„Der Investor will etwas für sein Geld sehen“
Interview Der Kickers-Präsident Edgar Kurz spricht über diekünftigen Chancen und Risiken.
Die Stuttgarter Kickers bestreiten morgen ihr letztes Saisonspiel in der Fußball-Regionalliga gegen den 1. FC Nürnberg II. Der Präsident Edgar Kurz (68) zieht schon mal Bilanz.
Herr Kurz, Sie haben gleich nach Rundenstart das Saisonziel auf Platz drei bis acht nach oben korrigiert. Das steht nun bei der letzten Partie auf dem Kippe. Wie wichtig wäre denn ein Erfolg zum Abschluss?
Ein guter Schluss ist immer etwas wert, weil man dann mit einem guten Gefühl in die Sommerpause geht. Aber vom Grundsatz her würde selbst eine Niederlage nicht viel verändern. Das ist ähnlich wie bei Bayern München mit dem verlorenen Champions-League-Finale. Wir können zufrieden sein, zumal ich am Anfang von Platz acht bis zwölf gesprochen habe – also dem Rahmen, der sich nun ergeben hat.
Was bleibt unabhängig davon an Höhepunkten oder auch Enttäuschungen?
Höhepunkt war zweifellos das Freundschaftsspiel gegen die Bayern. Zum ersten Mal in der Geschichte der Kickers war das Stadion im Vorfeld ausverkauft. Ansonsten haben wir genau das erreicht, was wir wollten: Wir haben aus dem Nichts eine Mannschaft geformt, dank der guten Arbeit der U 23, die acht oder neun Spieler zur Verfügung gestellt hat. Wir haben es geschafft, mit einem neuen Trainer Stabilität reinzubringen, und wir haben eine tolle Heimstärke gezeigt. Das war seit Jahren nicht der Fall. Wir haben ja gesagt: erstes Jahr Konsolidierung, zweites Jahr unter die ersten fünf, sechs – und im dritten Jahr wollen wir angreifen. Vielleicht machen wir es aber auch wie Kaiserslautern. Die hatten vor der Saison eine ähnliche Aussage getroffen – und sind dann gleich aufgestiegen.
Glauben Sie, dass die immer noch junge Mannschaft nächstes Jahr dem Erwartungsdruck gewachsen ist?
Mit dem Druck umzugehen, ist schon ein Problem. Wir haben das ja im WFV-Pokal in Bonlanden erlebt. Aber das ist alles unter der Rubrik Lernphase zu sehen. Die Zeit muss man der Mannschaft geben. Sie weiß, was wir wollen – aber wichtig ist, dass sie selbst will. Und sie ist nach wie vor hungrig.
Das gilt auch für den Trainer. Sie haben sich nachhaltig für Dirk Schusters Verpflichtung starkgemacht. Fühlen Sie sich in dieser Entscheidung bestätigt?
Ich fühle mich bestätigt in der Person von Dirk Schuster. Er passt zu uns, weil er ebenfalls nach vorne kommen will. Für ihn sind die Kickers ein Sprungbrett. Und wir sind froh, dass er bei uns ist und seinen Vertrag verlängert hat. Wir wollen mit ihm schließlich noch einiges bewegen. Er kommt zudem bei den Fans sehr gut an, weil er kein Selbstdarsteller ist, sondern fleißig arbeitet und Kompetenz hat.
Viele Spieler haben ihren Vertrag ebenfalls verlängert, darunter der Torjäger Mijo Tunjic. Der ist jetzt trotzdem weg, für einen geringen fünfstelligen Betrag. Wie wollen die Kickers den Ausfall kompensieren?
