Presseartikel 07.04.2007

7. April 2007 in Allgemein

Mit Realitätssinn in die dritte Liga

07.04.2007

Peter Zeidler wird neuer Trainer der „Blauen“ – Der 44-Jährige punktet mit Erfahrung in der Nachwuchsarbeit

Stuttgart – Zunächst wurde die Liste der Kandidaten auf elf, dann auf drei reduziert. Nun ist die Entscheidung gefallen: Peter Zeidler wird in der neuen Saison Trainer des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers. Der 44-Jährige, der zurzeit den Bayernligisten 1. FC Nürnberg II betreut, folgt Robin Dutt, der zum SC Freiburg wechselt.

Von Sigor Paesler

Der Zeitpunkt der Vorstellung hätte besser sein können. Nach dem blamablen 0:3 gegen die SF Siegen war die Stimmung im VIP-Raum der „Blauen“ gedrückt. Und schon stand die Frage im Raum, ob Zeidler den scheidenden Dutt nicht schon vor dem 1. Juli beerben könnte. „Das kommt nicht in Frage, ich erfülle meine Aufgabe in Nürnberg“, sagte Zeidler. Und auch Dutt hofft auf einen harmonischen Abschied nach dem letzten Saisonspiel am 2. Juni in Elversberg – auch wenn da seit Donnerstagabend Skepsis angebracht ist.Neben Zeidler waren Jürgen Seeberger (zuletzt FC Schaffhausen) und Günter Rommel (VfL Sindelfingen / Frauen) in der engeren Auswahl. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Manager Joachim Cast und fügte den in dieser Situation üblichen Satz hinzu: „Peter Zeidler passt perfekt zu unserem Anforderungsprofil.“ Präsident Dirk Eichelbaum konkretisierte: „Er hat in der Regionalliga erfolgreich gearbeitet, kennt sich in der Region aus und hat bewiesen, dass er konzeptionell arbeiten kann. In Nürnberg hat er fünf Talente zu den Bundesligaprofis von Trainer Hans Meyer geführt.“In der Saison 2003/2004 verfehlte Zeidler mit dem VfR Aalen knapp den Aufstieg in die zweite Liga, davor war er gemeinsam mit Ralf Rangnick für die A-Junioren des VfB Stuttgart zuständig und arbeitete als Assistenzcoach bei den Amateuren des VfB. Im Dezember hat er in Köln die Ausbildung zum Fußballlehrer abgeschlossen.Der zweifache Familienvater weiß, was auf ihn zukommt. „Ich beobachte die Kickers seit Jahren“, sagte Zeidler, „es ist ein Traditionsverein mit einer guten Nachwuchsarbeit.“ Zudem freue er sich auf die Zusammenarbeit mit Cast: „Es ist ein gutes Gefühl, einen kompetenten Manager im Verein zu wissen.“Gleichwohl weiß Zeidler, dass trotz nicht allzu großer finanzieller Möglichkeiten in der kommenden Saison die Qualifikation für die eingleisige dritte Liga von ihm erwartet wird: „Das Ziel ist klar formuliert. Das schaffen wir auch, wenn wir fleißig arbeiten.“ Im Falle der Qualifikation, zu der die Kickers in einer vermutlich deutlich stärkeren Liga mindestens Platz neun erreichen müssen, verlängert sich der Einjahresvertrag des Coaches automatisch um ein weiteres Jahr. Von höheren Zielen nimmt der Oberstudienrat, dessen Lehrauftrag als Gymnasiallehrer für Sport und Französisch derzeit ruht, zunächst Abschied: „Man muss die Situation realistisch eingeschätzen.“ Auch hier ist die Kenntnis der Gegebenheiten in Degerloch herauszuhören.

Robin Dutt: Die Wahl ist perfekt

Dutt betonte zwar, dass er in die Suche nach seinem Nachfolger „kaum eingebunden“ war. Dennoch kann er mit der Lösung gut leben. „Alle drei, die zuletzt zur Auswahl standen, waren Top-Kandidaten“, sagte er, „Peter Zeidler schätze ich sehr – die Wahl ist perfekt.“ Auch Stefan Minkwitz, der Co-Trainer bleibt, ist zufrieden: „Das passt. Ich werde ihm genauso treu dienen, wie ich Robin Dutt gedient habe.“

In den kommenden Tagen will der künftige Trainer erste Gespräche mit Spielern des aktuellen Kaders und mit potenziellen Neuzugängen führen. Von der Leistung, die er gegen Siegen sah, will er sich dabei nicht allzu sehr leiten lassen: „Ich gehe davon aus, dass das eine Eintagsfliege war.“ Weitere Niederlagen würden seinen Start aber nicht gerade erleichtern.

ez-online.de

Kommt Zeidler früher als geplant?

