Presse zur Lage der Kickers nach dem mißlungenem Saisonstart

Kickers stecken schon im Abstiegskampf
Die Frage nach drei Niederlagen in der dritten Fußballliga lautet: Fehlt den Spielern die Einstellung, die Qualität – oder gar beides?
 
STUTTGART. Bei den Stuttgarter Kickers herrscht nach dem 0:2 am Sonntag in Unterhaching Ernüchterung. „Unser Zweikampfverhalten ist nicht so, dass wir in der dritten Liga bestehen können“, sagt der Manager Joachim Cast nach drei Niederlagen.

Von Joachim Klumpp

Dennis Rudel hat gestern ein paar Extraschichten eingelegt – und kam alleine vom Waldlauf zurück. „Ich muss mich ja fit halten“, sagte der Torwarttrainer der Stuttgarter Kickers, der sich eigentlich am ehesten auf die faule Haut legen könnte, schließlich steht er nicht in der Kritik. Sein Schützling Manuel Salz ist, trotz gewisser Bedenken vor der Saison, derzeit die einzig feste Größe bei dem Fußball-Drittligisten. Schön für ihn, aber nicht für die Mannschaft. „Wenn der Torwart immer der Beste ist, zeigt das ja nur, dass es insgesamt nicht stimmt“, sagt der Kickers-Manager Joachim Cast kritisch.

Nach der dritten Niederlage im dritten Spiel verfällt er zwar nicht in Panik, aber die Alarmglocken schrillen dennoch. Es sind nicht nur die Ergebnisse, die nachdenklich stimmen, sondern vor allem die Art und Weise des Zustandekommens. „Ich dachte, wir sind schon weiter“, sagte der Trainer Stefan Minkwitz nach dem ängstlichen Auftritt in Unterhaching.

Die Frage lautet deshalb: Fehlt die Qualität, die Einstellung – oder sogar beides? Der Kapitän Alexander Rosen sagt bei der Ursachenforschung: „Nach einem Rückstand brechen wir regelrecht auseinander.“ Am Sonntag also bereits nach gespielten 13 Minuten. Das klingt nicht gerade beruhigend. Genauso wenig wie seine Erkenntnis: „Wir funktionieren als Mannschaft noch nicht.“ Wobei Rosen nicht den zwischenmenschlichen Bereich meint, sondern die sportlichen Mechanismen der einzelnen Mannschaftsteile. Die Rädchen greifen noch nicht. Der Trainer Minkwitz hat wohlweislich schon zu Saisonbeginn um Geduld gebeten, angesichts von acht Neuzugängen. „Die Integration geht nicht von heute auf morgen“, sagte er.

In der Anfangsformation am Sonntag standen allerdings nur drei neue Spieler (Sasa Janic, Sascha Traut und Thorsten Reiß), so dass sich die Umstellung in Grenzen hielt. Das Manko ist nach wie vor: die etablierten Akteure hinken hinter ihrer Form her. Das weiß auch Cast: „Da sind Spieler wie Bashiru Gambo und Rosen in der Pflicht“, sagt der Manager an die Adresse der Leistungsträger gerichtet, zu denen auch noch Marcus Mann, Angelo Vaccaro oder Traut zu zählen sind.

Cast sagt zwar, „wir glauben weiter an die Qualität der Mannschaft“, gewisse Zweifel am Kader sind dennoch vorhanden – was immer auch etwas mit den finanziellen Zwängen zu tun hat. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, wie der Präsident Dirk Eichelbaum anmerkt: „Emden ist mit dem geringsten Etat der Liga Erster.“ Und der bei den Kickers ausgemusterte Bastian Bischoff zählte bei Unterhaching zur Startformation und bereitete das 2:0 vor. Noch Fragen? In puncto Einsatz macht Bischoff sowieso niemand etwas vor, und gerade in dieser Beziehung hapert es momentan bei den Kickers. Zwar hat die Mannschaft in Unterhaching fünf Gelbe Karten kassiert – in erster Linie aber wegen Meckerns, Ballwegschlagens oder ähnlicher Frustreaktionen. „Die Aggressivität und das Zweikampfverhalten sind nicht so, dass wir damit in der Liga bestehen können“, sagt Cast. Letztlich ist das eine Einstellungsfrage. „Vielleicht machen wir uns zu viele Gedanken – und verkrampfen“, sagt Rosen.

So oder so ist davon auszugehen ist, dass es am Sonntag im richtungsweisenden Heimspiel gegen den SV Sandhausen personelle Änderungen geben wird. „Ich werde mir in dieser Woche selbst verstärkt ein Bild im Training machen“, kündigt Cast an. Gestern haben schon einmal zwei Spieler der zweiten Mannschaft mitgemacht. Dass es sich dabei in Hüseyin Ali Pala und Gökhan Gümüsso um zwei Offensivkräfte handelte, ist sicher kein Zufall, denn im Angriff fehlt bis jetzt die Durchschlagskraft. Und in der Abwehr die Stabilität. Baustellen ohne Ende also für den Kickers-Trainer Stefan Minkwitz.

Der hat in einem Kraftakt die Qualifikation für die dritte Liga geschafft – und steht jetzt vor der nächsten Herausforderung seiner noch jungen Trainerlaufbahn. Der Mannschaft hat er für heute erst einmal freigegeben – „um den Kopf freizubekommen“, wie Rosen sagt. Wenn“s hilft.

