SSV Ulm – Stuttgarter Kickers II in der Presse

SPATZEN / Vierter Oberliga-Heimsieg hintereinander beim 3:0 gegen die „kleinen Kickers“
Talisman macht Männer munter
Betz seit Rückkehr ohne Gegentor – Marchese bricht Bann – Starker Huckle verletzt

Mag sein, dass die Spatzen nur Männer für eine Nacht sind und heute wieder den Oberliga-Thron räumen müssen. Aber wenn sie ihre Heimstärke konservieren (das 3:0 gegen die Stuttgarter Kickers II war der vierte Erfolg in Serie), bleiben sie ein ernsthafter Anwärter für oben.

RÜDIGER BERGMANN

Teufelskerl? Eher Talisman. Seit Holger Betz zwischen die Pfosten zurückgekehrt ist, sind die Spatzen undurchlässig geworden. 2:0 gegen Villingen, 0:0 in Bonlanden, jetzt 3:0 gegen die „Zweite“ der Stuttgarter Kickers: Die Löcher in der Abwehr sind gestopft.

Torwart Betz haben die Ulmer den vierten Heimsieg im vierten Anlauf sicher nicht vordergründig zu verdanken. Gegen die sturmschwachen Degerlocher konnte sich der 28-Jährige kaum auszeichnen. Aber seine Vorderleute haben durch die Rückkehr des vorübergehend auf die Bank Verbannten spürbar mehr an Souveränität und Zutrauen gewonnen. So ließen sich die Spatzen gestern auch von einem eher verhaltenen Auftakt nicht verunsichern. Sie wissen, dass sie dank der Erfahrung einiger versierter Einzelspieler keine Fülle von hochkarätigen Chancen benötigen, um die Weichen stellen zu können.

Der Strafstoß zur 1:0-Führung unterstreicht diese Behauptung. Nach einem Zweikampf am Strafraumeck sprang Markus Lösch (35) sofort dem Ball hinterher – sein Kontrahent Mike Baradel (21) sprang hingegen Lösch in die Beine. Vincenzo Marchese ließ sich dieses „Gastgeschenk“ (Kickers-Coach Björn Hinck) nicht nehmen und verwandelte den Elfmeter zum 1:0 (36.). Wieder ein Ehemaliger also, der die Serie der Spatzen-Torschützen gegen die „Blauen“ verlängerte.

Dieser Treffer fiel in einer Phase, als der SSV 46 an Beharrlichkeit zulegte. Der starke Lösch und Marchese brachten die Bälle über Kurzpass-Stafetten nach außen, wo nicht nur die stürmenden Verteidiger Benny Barth (rechts) und Patrick Huckle, sondern auch Miguel Coulibaly auftauchten.

Der diesmal überragende Huckle leitete mit einem gepflegten Flügellauf auch die Vorentscheidung ein: Seine Hereingabe brauchte Coulibaly (59.) nur noch über die Linie zu drücken. Schade, dass der ehemalige Elversberger Huckle bei einer ähnlichen Situation neun Minuten später mit einer Muskelverletzung in der Leiste aufgeben musste.

Der Rest war Schaulaufen, weil die Ulmer Ball und Gegner beherrschten, schöne Passagen einblendeten. Eine von ihnen nutzte Thorsten Rinke nach genauem Coulibaly-Zuspiel zu einem Solo an Torwart Salz vorbei zum 3:0 (75.).

Nach dem Parallel-1:1 des bisherigen Tabellenführers Bahlinger SC in Nöttingen durfte der SSV 46 endlich mal wieder als Klassenprimus übernachten. Vermutlich wird er diesen Sonnenplatz heute gegen 17.15 Uhr schon wieder räumen müssen, doch die Konkurrenz muss die Spatzen auf der Rechnung haben.

Auch wenn manch einer (Rinke, Marchese, Barth) die Dauerbelastung der zurückliegenden Wochen nicht aus den Kleidern zu schütteln vermochte, kommt den Ulmern entgegen, dass sie mit weniger Aufwand mehr erreichen können als in der vergangenen Runde. Jetzt gilt es, am Dienstag (14.30 Uhr) im Pokal-Viertelfinale beim Landesliga-Spitzenreiter SV Böblingen zu bestehen – und dann bis zum Kräftemessen in Bahlingen endlich mal elf Tage ohne Spiel zu genießen.

„Das tut gut“, glaubt nicht nur Gaetano Intemperante, der ebenso wie Sturmpartner Coulibaly gegen die Kickers fleißig unterwegs war. Es muss ja nicht immer Fußball zum Zungeschnalzen sein – Hauptsache, der Killerinstinkt kommt den Spatzen nicht abhanden.