Stuttgart – Nach dem peinlichen 0:3 gegen die Sportfreunde Siegen stellten die Stuttgarter Kickers den Coach für die kommende Spielzeit vor: Peter Zeidler. Robin Dutt kämpft derweil um ein glückliches Ende dieser Saison – mit ziemlich stumpfen Waffen.

VON GUNTER BARNER

Als die Stümperei auf dem Rasen so gar kein Ende nehmen wollte, brüllte sich ein zahlender Kunde auf der Haupttribüne den Zorn von der Seele: „Vielleicht nehmt ihr ja für die neue Saison diesen Trainer aus Sindelfingen“, bellte er in Richtung der blauen Beletage, „der trainiert die Frauen. Der kann es bestimmt besser.“

Es war ein reichlich polemischer Beitrag zum trüben Spiel der blauen Götter. Und die Schuld für den misslungenen Auftritt vor heimischem Publikum allein beim Trainer zu suchen, entsprang zwar den marktüblichen Reflexen, wurde aber der Sache nicht gerecht. Denn streng genommen hatte sich Robin Dutt gegen die eher mittelmäßigen Sportfreunde aus Siegen nur einen Fehler erlaubt. Er vertraute erstens: auf die Eigenmotivation seiner Spieler. Und entschied sich zweitens: für eine Taktik, die ebendiese zur Voraussetzung hat. Das ging „voll in die Hosen“, wie Dutt nach der zweiten Heimniederlage in Folge selbstkritisch bescheinigte. Ohne sich nennenswert zu bewegen, hat eben noch keine Fußballmannschaft ein Spiel gewonnen.

Überdies lässt die Analyse des akuten Getriebeschadens wenig Gutes für den Rest dieser Saison erwarten. Da gibt es einen Trainer, der zwar noch da ist, aber in den Augen seiner Spieler längst den SC Freiburg trainiert. Und weil der eine oder andere Profi wohl vermutet, dass dem Coach ohne das Zutun seiner Mannschaft der Absprung in die zweite Liga nie gelungen wäre, sind Neid und Missgunst programmiert. Zeitgleich pokern etliche Akteure um neue Verträge, höhere Gehälter oder hoffen gar, es dem Trainer am Ende dieser Saison nachtun zu können.

Das alles ist menschlich und im Niedriglohn-Unternehmen von der Stuttgarter Waldau keineswegs neu. Die Palette möglicher Gegenmaßnahmen hält sich allerdings in engen Grenzen. Gleich nach der Partie zogen sich Dutt, Manager Joachim Cast und Präsident Dirk Eichelbaum zurück. Es dauerte auffällig lange, bis das Trio mit erhitzten Gesichtern zur Pressekonferenz erschien. Und es würde nicht wundern, wenn Dutt unter sechs Augen seinen Rücktritt angeboten hätte. Bebend vor Zorn las der Coach seiner Mannschaft die Leviten. Tags darauf, vor dem Training, wiederholte sich die Prozedur. Cast und Eichelbaum appellierten an die Ehre der kickenden Angestellten, Dutt machte unmissverständlich klar, dass er sich seine über fünf Jahre währende Aufbauarbeit im Kickers-Notstandsgebiet nicht zerstören lasse. Und wenn das im Verein jemand anders sehe, „bitte, dann trinken wir noch ein Glas Wein zusammen. Und das war’s dann.“ Er wolle niemandem im Weg stehen. „Das alles“, knurrte der Coach, „ist eben auch eine Frage des Charakters. Ich jedenfalls werde bis zum Ende alles geben.“

Das könnte schneller kommen, als von den Kickers-Strategen geplant.

Nach Robin Dutts geharnischtem Auftritt stellte sich der Trainer für die kommende Saison vor: Peter Zeidler. Dem ehemaligen Coach des Ligarivalen VfR Aalen wird eine besonders hohe Leidensfähigkeit attestiert.

STN

„Das Gesamtpaket reicht nicht“

Der scheidende Kickers-Trainer Robin Dutt nimmt nach dem 0:3 gegen Siegen Spieler und Vereinsführung in die Pflicht

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers haben einen neuen Trainer für die nächste Saison: Peter Zeidler. Dass schwere Zeiten bevorstehen, wurde dem 44-Jährigen am Donnerstag bei der 0:3-Niederlage in der Fußball-Regionalliga gegen Siegen deutlich vor Augen geführt.