Stuttgarter Zeitung

Druck auf Kickers-Trainer wächst

Mannschaft ohne Wille und Aggressivität

Stuttgart – Es ist ein Fehlstart, der großen Anlass zur Sorge gibt. Nach drei 0:2-Niederlagen funkt Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers bereits SOS. „Den Spielern muss klarwerden, dass es um die Existenz jedes Einzelnen geht – auch um meine“, sagt Trainer Stefan Minkwitz.

Oliver Stierle nutzte den freien Tag zur Stippvisite bei den alten Kameraden. Der ehemalige Kickers-Spieler, der seit Saisonbeginn für den FC Bayern München II am Ball ist, schaute sich die Partie der Blauen im Unterhachinger Sportpark interessiert an. Danach konnte er nur fassungslos den Kopf schütteln: „Da war kein Wille da, keine Aggressivität, kein Aufbäumen, keine Geschlossenheit“, stellte Stierle fest. Genau die Tugenden, die dafür sorgten, dass die Kickers auf den letzten Drücker in die dritte Liga rutschten, lässt das Team vermissen. Auch Trainer Minkwitz hat längst festgestellt: „Wir gehen in die Zweikämpfe wie Mädchen.“

Das muss sich schnell ändern – sonst werden die Kickers zur Lachnummer der Liga. Das Problem: Selbst wenn die Einstellung endlich einmal stimmen würde, ist noch lange nicht gesagt, dass die anderen Probleme damit automatisch behoben sind. Und davon gibt es viele:

Die Abwehr strahlt keine Sicherheit aus, es werden viel zu viele Chancen zugelassen. Was auch daran liegt, dass die Blauen viel zu weit weg von ihren Gegenspielern stehen. Ein vernünftiger Spielaufbau findet nicht statt. Die Führungsspieler verstecken sich. Die in der vergangenen Rückrunde hochgelobte Mittelfeldachse Bashiru Gambo/Alexander Rosen läuft ihrer Form hinterher. Der Angriff lässt bisher jegliche Durchschlagskraft vermissen.
Manche der Neuzugänge, die nicht zum Einsatz kommen, sind sauer, weil sie die Bank drücken müssen. Das wehklagende Bündnis trägt nicht zur Förderung des Teamgeists bei.

Unterm Strich drängt sich unweigerlich der Veracht auf: Der Kader ist zu schwach für die dritte Liga. Minkwitz sagt tapfer: „Ich bin von der Qualität des Kaders überzeugt.“ Er fordert keine Neuzugänge – weil er ohnehin weiß: Es ist kein Geld da. Und der Präsident? Der warnt vor vorschnellen Beurteilungen und spielt erst einmal auf Zeit: Die nächsten Gegner, der SV Sandhausen und Jahn Regensburg, seien Gegner auf Augenhöhe, sagt Dirk Eichelbaum. Von einer Blutauffrischung der Mannschaft noch vor Ende der Wechselperiode am 31. August will er (noch) nichts wissen: „Die sportliche Leitung hat den Kader zusammengestellt, alle Positionen sind doppelt besetzt. Jetzt müssen sie schauen, dass sie es hinbekommen.“

Der Druck auf Minkwitz steigt. Von einer Trainerdiskussion will Eichelbaum zwar „nicht einmal ansatzweise“ etwas wissen, dennoch kennt Minkwitz die Gesetzmäßigkeiten der Branche selbst am besten: „Es geht um die Existenz jedes Einzelnen – auch um meine.“

Stuttgarter Nachrichten

Kickers: Riesen-Wirbel nach Pleiten-Start
Kommt jetzt Starzmann?
Ex-Reutlinger soll neuer Trainer werden
Von HELMUT HEIMANN
Schlimmer geht’s wirklich nimmer…

Null Punkte, null Tore, letzter Platz – der schlechteste Saisonstart seit 37 Jahren. Die Stuttgarter Kickers stehen schon nach drei Spieltagen am Abgrund.

„So haben wir in der dritten Liga nichts verloren“, schimpft Manager Joachim Cast.

Der brutale Fehlstart der Blauen – da wird die Luft für Trainer Stefan Minkwitz schon gaaanz dünn…

Zwar wiegelt Präsident Dirk Eichelbaum noch ab: „Letzte Saison hatten wir Vertrauen in den Trainer. Das hat sich ausbezahlt. Deshalb hat er einen gewissen Vorschuss.“

Doch Minkwtz‘ Bonus dürfte schnell verbraucht sein, wenn gegen Sandhausen (24. 8.) und in Regensburg (30. 8.) nicht gepunktet wird.

Denn BILD erfuhr: Als Nachfolger für Minkwitz haben die Blauen offenbar Peter Starzmann (46) im Visier!

Lose Gespräche mit dem erfahrenen Fußball-Lehrer sollen die Kickers schon geführt haben.

Und: Starzmann, in der Sommerpause beim SSV Reutlingen entlassen, ist heiß auf einen neuen Job.

Galante Lösung: Minkwitz, der einen neuen Zweijahresvertrag besitzt und seit 15 Jahren mit nur einer kurzen Unterbrechung bei den Kickers tätig ist, soll als einer der Dienstältesten auf der Waldau nicht entlassen werden, sondern andere Traineraufgaben im Verein übernehmen.

BILD

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