Presse zur Urteilsverkündung

3. November 2006 in Fans, News, Verein

Milde Strafe für Kickers
 
Der Becherwurf und die Folgen
 
STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers sind vor dem DFB-Sportgericht einigermaßen glimpflich davongekommen. Für den Becherwurf im Pokalspiel gegen Hertha BSC muss der Regionalligist 10 000 Euro zahlen und ein Heimspiel vor leeren Rängen austragen.

Von Peter Stolterfoht

Hans Kullen hat vorsichtshalber schon einmal mit dem Schlimmsten gerechnet. Das ganz persönliche Horrorszenario des Präsidenten der Stuttgarter Kickers reichte von einer Geldstrafe in Höhe von 100 000 Euro bis hin zu einer Platzsperre. „Das kann ein böses Erwachen geben“, sagte Kullen in Erwartung des DFB-Sportgerichtsurteils. Ganz so schlimm war es dann doch nicht. Denn die Strafe für den Vorfall, der zum Abbruch des Pokalspiels gegen Hertha BSC geführt hatte, fiel vergleichsweise milde aus. Der Regionalligist muss 10 000 Euro Strafe zahlen und das übernächste Heimspiel gegen Elversberg am 18. November (Samstag) unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen.

Die Pokalpartie gegen die Berliner war in der 86. Minute vom Schiedsrichter Michael Weiner abgebrochen worden, nachdem ein Zuschauer den Assistenten Kai Voss mit einem Bierbecherwurf im Rücken getroffen hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte es 2:0 für die Gäste gestanden, die die Partie auch mit diesem Ergebnis für sich gewertet bekamen. Der Täter war noch im Stadion ermittelt worden. Strafmildernd für die Kickers, die durch den Ludwigsburger Rechtsanwalt Christoph Schickhardt vertreten wurden, wirkte sich „das vorbildliche Verhalten des Vereins im Anschluss an die Tat“ aus, wie von Seiten des DFB zu hören war. „Die Kickers sind mit einem tiefblauen Auge davongekommen“, sagte Christoph Schickhardt nach der Sitzung, die den ganzen Tag dauerte.

In seiner schriftlichen Stellungnahme hatte der Verein nichts beschönigt und sofort einen Maßnahmenkatalog erstellt, um solchen Vorfällen künftig entgegenzuwirken. Das hat sich ausgezahlt. So hatte der SC Freiburg 80 000 Euro zahlen müssen, nachdem der Bayern-Torhüter Oliver Kahn im Dreisamstadion von einem Golfball am Kopf getroffen worden war. Auch das Geisterspiel gegen Elversberg muss sich in Anbetracht der möglichen Konsequenzen verschmerzen lassen. Die Stuttgarter Kickers hätte eine solche Partie gegen einen attraktiveren Gegner wie zum Beispiel den VfR Aalen finanziell deutlich härter getroffen. Für den Geschmack von Joachim Cast ist das Urteil dennoch zu hart ausgefallen. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen, und dann tut dieses Urteil schon weh“, so der Manager der Kickers.

Stuttgarter Zeitung

Kickers: Ein Spiel ohne Zuschauer
 
Sportgericht entscheidet: Gegen Elversberg unter Ausschluss der Öffentlichkeit und 10 000 Euro Strafe
 
Stuttgart – Die Folgen des Spielabbruchs gegen Hertha BSC stehen für die Stuttgarter Kickers fest: Die Blauen müssen das Regionalligaspiel gegen die SV Elversberg (18. November) unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. Zudem gab es eine Geldstrafe in Höhe von 10 000 Euro.

VON JÜRGEN FREY

Die Kickers haben der Entscheidung des Sportgerichts des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am gestrigen Donnerstag bereits zugestimmt. Dadurch ist das Urteil rechtskräftig. Nach außen hin brachte die Führungsetage der Blauen in ersten Reaktionen ihre Betroffenheit zum Ausdruck. „Dies trifft uns und unsere treuen Fans brutal hart“, sagte Präsidiumsmitglied Dieter Wahl. Und Manager Joachim Cast ergänzte mit bewegter Stimme: „Durch das Geisterspiel gegen Elversberg gehen uns mindestens noch einmal 10 000 Euro durch die Lappen. Das tut sehr weh.“