Pauschal kann man sagen, dass wir mit Sicherheit drei, vier Spieler brauchen. Mit Stierle und Brandstetter haben wir zwei. Klar ist also, dass wir noch Bedarf haben, besonders im Angriff. Da sind wir auf der Suche. Im Moment kann man keine Namen nennen, noch nicht einmal spekulativ. Aber man muss auch Mijo Tunjic loben. Er hat viele Tore geschossen und jetzt die Chance, nach oben zu gehen. Wir sind ihm dankbar, dass er verlängert hat und wir dadurch überhaupt etwas bekommen haben.
Trotzdem wäre Ihnen wahrscheinlich der Spieler lieber gewesen als die Ablösesumme.
Die bringt uns nicht groß weiter, dennoch war es eine faire Geste des Spielers.
Weiter soll die Kickers dagegen der Investor bringen, der auf zehn Jahre eingestiegen ist. Das hört sich zunächst gut an. Aber wie hoch ist für Sie und Ihre Präsidiumskollegen die Last, dieses Vertrauen zu rechtfertigen?
Das ist für uns eine große Chance, aber auch eine große Verantwortung. Wir haben das Geld ja nicht bekommen, um es nur auszugeben, sondern um etwas daraus zu machen. Also die Basis zu finden für die Ziele, die wir uns selbst vorgegeben haben. Sprich: dritte Liga und in weiter Ferne zweite Liga. Erstaunlich ist, dass uns diese Investorengruppe die Verwirklichung zutraut, denn dafür gibt es in der vierten Liga keine Parallele. Das ist ein großes Kompliment für die Marke Stuttgarter Kickers, aber auch für die handelnden Personen.
Aus dieser Investorengruppe soll nun der Exprofi Michael Zeyer beratend tätig werden.
Der Verein muss die strukturellen Rahmenbedingungen als Basis für den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg verbessern und war daher gerne bereit, verschiedene personelle Vorschläge des Investors zu prüfen. Mit Herrn Zeyer sind wir sicher, den Fachmann gefunden zu haben, der uns hilft, unsere Ziele zu realisieren.
Und Sie sehen auch nicht die Gefahr, dass neben Trainer, Geschäftsführer, Jugendkoordinator oder dem für den Sport zuständigen Präsidiumsmitglied Tino Köstel zu viele Köche den Brei verderben?
Nein, denn wird sind ein Team, genau wie auf dem Platz. Jeder muss seine Stärken einbringen und sich dem Ziel unterordnen. Und das ist immer, die Stuttgarter Kickers nach vorne bringen – und nicht irgendein Kompetenzgerangel.
Es gab noch eine andere, weitreichendere Entscheidung. Der Kickers-Hauptsponsor Gazi engagiert sich auch beim VfB Stuttgart. Wie beurteilen Sie die Doppelrolle?
Ich sehe diese Maßnahme der Garmo AG, in Person von Dr. Eduardo Garcia, positiv. Dazu muss man wissen, dass er bestrebt ist, sich im europäischen Markt zu etablieren. Deshalb braucht er einen Partner in der Größenordnung des VfB. Nachdem wir in der vierten Liga sind und der VfB in der ersten, behindert uns das in keinster Weise, im Gegenteil. Ich sehe da Vorteile, weil es auch Synergieeffekte schaffen kann. Wir haben jetzt jemanden, der beim VfB ist – und auch ein Blauer. Der kann durchaus mal das Zünglein an der Waage sein, die dann zugunsten der Kickers ausschlägt: egal ob das ein Gazi-Cup ist oder in der Winterpause mal ein Spieler aus der U 23, der für ein halbes Jahr zu den Kickers abgegeben wird. Man darf einfach nicht der Ewiggestrige sein und sagen: wir befinden uns hier in einer Opposition zum VfB.
Apropos U 23. Ohne den Erfolg der ersten Mannschaft schmälern zu wollen, war der Klassenverbleib dieses Teams in der Oberliga sicher überraschender.
Ich möchte mich da ja nicht loben. Aber wer bei der Hauptversammlung aufmerksam war, der hat damals von mir gehört, dass ich überzeugt bin, dass diese Mannschaft ihre Punkte holen wird. Sie musste sich aufgrund der vielen Abgänge erst finden. Dass sie dann so eine Serie hinlegt, hätte selbst ich nicht gedacht. Ein Riesenkompliment auch ans Trainerteam.
