Vorberichte: TSG Hoffenheim – Stuttgarter Kickers

10. November 2006 in Kickers I, News

Umsorgt wie in der Nationalmannschaft
 
Der Fußball-Regionalligist TSG Hoffenheim kann sich einen hochprofessionellen Mitarbeiterstab leisten
 
HOFFENHEIM. Die TSG Hoffenheim steht vor dem Heimspiel morgen gegen die Stuttgarter Kickers genau dort, wo sie auch am Saisonende stehen will: auf einem Aufstiegsplatz der Fußball-Regionalliga. Grund dafür ist auch das Funktionsteam hinter Trainer Ralf Rangnick.

Von Florian Huber

Bernhard Peters wird dem Titel auf seiner Visitenkarte bei der TSG Hoffenheim an diesem Samstagnachmittag voll und ganz gerecht. „Direktor für Sport-und Nachwuchsförderung“ darf sich der ehemalige Hockeynationaltrainer seit einigen Wochen nennen. Tatsächlich muss sich Peters kurz nach dem Anpfiff gegen den 1. FC Saarbrücken insbesondere um den eigenen Nachwuchs kümmern.

Eine seiner beiden vierjährigen Zwillingstöchter turnt auf den blauen Plastiksitzen der Haupttribüne herum. Und Papa Peters hat sichtlich Mühe, nicht nur dem Bewegungsdrang der eigenen Tochter, sondern auch dem der TSG Hoffenheim unten auf dem Spielfeld zu folgen. „Bernhard Peters passt vor allem menschlich super zu uns, das lässt sich nach den ersten Wochen festhalten“, sagt der TSG-Manager Jan Schindelmeiser über den 46-Jährigen. In den ersten drei Wochen seines Wirkens beim Regionalligisten hat sich Peters zunächst einen Überblick über den Zustand der Nachwuchsarbeit gemacht – und dabei viele Hände geschüttelt.

Denn kein anderer Regionalligist kann sich abseits des Spielfeldes einen so umfangreichen und prominent besetzten Mitarbeiterstab leisten. Angefangen bei der medizinischen Abteilung mit vier Physiotherapeuten über den Athletikcoach bis hin zum Psychologen. „Das große Funktionsteam ist ein Vorgriff auf die Zukunft und zum Teil komplementär aufgebaut“, sagt Jan Schindelmeiser.

Was er damit meint, lässt sich anhand des Torwarttrainers Philipp Laux verdeutlichen. Nach dem Abschluss seines Psychologiestudiums soll er nebenbei den neuen Mannschaftspsychologen Hans-Dieter Hermann unterstützen. Dieser arbeitet außerdem für die Nationalmannschaft – genau wie auch Bernhard Peters. „Wir sind deshalb aber nicht die Lightversion der DFB-Auswahl“, sagt Schindelmeiser. Doch genau wie bei der Elf unter Joachim Löw spielen sportwissenschaftliche Erkenntnisse eine große Rolle im Hoffenheimer Masterplan. Was sich zum Beispiel in einer aufwendigen Gegnerbeobachtung und Spielanalyse widerspiegelt. Der Verein finanziert eine Gruppe von 20 Studenten, die unter Führung von Daniel Memmert (Universität Heidelberg) ausführliche Dossiers über die Ligakonkurrenz anlegt. Eine Powerpointpräsentation und Videoanalysen mit den Stärken und Schwächen stimmt die Mannschaft auf den jeweiligen Gegner ein.

Über die Kosten für den enormen Personalaufwand abseits des Rasens will in Hoffenheim niemand sprechen. Konkrete Zahlen hüten sie im Kraichgau wie die Amerikaner ihren Goldschatz in Fort Knox. „Wir haben eine festgelegte Summe X für mehrere Jahre“, antwortet der Mäzen Dietmar Hopp gern auf Fragen zum Etat. Die TSG Hoffenheim ist dank des SAP-Gründers von den Finanzsorgen der Konkurrenz weit entfernt. Trotzdem, oder gerade deshalb sind die Macher wie der Manager Jan Schindelmeiser oder der Geschäftsführer Jochen Rotthaus als harte Verhandlungspartner bekannt.