Insgeheim durften die Kickers-Verantwortlichen jedoch tief durchgeatmet haben. Der nicht ausreichende Ordnungsdienst in Tateinheit mit mangelndem Schutz des Schiedsrichter-Assistenten, so die offizielle Lesart der Vorwürfe gegen die Blauen, hätte auch höher bestraft werden können. Zum Vergleich: Der SC Freiburg musste im April 2000 wegen eines Golfballs an den Kopf von Bayern-Torwart Oliver Kahn 75 000 Mark bezahlen. Noch etwas ließ die Blauen mit dem Schlimmsten rechnen: Der Bierbecherwurf auf der Waldau vom 25. Oktober kam nach den Randalen in anderen Stadien der Republik zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Was dagegen für die Blauen sprach, waren die gezielten Reaktionen auf die Ereignisse: Rund um das folgende Spiel gegen den SV Wehen hat sich der Club nach Absprache mit Rechtsanwalt Christoph Schickhardt nahezu perfekt verhalten und damit die richtigen Signale für ein mildes Urteil Richtung DFB gesendet. „Unser Anwalt hat sicher sehr gute Arbeit geleistet“, lobte Wahl den Fachmann aus Ludwigsburg.

Um ähnliche Vorkommnisse wie im Pokalspiel zu vermeiden, wird bei den Blauen über weitere Sicherheitsmaßnahmen nachgedacht. Wahl schwebt ein engmaschiges Netz auf der Gegengerade vor. „Natürlich wäre das eine Sichtbehinderung“, räumt das Präsidiumsmitglied ein, „aber Feuerzeuge oder Ähnliches würden dann nicht mehr aufs Feld fliegen.“

Zunächst aber geht es bei den Kickers darum, sich mit dem leeren Gazistadion am 18. November gegen Elversberg auseinander zu setzen. „Wir haben keinerlei Erfahrungen damit“, gab Manager Cast unumwunden zu. Gestern blätterte er schon mal in den Statuten, um herauszufinden, wer alles ins Stadion darf. „Die Partie ist ja auch als Fernsehspiel im SWR vorgesehen“, so Cast. Fest steht: Auch die treuen Dauerkarten-Inhaber der Kickers müssen gegen Elversberg draußen bleiben. „Wir werden uns für sie etwas einfallen lassen“, versprach Wahl. Er denkt dabei etwa an zusätzliche Freikarten.

Trainer Robin Dutt nahm das Urteil mit gemischten Gefühlen entgegen. „Es ist hart, aber wir sind mit einem dunkelblauen Auge davongekommen.“ Die besondere Atmosphäre gegen Elversberg sieht er als ein gewisses Risiko an: „Wir Verantwortlichen und die Spieler dürfen uns von der Stille nicht zu sehr beeinflussen lassen.“ Die Vorteile sieht er beim Gast aus dem Saarland. „Elversberg ist es gewohnt, vor wenigen Fans zu spielen“, sagte er mit einem Augenzwinkern.

Stuttgarter Nachrichten

Milde Strafe
 
VON GUNTER BARNER
 
Die Stuttgarter Kickers sind nicht die Deutsche Bank, und deshalb sind 10 000 Euro für den Fußball-Regionalligisten keine Peanuts. Die Geldstrafe tut weh. Und ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist auch nicht das reine Vergnügen. Trotzdem sind die Kickers mit einem blauen Auge davongekommen. Die schnellen und durchdachten Reaktionen auf die Geschehnisse rund um das DFB-Pokalspiel gegen Hertha BSC dürften das DFB-Sportgericht milde gestimmt haben. Außerdem hat sich auch bis in die Frankfurter Otto-Fleck-Schneise herumgesprochen, dass es wenig Sinn macht, einem nackten Mann in die Tasche zu greifen.

Das ist die eine Seite des Urteils, die andere ist: Die Kickers-Verantwortlichen sollten jetzt nicht so tun, als sei die Angelegenheit damit erledigt. Denn das Image des Traditionsclubs hat bundesweit gelitten. Die Kickers stehen ab sofort unter verschärfter Beobachtung, und die Strategen von der Waldau täten gut daran, Konzepte zu erarbeiten, die das Klima auf den Rängen nachhaltig ändern. Darin liegt im Grunde auch eine Chance für ein Profil. Warum sollten die Kickers nicht als der Club für Aufsehen sorgen, der als erster darauf verzichtet, den Gegner niederzubrüllen – stattdessen mit Witz und Pfiff die eigene Elf anfeuert? Warum sollten die Blauen nicht diejenigen sein, die Respekt vor Schiedsrichtern und Achtung vor dem Gegner zum Markenzeichen erheben? Fair geht vor.

Stuttgarter Nachrichten

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