StZ: Im Fürther Tor spricht man schwäbisch

Drei ehemalige Spieler der Stuttgarter Kickers träumen in Franken vom Aufstieg in die erste Bundesliga
 
Wenn die A-Junioren des VfB Stuttgart am Samstag ihr Bundesligaspiel in Fürth bestreiten, könnte ihnen im Tor der SpVgg ein alter Bekannter gegenüberstehen: Jens Grahl. Doch der 18-jährige frühere Kickers-Spieler ist nur ein Teil eines Stuttgarter Trios, das in Franken Furore macht.

Von Benjamin Schieler

Nur ein paar Minuten für sich, ein paar Minuten, in denen es vielleicht gelingt, zur Ruhe zu kommen, sich von den Strapazen der zwei vorangegangenen Trainingseinheiten des Tages etwas zu erholen. Es ist Mittwochnachmittag auf einem Trainingsplatz der SpVgg Greuther Fürth, und Benno Möhlmann, der Trainer des Fußball-Zweitligisten, gönnt seinen Schützlingen diese paar Minuten auf dem Rasen, bevor er sie in die Kabine schickt. Auf dem Weg dorthin stecken drei Spieler auffällig deutlich die Köpfe zusammen, feixen mit den jugendlichen Autogrammjägern, präsentieren sich so, als wären sie eine Einheit, die naturgemäß untrennbar zusammengehört. Es sind die drei Torhüter Stephan Loboué, Jasmin Fejzic und Jens Grahl.

Eine derartige Verbundenheit lässt sich leicht erklären. Denn zwischen den Pfosten im Frankenland ist Schwäbisch die Amtssprache Nummer eins. Der Stuttgarter Grahl, der Leonberger Fejzic und der Pforzheimer Loboué, sie alle sind Baden-Württemberger aus Überzeugung. Sie alle fühlen sich mit ihrer Heimat tief verwurzelt. Und sie alle spielten in der Jugend bei den Stuttgarter Kickers, bevor sie auszogen, Profis zu werden. „Ohne die Zeit bei den Kickers wären wir nicht das, was wir heute sind“, sagt Loboué.

Der unerwartet frühe Aufstieg des Trios hatte seinen Ursprung am 10. Dezember 2006. In der Zweitligapartie gegen die SpVgg Unterhaching sah Fürths etatmäßige Nummer eins, der slowenische Exnationalspieler Borut Mavric, wegen einer Notbremse die rote Karte und wurde durch Loboué ersetzt. Der 25-Jährige, der im Sommer zuvor im Länderspiel gegen Senegal sein Debüt für die Nationalelf der Elfenbeinküste, der Heimat seines Vaters, gegeben hatte, machte seine Sache danach so gut, dass er Stammtorwart blieb. Mit seiner Rolle auf der Bank wollte sich Mavric jedoch nicht anfreunden und bat um die Auflösung seines Vertrags.

Dadurch rückten auch Fejzic und Grahl in der Hierarchie um eine Position nach oben. „Wir haben alle von Mavrics Abgang profitiert“, sagt Fejzic, der nun Ersatzkeeper der Profis ist. Auch für Grahl, der erst seit dieser Saison in Fürth spielt, hätte es „nicht besser laufen können“. Er spielt mit dem Nachwuchsteam in der Bayernliga und parallel mit den A-Junioren in der Bundesliga. Morgen geht es gegen den VfB Stuttgart, ein Duell mit persönlicher Note. Bei den Cannstattern hat Grahl das Kicken gelernt.

Entscheidend geprägt worden seien sie aber alle in Degerloch. Vor allem ein Name ruft bei Loboué, Fejzic und Grahl Erinnerungen hervor, lässt sie lächeln: Waldemar Cimander, die Torwartlegende der Kickers, hatte in seiner Zeit als Torwarttrainer alle drei unter seinen Fittichen. Spricht man den 51-Jährigen heute darauf an, spürt man eine Mischung aus Melancholie und Nostalgie. „Das sind gute Jungs“, sagt er. Es habe ihm weh getan, sie weggehen zu sehen, aber er verstehe es. „Sie mussten weg, um ihr Ziel zu erreichen.“ Das Ziel ist die Bundesliga.

Von der träumt in Fürth spätestens seit dem vergangenen Wochenende wieder die ganze Stadt. Nach dem 3:0-Erfolg gegen Paderborn und den Patzern von Duisburg und Freiburg sind die Franken nur noch zwei Punkte von einem Aufstiegsplatz entfernt. Klappt es tatsächlich mit dem Sprung in die Bundesliga, würde dies ein längeres Verbleiben des Torwarttrios in Fürth wahrscheinlicher machen. Der 20-jährige Fejzic, dessen Vertrag wie der von Loboué noch bis 2009 läuft, betont: „Jeder von uns würde gerne in Fürth bleiben. Und am schönsten wäre es, wenn alle drei bleiben würden.“ Solch freundschaftliche Worte unter sportlichen Rivalen sehen die Verantwortlichen des Vereins positiv. „Die Arbeit mit mehreren Torhütern ist immer ein schwieriges Unterfangen“, sagt der Torwarttrainer Günther Reichold.

Da sei es gut, wenn zwischen den Spielern ein kameradschaftliches Verhältnis herrsche. Er sehe trotzdem nicht die Gefahr, dass der Konkurrenzkampf darunter leide. Und auch Fejzic macht unmissverständlich klar, dass jeder dem anderen den Platz abluchsen wolle. Auf dem Platz und im Leben, das seien zwei Dinge, die man trennen müsse. Im Leben bilden Fejzic und Grahl sogar eine Wohngemeinschaft.

Und das Leben neben dem Platz fängt spätestens dann an, wenn der Trainer Benno Möhlmann seine Spieler zum Duschen schickt – und ein schwäbisches Trio den Gang in die Kabine gemeinsam antritt.

Stuttgarter Zeitung

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