Dass das Hoffenheimer Budget höher ausfällt als bei der Ligakonkurrenz, steht außer Frage. So dürfte alleine bei der Addition der Gehälter des Trainers, Geschäftsführers und Sportdirektors eine Summe herauskommen, die das Jahresgesamtbudget des SSV Reutlingen von rund 1,2 Millionen Euro deutlich übersteigt. Der sportliche Erfolg gibt den Beteiligten recht – die abgedroschene Floskel vom Geld, das Tore schießt, sie passt wohl doch auf die TSG Hoffenheim. Die Mannschaft wirkt in dieser Saison wie ein Ferrari, der mit einer Runde Rückstand in ein Rennen gegen Traktoren gestartet ist. Die schwache Phase zu Saisonbegin mit nur zwei Punkten aus den ersten vier Spielen ist Vergangenheit. Seitdem hat das Team von Ralf Rangnick zehn der vergangenen elf Begegnungen gewonnen. Bei der Konkurrenz sprechen sie schon ehrfürchtig vom FC Chelsea der Regionalliga. Zu deutlich zeigt sich Woche für Woche, dass die TSG Hoffenheim wohl schon früh für die Zweitligasaison 2007/08 planen kann. Nach 15 Spieltagen beträgt der Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz bereits zehn Punkte. „Und genau dieser Abstand interessiert uns am meisten“, sagt Rangnick vor dem Heimspiel morgen gegen den einstigen Spitzenreiter Stuttgarter Kickers.

Der Vergleich mit Chelsea hinkt übrigens. Denn gestandene Spieler wie Tomislav Maric oder Jochen Seitz haben im Moment keinen Stammplatz sicher. Dafür trumpfen eigentliche Bankanwärter wie der Verteidiger Denis Bindnagel oder der quirlige Stürmer Dragan Paljic groß auf. In dem 18-jährigen Steffen Haas ist zudem ein großes Talent aus dem eigenen Nachwuchs bereits zu einigen Einsätzen gekommen. Es ist Bernhard Peters große Aufgabe, mehr davon auszubilden.

Stuttgarter Zeitung

Sitzplatzkarten für das Spitzenspiel der Regionalliga-Süd vergriffen

Sämtliche Sitzplatzkarten auf der Haupt- und den Nebentribünen für das kommende Heimspiel am Samstag gegen die Stuttgarter Kickers sind bereits heute ausverkauft. Nach dem Heimsieg gegen den SSV Reutlingen hat ein regelrechter „Run“ auf die Sitzplatzkarten stattgefunden.

Stehplatzkarten sind weiterhin im Vorverkauf in der Geschäftsstelle bzw. in den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Auch hier ist die Nachfrage sehr groß.

Homepage TSG Hoffenheim

Bei der TSG Hoffenheim (3:0 beim FK Pirmasens) will man von voreiligen Gratulationen nichts wissen. „Das ist völliger Quatsch“, sagt Spielleiter Dirk Rittmüller. „Wir haben in elf Spielen zwar 20 Punkte auf die Stuttgarter Kickers gut gemacht. Das kann aber genauso gut anders laufen.“ Trotz guter Ausgangsposition werden die Augen nach Verstärkungen offen gehalten. Zumal sich Stürmer Andreas Haas (kam erst vor der Saison vom FC Homburg) schon wieder mit Abwanderungsgedanken trägt.

TSG-Torjäger Tomislav Maric fiebert bereits dem Duell mit seinem ehemaligen Klub Stuttgarter Kickers am Samstag entgegen. Aus seinen Tagen bei den „Blauen“ ist nur noch der jetzige Co-Trainer Stefan Minkwitz auf Degerlochs Höhen.

