch im letzten Spiel gegen Unterhaching viele Ausfälle gehabt und die bestens kompensiert. Ich traue auch den Spielern, die noch nicht so oft von Beginn an gespielt haben, eine gute Partie zu“.

Neben den Langzeitverletzten Brendel und Volk, fällt weiterhin Laurito noch aus. Auch der Einsatz vom Mehic, Hagner und Kreuz ist fraglich.

Endgültige Gewissheit werden zumindest bei Hagner und Kreuz die nächsten Trainingseinheiten geben.

Barletta hingegen hat seine Augenentzündung überstanden und nimmt wieder am Training teil.

Die Marschroute vor dem Spiel in Stuttgart ist für den Trainer klar: „Wir wollen immer gewinnen und das gilt auch für das Auswärtsspiel in Stuttgart. Wir wissen, dass die Kickers extrem gut besetzt sind und nicht so glücklich mit ihren Saisonverlauf sind. Aber diese Mannschaft ist stark und sollte niemals unterschätzt werden.“ sagte Oral.

Vor der Saison wurden die Kickers nach einer überzeugenden Vorbereitung mehrfach sogar als Aufstiegsaspirant für die 2. Liga genannt.

Zuhause könnten die Schwaben allerdings noch nicht überzeugen. Bislang gelant ihnen kein einziger Heimsieg und das soll, „wenn möglich auch so bleiben“ erklärte Oral.

Nach vier Spielen ohne Niederlage (2 Unentschieden, 2 Siege) fahre man Selbstbewusst nach Stuttgart.

Homepage FSV Frankfurt

Spielinfos:

Anstoß: 03.11.2007 14:00
Stadion: GAZI-Stadion auf der Waldau

Schiedsrichter: Bauer (Seesbach)
Assistenten: Biesemann (Wadern), Kollcaku (Dudweiler-Jägersfreude)

Stuttgarter Kickers: Kapitän Härter (Knie- und Magen-Darm-Probleme) fällt weiter aus. Für Parmak (große Muskelprobleme) ist Rodrigues eine Alternative.

FSV Frankfurt: Mehic fällt wohl aus (Muskelfaserriss), Kreuz und Hagner sind angeschlagen, können aber voraussichtlich spielen.

Aufstellung

Stuttgarter Kickers
Yelldell – Steinle, Wildersinn, Rapp, Stierle – Parmak, Akcay, Gambo, Mann – Tucci, Vaccaro; Trainer: Zeidler

FSV Frankfurt
Schürenberg – Weißenfeldt, Schumann, Husterer, Hillebrand – Barletta, Hagner – C. Mikolajczak, Kreuz – Cenci, Höfler; Trainer: Oral
 
Kicker

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