StZ: Dutt: Ich bin keine Einmannshow

13. Oktober 2006 in Kickers I, News

Der Kickers-Trainer sitzt morgen zum 100. Mal auf der Bank
 
Nach einer zweiwöchigen Pause geht die Saison der Fußball-Regionalliga für den Tabellenführer Stuttgarter Kickers am Wochenende mit dem Spiel in Pirmasens weiter. Dabei wird der Trainer Robin Dutt zum 100. Mal in Folge bei einem Punktspiel auf der Bank sitzen. „Das ist schon ein Vertrauensbeweis“, sagt der 41-Jährige im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Dutt, die Partie am Samstag beim FK Pirmasens ist ihr 100. Regionalligaspiel in Folge bei den Stuttgarter Kickers. Was bedeutet das für Sie?

Das war mir gar nicht bewusst.

Es kommt ja auch nicht alle Tage vor. Zuletzt schaffte das zwischen 1994 und 98 Wolfgang Wolf, der bei den Kickers fast so etwas wie eine Institution war. Hätten Sie bei Ihrem Amtsantritt gedacht, dass Sie in dessen Fußstapfen treten werden?

Als ich bei den Kickers angefangen habe, war es schon ein Erfolg, wenn man ein Jahr überstanden hat. Schließlich war die Trainerbank zuvor so etwas wie ein Schleudersitz, wenn ich an die Entlassungen von Rainer Zobel, Marcus Sorg und Rainer Adrion denke. Dass daraus jetzt schon drei Jahre geworden sind, das ist schön und auch ein Vertrauensbeweis. Aber letztendlich zählt das Ergebnis. Und manche Trainer schaffen in einem Jahr mehr als andere Trainer in zehn Jahren.

Ist die Kontinuität für Sie auch ein wenig Genugtuung, nachdem bei Ihrer Ernennung zum Chefcoach mancher Kritiker die Nase gerümpft hat – getreu dem Motto: Robin, wer?

Zunächst sehe ich Kritik immer als Herausforderung an, mit Argumenten zu überzeugen. So gesehen war die Entwicklung für mich weniger Genugtuung als die Chance, die Kritiker dazu zu bringen, an einem Strang zu ziehen. Schließlich bin ich hier keine Einmannshow, sondern es ist ein Erfolg des Teams, zu dem die Mannschaft, der Trainerstab und auch der Präsident mit seinen Kollegen gehört.

In dieser Zeit haben Sie sich vom Abstiegs- zum Aufstiegskandidaten gemausert. Wo ist das Ende der Fahnenstange?

Ich denke, jetzt schon darüber zu diskutieren, macht keinen Sinn. Ich schaue immer: wo ist die nächste Station? Natürlich wäre der Aufstieg da wunderschön. Aber man muss auch berücksichtigen, dass wir die sportliche Entwicklung heute mit einem deutlich geringeren finanziellen Aufwand geschafft haben als zum Beginn meiner Tätigkeit. Dass parallel die Konsolidierung des Vereins vorangetrieben werden konnte, macht den Erfolg noch wertvoller.

Sie haben die nächste Station angesprochen. Die ist – ganz aktuell – natürlich erst einmal das Spiel am Samstag in Pirmasens. Hat das dreitägige Trainingslager in der vergangenen Woche den Namen verdient, das unter dem Titel Regeneration stand?

Auf jeden Fall. Das sieht man schon im Training, in dem die Mannschaft viel frischer und aggressiver zu Werke geht. Zuletzt war zwar der Wille vorhanden, aber das Fleisch doch etwas schwach. Was kein Wunder ist, schließlich habe ich gelesen, dass wir im deutschen Profifußball die Mannschaft mit den bisher meisten Pflichtspielen in dieser Saison sind. Aber jetzt ist der Akku aufgeladen, sodass wir in Pirmasens wieder 90 Minuten Tempofußball bieten können.

Und die drei Punkte holen werden, um die Tabellenführung zu untermauern?

Bei aller Wertschätzung des Gegners kann die Zielsetzung nur ein Sieg sein. Auch wenn das bei 16 von 17 anderen Gegnern wohl genauso der Fall wäre, und wir sicher keine Mannschaft der Liga unterschätzen.

Sie haben zuletzt gesagt, Sie werden sich zu möglichen Wechselgerüchten um Ihre Person nicht mehr äußern.

Muss ich auch nicht. Das Thema ist generell ad acta gelegt. Ich werde diese Saison definitiv bei den Kickers zu Ende bringen. Und für den Fall des Aufstiegs existiert eine beiderseitige Vereinbarung, dass sich der Vertrag verlängert. Abgesehen davon hat es bereits ein Gespräch mit dem Präsidenten gegeben, der mich auf jeden Fall halten will – was auch ich mir vorstellen kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Also schaffen Sie die nächsten 100 Spiele auf der Trainerbank auch noch?

Es wäre es vermessen, über einen so langen Zeitraum nachzudenken. Vielleicht erreiche ich 120 Spiele, wir steigen auf, verlieren in der zweiten Liga die ersten fünf Mal – dann werde ich entlassen. Fußball ist zu schnelllebig, da wäre es naiv, sich über die nächsten hundert Tage den Kopf zu zerbrechen.

Stuttgarter Zeitung

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