Dort bleibt es auch nach der 1:3-Panne gegen Hessen Kassel, der achten Partie ohne Sieg, ruhig. Präsident Hans Kullen bricht eine Lanze für Trainer Robin Dutt: „Er hat mein vollstes Vertrauen. Wir lassen uns nicht auseinander dividieren. Das Team hat gegen Kassel den Willen gezeigt, die Wende zu schaffen.“

Bietigheimer Zeitung

Die Zeiten haben sich geändert
 
REGIONALLIGA: Hoffenheim ist Favorit gegen Stuttgarter Kickers / Rangnick wieder nach Schalke?

Wer hätte das gedacht: In den ersten Wochen der Fußball-Regionalliga-Saison starteten die Stuttgarter Kickers mächtig durch, schienen unschlagbar und sorgten zudem mit dem Sieg im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV bundesweit für Furore. In diesen Wochen des August und September hinkte die TSG Hoffenheim noch mächtig hinterher, und die Experten fragten sich, ob die Kraichgauer überhaupt noch einmal an die Aufstiegsplätze heran schnuppern können. Nun, Mitte November, sieht die Lage wie folgt aus: Die TSG Hoffenheim ist mit 33 Punkten Zweiter der Tabelle, seit zwölf Spielen ungeschlagen und erwartet morgen um 14.30 Uhr zuhause die Stuttgarter Kickers als Sechsten mit lediglich 23 Zählern. Die Schwaben haben neun Spiele in Serie nicht mehr gewonnen.

„Die Schonzeit ist vorbei“, ließ aufgrund der anhaltenden Negativserie Kickers-Coach Robin Dutt nach dem 1:1 vom letzten Samstag bei der zweiten Mannschaft des TSV 1860 München verlauten. Doch sein angekündigtes Donnerwetter hat zumindest kurzfristig nichts genutzt, denn am Mittwoch verloren „die Blauen“ zuhause gegen Aufsteiger Hessen Kassel mit 1:3. Dabei wirkte vor allem die von Vierer- auf Dreierkette umgestellte Stuttgarter Abwehr sehr verunsichert. Nach vorne waren die Kickers spielerisch recht planlos.

Stellt man die letzten Partien der Hoffenheimer dagegen, dann sollte gegen Stuttgart eigentlich nichts schief gehen. „Nie mehr dritte Liga“, sangen die TSG-Fans am Mittwochabend beim nie gefährdeten 3:0-Erfolg in Pirmasens. Dennoch fand Manager Jan Schindelmeiser, dass die TSG nicht so souverän gespielt habe wie in den Wochen zuvor. Mit dieser Aussage dürfte Dragan Paljic nicht gemeint gewesen sein, der mit seinen beiden Treffern am Mittwoch maßgeblich am Sieg der Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick beteiligt war. Mit diesen beiden Toren belohnte sich der schnelle Flügelflitzer für seine Leistungen in den letzten Wochen. „Er, aber auch die Mannschaft ist noch nicht am Ende der Entwicklung“, sagte der TSG-Trainer. Muss die Konkurrenz Angst haben?

Wenn es nach den Trainer der übrigen Regionalligisten geht, ist die TSG eh nicht mehr zu stoppen. Die Zweite Bundesliga scheint für die Hoffenheimer gebongt, die erste Liga ist im Visier. Aber vielleicht ist genau diese augenscheinliche Aussichtslosigkeit die Chance für die Kickers. Die totale Außenseiterrolle war schon oft der Schlusspunkt eines Negativlaufs.

Apropos Bundesliga: Ralf Rangnick gab dieser Tage in der „Westfälischen Rundschau“ eine besondere Liebeserklärung ab: „Schalke ist mir sehr ans Herz gewachsen. Wenn ich wieder in der Bundesliga tätig sein würde, dann am liebsten bei Schalke 04.“ Wollte Rangnick aber nicht mit der TSG Hoffenheim in die Bundesliga aufsteigen?

Fränkische Nachrichten

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