Satirischer Kommentar von Jo Bauer zur Kickers-Heimniederlage

Fink jr. und die Mütze
 
Fast wäre es totenstill geworden um meinen Laptop Fink. Ich weiß nicht, ob er noch lebt. Im vergangenen Winter habe ich ihn bei einer Dame in Pflege gegeben. Er war so gut wie hinüber, leistete sich mehr Abstürze, als ich vertragen konnte.

Obwohl Fink endgültig entsorgt schien, lässt er mir keine Ruhe. Bis zum heutigen Tag fragen mich wildfremde Menschen, ob Fink noch existiere oder ob ich einen neuen Fink hätte, womöglich einen, der nicht mehr Fink heiße.

Was für Fragen. Wie soll es einen Fink geben, wenn er nicht Fink heißt. Selbstverständlich habe ich einen anderen Laptop, aber ich weiß nicht, wie er heißt. Einmal habe ich ihn Ringo getauft, aber der Name kam nicht an. Nie hat mich ein Mensch nach Ringo gefragt. Auch nicht die Bäckerin vom Bäcker Bosch in meiner Nachbarschaft. Sie fragt mich immer noch nach Fink, und ich kann ihr nicht sagen, ob ich einen kenne, der Fink heißt.

Ein paar Mal habe ich es mit Fink jr. versucht, ich bin mir nicht sicher, ob Fink jr. moralisch korrekt ist. Vielleicht wäre es besser, die Fink-Nummer in den Müll zu werfen. Was soll ich sagen, wenn mich einer nach Fink fragt. Fink hat Eindruck hinterlassen, das ist wahr. Vor ein paar Tagen erst hat mich im Gerberviertel ein Mann angesprochen. Sein Kumpel, hat der Mann gesagt, wolle wissen, ob ich einen neuen Fink hätte und ob der Fink heiße. Es gibt so viele Probleme in der Stadt, ich verstehe nicht, warum sich ein erwachsener Mann Sorgen macht um Fink. Es müsste ihm doch eine Warnung sein, wenn einer seinen Laptop Fink tauft.

Fink hatte ich einst für Außeneinsätze engagiert, inzwischen bin ich zum Notizbuch zurückgekehrt. Fink jr. ist noch nicht so weit. Er ist ein Heimspieler, auf fremden Plätzen viel zu nervös.

Am Samstag kam ich vom Fußball nach Hause. „Wie habt ihr gespielt?“, fragte Fink jr. „Halt die Schnauze, Junior“, sagte ich, „ich habe nicht gespielt.“ Fink jr. musste gesehen haben, wie ich meine B-Block-Karte zerrissen und in den Müll geworfen hatte. „Warum habt ihr verloren?“, fragte Fink jr. „Der neue Trainer trug eine Baseballmütze“, sagte ich.

Fink jr. schwieg. Er hatte nicht begriffen. Das war meine Chance. „Der Trainer trug Turnschuhe, Trainingshose, Turnhemd und Baseballmütze“, sagte ich, ohne Luft zu holen, „mit solchen Trainern kannst du nicht gewinnen.“ „Ich habe noch nie gehört, dass es Trainern verboten ist, Turnschuhe, Trainingshose, Turnhemd und Baseballmütze zu tragen“, sagte Fink jr. „Du hast keine Ahnung“, sagte ich und wurde laut, „nach der internationalen Fußballkleiderordnung ist es verboten.“ „Ihr spielt ja überhaupt nicht international“, sagte Fink. „Halt die Schnauze, Junior“, brüllte ich, „wir spielen nicht international, weil der Trainer Turnschuhe, Trainingshose, Turnhemd und Baseballmütze trägt.“ „Der Trainer ist neu“, sagte Fink jr., „der kann das nicht wissen.“ „Ja“, sagte ich, „der Trainer ist neu, der Trainer weiß nichts. Wir spielen Fußball, nicht Faschingsball.“

Seit wann hängt es von den Klamotten ab, ob ein Trainer ein guter Trainer ist?“, sagte Fink. „Wir haben einsdrei verloren“, sagte ich. „Trainer mit Turnschuhen, Trainingshose, Turnhemd und Baseballmütze verlieren immer.“ „Das sind Vorurteile“, sagte Fink. „Nein“, sagte ich, „das ist Lebenserfahrung.“

Dann ging ich in den Garten und zündete das Stadionheft an. „Ein guter Mann trägt keine Mütze“, sagte ich, als ich zurückkam. Fink jr. schaute aus dem Fenster. „Ich schätze, deine Kickers-Mütze brennt“, sagte er.

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