SO SPIELTEN SIE

SSV Ulm 1846: Betz – Barth, Neumann, Gora, Huckle (68. Klotz) – Marchese, Rinke, Lösch, Wünsche (82. Klapsia) – Intemperante (73. Skowranek), Coulibaly.

Tore: 1:0 Marchese (36./Foulelfmeter), 2:0 Coulibaly (59.), 3:0 Rinke (75.) – Schiedsrichter: Steinberg (Korntal). – Gelbe Karten: Rinke – Ivanusa, Baradel – Zuschauer: 1700.

Südwest-Presse

SPATZEN / Nicht nur Marchese hat eine Vergangenheit bei den Kickers
Fünf Gefahren für die Serie
Ein Ex-Stuttgarter trifft meistens beim SSV 1846 – Coulibaly fit

Die Kickers besuchen ihre Filiale. Fünf ehemalige Degerlocher spielen in der Fußball-Oberliga inzwischen für die Spatzen. Das Ulmer Trainer-Tandem Marcus Sorg/Thomas Letsch erhöht dieses stattliche Kontingent auf sieben. Heute ist Wiedersehen im Donaustadion.

RÜDIGER BERGMANN

Vorgestern in Degerloch: Halbfinale im WFV-Pokal zwischen den Regionalligisten Stuttgarter Kickers und VfR Aalen (5:4 nach Elfmeterschießen). Auf der Tribüne nimmt Kickers-Abteilungsleiter Martin Kurzka den Zaungast Vincenzo Marchese beiseite. Der 23-Jährige spielt seit dieser Saison beim SSV 1846 – nach zuvor sechs Spielzeiten bei den Kickers.

Heute (19.30 Uhr) kreuzt die Oberliga-Vertretung aus Degerloch in Ulm auf, und Kurzka schwor den Tapetenwechsler Marchese schon mal auf das Ende einer Serie ein. In den vergangenen Jahren habe stets ein „Ehemaliger“ für die Ulmer gegen die „kleinen Blauen“ getroffen – von dieser unliebsamen Tradition möge sich Marchese doch bitteschön nicht anstecken lassen.

Selbst wenn der Mittelfeldakteur diesen frommen Wunsch wider Erwarten beherzigen wollte: Kurzka muss vier weitere Altlasten fürchten. Auch Markus Lösch, Gaetano Intemperante, Janusz Gora und Mario Klotz haben, direkt oder über Umwege, von den Kickers zu den Spatzen gefunden. Bis auf Klotz werden heute alle den Anpfiff von Schiedsrichter Florian Steinberg (Korntal) auf dem Rasen erleben.

Denn Trainer Marcus Sorg wird sein Team gegenüber der 0:0-Enttäuschung von Bonlanden nur auf einer Position verändern. Für Miguel Coulibaly, der seine Leistenbeschwerden überwunden hat, nimmt Vladimir Manislavic wegen der gereizten Achillessehne zunächst auf der Bank Platz.

Vincenzo Marchese hingegen nicht. Zwar wechselte ihn Sorg auf dem kleinen und holprigen Gelände in Bonlanden zur Pause aus, doch das gefährdet dessen Stammplatz-Garantie mitnichten. Zumal der frühere Regionalliga-Spieler bei seinem ersten Auftritt nicht für, sondern gegen die Kickers keinerlei Zurückhaltung verspricht. „Gegner ist Gegner, egal, wer da kommt“, behauptet Marchese.

Der „Herr der ruhenden Bälle“ hat es bislang auf einen Saisontreffer gebracht. Übrigens nicht per Frei- oder Strafstoß, sondern mit dem Kopf zum 2:1-Sieg in Nöttingen. Wie torgefährlich er sein kann, hat Marchese den Ulmern freilich schon gezeigt. In der vergangenen Saison, als ihm, Stammkraft für die „Blauen“ in der Regionalliga, bei einem seiner drei Aushilfsdienste fürs Oberliga-Team die 1:0-Führung der kleinen Blauen gegen den SSV 46 glückte (Endstand 1:2).

Übrigens: Falls er heute auf der anderen Seite treffen sollte, will sich Vincenzo Marchese nur innerlich freuen – sechs Jahre unterm Fernsehturm vergisst man eben nicht so schnell. Indes: Herr Kurzka wäre auch mit dieser abgespeckten Variante der bösen Serie ganz und gar nicht einverstanden.

SO SPIELEN SIE

SSV 46: Betz – Barth, Neumann, Gora, Huckle – Rinke, Marchese, Lösch, Wünsche – Intemperante, Coulibaly

Südwest Presse

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.