Zimmermann „Die Kickers wurden schon oft totgesagt“

17. Januar 2011 in News, Verein

Gunter Barner und Jürgen Frey, aktualisiert am 17.01.2011 um 18:47 Uhr

Was versprechen Sie sich vom Engagement von Guido Buchwald?

Was kann einem Regionalligisten Besseres passieren, als ein Präsidiumsmitglied mit so großen Sympathiewerten, einem hervorragenden Netzwerk und einem herausragenden Fußballsachverstand. Guido Buchwald kann für die Blauen zu einem echten Glücksfall werden.

Vom Geld des Investors sollen nur noch 150.000 Euro übrig sein. Reicht das, um das Team so zu verstärken, damit die Voraussetzungen für den Aufstieg 2012 geschaffen werden?

Wir diskutieren nicht öffentlich über Gelder des Vereins, Gehälter oder Sponsorenzahlungen. Klar ist, dass der Aufstieg eine Herkulesaufgabe ist. Hierfür muss ein überdurchschnittliches Budget finanziert werden.

Wie lautet die Zielsetzung der Kickers für die restliche Saison, und wird es personelle Veränderungen geben?

Sportlich: mit engagiertem und attraktivem Fußball, vor allem in den Heimspielen überzeugen und punkten. Außerdem der Gewinn des WFV-Pokals. Wirtschaftlich: die Grundlagen für eine erfolgreiche und stabile Saison 2011/12 legen. Personell: Das wird sich bis zum Ende der Wechselfrist am 31. Januar zeigen.

Die Marke Kickers scheint nicht mehr viele Sportfreunde zu interessieren. Wie sehr bereitet Ihnen die Zukunft der Blauen Sorgen?

Also: Die Stuttgarter Kickers wurden ja schon öfters totgesagt – aber sie leben noch immer. Natürlich ist es nicht einfach, einen solchen Verein in der vierten Liga auf Dauer lebensfähig zu halten. Die Zuschauerzahlen sind im Ligavergleich immer noch ordentlich. Wir konnten auch zuletzt einige starke Partner für die Kickers gewinnen, und unsere Partner sind mit ihrem Engagement sehr zufrieden. Selbstverständlich muss die Mannschaft aber auch erfolgreichen und attraktiven Fußball bieten, um auch wieder neue Zuschauer zu gewinnen. Darauf arbeitet die Mannschaft in der Rückrunde hin.

Die vergangenen Wochen und Monate waren sehr turbulent. Aus dem Aufsichtsrat kamen Vorwürfe, Sie hätten den finanziellen Part Ihrer Arbeit vernachlässigt. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Diese Vorwürfe kann ich zum einen nicht bestätigen und zum anderen würden sie auch nicht der Realität entsprechen. Meine Aufgaben sind seit meiner Rückkehr im Sommer 2009 klar definiert mit dem Schwerpunkt im Bereich Marketing, PR, Organisation, Sponsoring und Team-Management. Daran lasse ich mich gerne messen.

Die Blauen haben im Vergleich zum Rest der Liga überdurchschnittliche Ausgaben und unterdurchschnittliche Einnahmen. An welchen Stellschrauben wollen Sie drehen, damit die Kosten-Nutzen-Analyse besser ausfällt?

Das stimmt so absolut nicht. Ein Verein wie die Kickers hat es schwer – aber unsere Ausgaben sind beileibe nicht überdurchschnittlich, wir liegen im Mittelfeld. Wir arbeiten seit Monaten an der Reduzierung von Fixkosten, aber zum einen ist der Standort Stuttgart in Bezug auf die Fixkosten (Stadionmiete, Sicherheitsdienst, Energiekosten) gegenüber den ländlichen Gegenden wie Pfullendorf oder Memmingen benachteiligt, und zum anderen sind uns in vielen Punkten die Hände gebunden. Selbstverständlich werden wir weiter daran arbeiten, die Einnahmenseite zu erhöhen und die Ausgabenseite zu reduzieren.

Können es sich die Kickers leisten, dass der Trainer und einzelne Spieler angeblich Grundgehälter von 4000 bis 6000 Euro pro Monat kassieren?

Sie haben Ihre Frage ja bereits im Konjunktiv formuliert. Der Eindruck, der hier bei Ihnen entstanden ist, entspricht nicht der Realität. Wir diskutieren die Gehälter nicht öffentlich, aber wir liegen im Mannschaftsschnitt sehr deutlich unter den von Ihnen gemutmaßten Zahlen.

Intern hatten Sie erklärt: Wenn Präsident Edgar Kurz zurücktritt, gehen auch Sie. Was war der Grund für Ihren Sinneswandel?

Das war kein wirklicher Sinneswandel. Intern muss es auch erlaubt sein, Dinge offen anzusprechen und zu diskutieren. Aber im Fußball werden diese Dinge dann öffentlich ausgetragen – aber damit können wir leben.

Sind Sie jetzt ein Geschäftsführer auf Abruf, der praktisch auf gepackten Koffern sitzt?

So ein Blödsinn. Die Kickers sind für mich ja kein normaler Arbeitgeber, sondern eine Arbeit aus Überzeugung und mit viel Freude und Begeisterung. Hier und auch im Umfeld bei den Kickers gibt es einige Leute, die ehren- und hauptamtlich hart für den Verein arbeiten. Sie bringen viel Herzblut mit ein, und ihnen liegt der Verein am Herzen. Das wird auch weiter so sein.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Chemie zwischen Ihnen und Sportkoordinator Michael Zeyer nicht stimmt. Was macht die Zusammenarbeit zum Wohle der Kickers so schwierig? Wie sieht der Plan für die künftige Zusammenarbeit aus?

In der Situation der Kickers geht es nicht um die Chemie Einzelner, sondern um das Wohl des Vereins. Der gegenseitige Respekt und die partnerschaftliche Zusammenarbeit sind von beiden Seiten gegeben.

Stuttgarter Nachrichten

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