Von Joachim Klumpp

Im Laufe der zweiten Hälfte hatte Peter Zeidler am Donnerstag mitsamt Begleitung schon mal seinen Platz auf der Haupttribüne im Gazistadion verlassen. Doch Fluchtgefahr bestand nicht – trotz des deprimierenden 0:3-Spielstands, der schließlich auch das Endergebnis dokumentierte. Und damit den sportlichen Tiefpunkt in dieser Saison. Dabei waren die Gäste nicht nur mit einem motivierten Christian Okpala gekommen, sondern auch einer gehörigen Portion Respekt. „Wir wussten, dass uns ein schweres Spiel erwartet“, sagte deren Trainer Ralf Loose, und wurde kurz danach von seinem Kickers-Kollegen Robin Dutt korrigiert: „Zurzeit ist es nicht schwer, hier drei Punkte zu holen.“

Ein Satz, der einem Offenbarungseid gleichkam, aber ganz bewusst gewählt worden war. Denn Robin Dutt spürte spätestens in diesen 90 Minuten, dass die Mannschaft seine Vorgaben, warum auch immer, nicht mehr umsetzt. Der Trainer agierte nach zuletzt vielen leichtfertigen Gegentoren vor 2620 Zuschauern erst einmal vorsichtig – mit Akcay und Hartmann im defensiven Mittelfeld – und nahm das auf seine Kappe, gepaart allerdings mit der Erkenntnis: „Es ist nicht die Taktik, sondern andere Dinge die im Argen liegen“, wie er sagte.

Zunächst einmal scheint es um den Teamgeist, der die Mannschaft in der Anfangsphase der Saison so stark gemacht hat, nicht mehr zum Besten gestellt. Was zum einen daran liegen mag, dass die Vertragssituation etlicher Spieler ungeklärt ist. Wobei Manuel Hartmann, dem auch Angebote aus der zweiten Liga vorliegen, schon mal um Geduld bittet und sich erst Mitte Mai entscheiden will. Andere schwebten nach dem Pokalerfolg gegen den HSV schon auf Wolke sieben, wieder andere (allen voran Mirnes Mesic) sind längst weg. Auf dem Weg in die zweite Liga. „Doch wer empfiehlt sich bei uns mit den Leistungen dafür“, fragt Dutt.

Dass solche Ergebnisse nicht gerade förderlich für sein ohnehin umstrittenes Engagement in Freiburg sind, versteht sich von selbst, das sei aber zweitrangig: „Zunächst einmal geht es um den Verein, dem ich viel zu verdanken habe.“ Das sei auch eine Frage des Charakters, den Dutt bis vor Kurzem in der Mannschaft noch gelobt hat. Offensichtlich etwas voreilig. Genau wie die angeblich positive Arbeit im Trainingslager in der Türkei. „Die Winterpause war ein Knackpunkt“, sagt der Trainer. Aber nicht der einzige. Weil schon nach der ersten Niederlage – übrigens am neunten Spieltag gegen Siegen – die Formkurve nach unten zeigte, was schnell in Vergessenheit geraten ist. Lange war von Aufstieg die Rede, auch Dutt hat diese Vision bewusst gefördert, heute sagt er: „Das Gesamtpaket reicht nicht dafür.“

Möglicherweise nicht einmal zum Minimalziel sechster Platz. Denn gegen Siegen fehlte neben der spielerischen Linie auch der kämpferische Wille. „Niederlagen wie diese hatten wir in den vergangenen dreieinhalb Jahren nicht“, sagt Dutt, der sich unbedingt mit dem besten Ergebnis seiner Amtszeit verabschieden will. „Es droht kein Debakel, es ist schon eines“, so Dutt am Donnerstag.

Gegensteuern, heißt die Devise. Aber wie? Die Mittel sind begrenzt, sportlich nahezu ausgeschöpft. Dutt: „Wir können hin und her wechseln, wie wir wollen.“ Jetzt sollen Emotionen geschürt, der Ton der Kommunikation schärfer werden – was gestern im Training begann. Dennoch forderte Robin Dutt: „Es ist Zeit, dass nicht nur der Trainer deutliche Worte findet.“

Der Präsident Dirk Eichelbaum appellierte prompt persönlich an die Mannschaft, nachdem der Vorstand zuvor die Baustelle Trainer – mit Peter Zeidler – geschlossen hatte. Jetzt stehen Vertragsverhandlungen an (Kacani, Tucci, Bischoff). Und Manager Joachim Cast fügt hinzu: „Im Laufe des Monats wollen wir den einen oder anderen Neuzugang präsentieren.“ Aber keinen Interimstrainer. Präsident Eichelbaum betont: „Wir wollen die Saison mit Robin Dutt durchziehen.“ Der will das auch, klebt aber nicht an seinem Stuhl: „Wenn der Verein der Meinung ist, es wäre besser, sich zu trennen, dann sind wir uns in fünf Minuten einig.“ Das klingt, als ob es schon fünf nach zwölf ist.

STZ

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