Oberliga: Angst vor der Bedeutungslosigkeit

9. August 2007 in Kickers II, News

Der SGV Freiberg, die Stuttgarter Kickers II und die SG Großaspach vor dem Oberligastart
 
STUTTGART. Die Fußball-Oberligisten haben kräftig neue Spieler eingekauft. Für viele Clubs gibt es in der kommenden Saison nur ein Ziel: den Aufstieg in die Regionalliga. Denn durch die Einführung der dritten Liga ist die Oberliga künftig nur noch fünftklassig.

Von Benjamin Schieler

Eines ist vor dem Saisonstart der Oberliga Baden-Württemberg gewiss: So spannend wie diesmal war das Rennen um die vorderen Plätze selten. Die Reform im deutschen Fußball samt Einführung der eingleisigen dritten Liga macht es möglich. „Die Oberliga hat ein Aufrüsten wie seit zehn Jahren nicht mehr erlebt“, sagt Markus Gisdol, der neue Trainer der SG Sonnenhof Großaspach. Sein Kollege Marcus Wenninger vom SGV Freiberg rechnet mit „13 oder 14 Kandidaten“ für einen Platz unter den Top vier.

Diese sind deswegen so begehrt, weil sie zur Teilnahme an der neuen Regionalliga berechtigen, die von der kommenden Saison an die Oberliga als vierthöchste Spielklasse ablöst. Wer den Sprung nach oben verpasst, dem droht der Sturz in Richtung Bedeutungslosigkeit. Die Entwicklung geht auch an den Clubs aus der Region nicht spurlos vorbei. Das sind neben den beiden Aufsteigern VfL Kirchheim und TSV Schwieberdingen der SGV Freiberg, die Stuttgarter Kickers II und die SG Sonnenhof Großaspach. Deren Abteilungsleiter Wolfgang Schmückle sagt: „Die Reform ist für mich nicht begrüßenswert.“ Es sei eben alles eine Frage der Sichtweise, findet Schmückle. Was für die Profivereine gut ist, bringe nicht automatisch allen anderen Clubs Vorteile.

Zumindest darin stimmt er mit seinem Extrainer Alexander Malchow überein. Der 37-Jährige, der mit Umstrukturierungen im Verein unzufrieden gewesen war und daraufhin von sich aus auf eine Vertragsverlängerung verzichtet hatte, sagt: „Die Oberliga wird abgewertet.“ Malchows Nachfolger beim Tabellen-13. der vergangenen Saison ist Markus Gisdol, zuletzt B-Jugend-Coach des VfB Stuttgart. Dieser will mit seiner Mannschaft „den einen oder anderen Größeren ärgern“, aber keinen Tabellenplatz als Ziel vorgeben. Zum Start geht es für die Großaspacher am Samstag zum Aufsteiger FCA Walldorf. Die Generalprobe am Dienstagabend ging allerdings daneben. In der zweiten Runde des württembergischen Verbandspokals unterlag der Club dem Landesligisten Brackenheim mit 3:5 nach Elfmeterschießen.

Platz neun gab es in der vergangenen Saison für die Stuttgarter Kickers II. Erneut einen einstelligen Platz zu erreichen hält der Abteilungsleiter Martin Kurzka allerdings für illusorisch. „Die halbe Liga wird sich um die vorderen Plätze streiten. Da werden wir keine ähnlich gute Rolle spielen können.“

Doch für die kleinen Blauen gelte ohnehin ein anderer Ansatz. Das Ziel ist der Klassenverbleib. „Wir sind dafür da, die Talente an die erste Mannschaft heranzuführen“, sagt der Trainer Björn Hinck. So ist es nicht verwunderlich, dass einmal mehr ein großer Umbruch stattgefunden hat. Marco Tucci, Dominique Rodrigues und Sokol Kacani gehören künftig dem Regionalligateam an, aus der eigenen Jugend sind neue Spieler dazugekommen. Mit seinen 24 Jahren gehört Fabio Accardi bereits zu den Erfahrensten in der Mannschaft. Den nötigen Schliff, glaubt Hinck, könnten sich die jungen Spieler auch in der künftigen Oberliga holen. „Die Qualität wird nicht darunter leiden, dass das dann nur noch die fünfte Klasse ist.“

Berechtigte Hoffnungen auf einen Platz unter den ersten Vier machen sich derweil die Fußballer des SGV Freiberg. Nach Platz sieben vor zwei Jahren und Platz fünf in der vergangenen Saison wollen die Freiberger auch in dieser Spielzeit oben mitmischen. „Es wäre fatal, wenn wir nach dem 20. Spieltag im Niemandsland herumschwimmen würden und die Aufstiegsplätze dann schon unerreichbar wären“, sagt der Trainer Marcus Wenninger. Pflicht sei die Regionalliga-Qualifikation aber nicht. Ohnehin sieht Wenninger Vereine wie den Dauerbrenner SSV Ulm 1846, den SV Waldhof Mannheim und den FC 08 Villingen eher in der Favoritenrolle.

Ein echter Konkurrenzkampf ist bei den Freibergern um die Plätze im Angriff entbrannt. Die Neuzugänge Marco Grüttner und Marius Müller haben Michael Schürg und Predrag Sarajlic Beine gemacht, die in der vergangenen Saison zusammen 28-mal erfolgreich waren. Vor allem Müller könnte nach einer starken Vorbereitung ein Kandidat für die Anfangsformation sein. „Am Ende“, sagt Wenninger geheimnisvoll, „wird der Bauch des Trainers entscheiden.“

Stuttgarter Zeitung

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