Bei der Jugend läuft es nicht so erfolgreich.
Es ist jetzt in der Tat wichtig, dass wir den weiteren Unterbau fördern und mit A- und B-Jugend wieder aufsteigen und höherklassig spielen. Das ist unsere Zukunft – und übrigens auch ein Anliegen des Investors.
Die Mannschaft wird morgen nach dem Spiel bei der Abschlussfeier zur Verfügung stehen – wie sieht es bei Ihnen aus?
Ich habe mich zu jeder Arbeit bereiterklärt. Ich bin flexibel und vielseitig einsetzbar, wie es sich für den Präsidenten gehört.
Das Gespräch führte Joachim Klumpp.
Stuttgarter Zeitung
Unbesiegt zu Hause
Saisonfinale bei den Kickers
Stuttgart – 16 Spiele ist Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers in dieser Saison daheim ungeschlagen. Überstehen die Blauen am Samstag (14 Uhr/Gazistadion) auch die Partie gegen den 1. FC Nürnberg II schadlos, dann sind sie neben Fortuna Düsseldorf die einzige Elf in Deutschland von der ersten bis zur vierten Liga, die zu Hause keine Niederlage kassierte. „Das wäre eine tolle Sache“, freut sich Trainer Dirk Schuster auf das Saisonfinale. Moritz Steinle darf zum offiziellen Abschied aus dem Regionalligateam noch einmal von Beginn an ran. Genauso Torjäger Mijo Tunjic nach abgelaufener Rotsperre.
Offen ist bei den Blauen, ob Trainingsgast Fabian Wilhelmsen (früher KSC II) verpflichtet wird. Interesse gab es zuletzt auch an Stürmer Ali Pala (VfB II).
Die Kickers ermäßigen für das Spiel gegen den Club die Preise. Unter dem Motto 5:0 für die Fans kostet zum Beispiel ein Stehplatz fünf Euro. Nach dem Abpfiff steigt eine Saison-Abschlussparty.
Stuttgarter Nachrichten
Kickers wollen reine Weste behalten
Stuttgart (bw) – Die Null soll stehen bleiben – das ist das große Ziel von Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers für das letzte Saisonspiel morgen (14 Uhr) zu Hause gegen den 1. FC Nürnberg II. Denn in dieser Saison haben die „Blauen“ noch keine Partie im Gazi-Stadion verloren und mit dieser reinen Weste soll es auch in die Sommerpause gehen. Das ist in dieser Spielzeit von den Mannschaften aus den Ligen eins bis vier nur Fortuna Düsseldorf gelungen. Doch Kickers-Trainer Dirk Schuster will in der Partie gegen den Tabellenzweiten aus Franken mehr als nur ungeschlagen bleiben. „Das ist zum Abschluss noch mal eine schöne Herausforderung, uns gegen eine Mannschaft aus dem oberen Tabellendrittel beweisen zu können“, sagt der Coach und betont: „Wir streben mit aller Macht drei Punkte an.“ Denn nicht nur die Null bei der Anzahl der Heimniederlagen soll stehen bleiben, sondern auch die Zahl 15 hinter den bisherigen Remis in dieser Saison. „Von Unentschieden habe ich genug“, erklärt Schuster und kündigt ein „aggressives und offensives Spiel“ seiner Schützlinge an: „Wir geben Vollgas bis zur letzten Minute.“ Schließlich soll auch den Zuschauern noch mal etwas geboten werden. Als Dank für deren Unterstützung wurden die Ticketpreise für das letzte Spiel gesenkt. Und nach dem Finale lässt die Mannschaft die Saison auf einer gemeinsamen Party mit den Fans ausklingen.
Steinle darf noch mal ran
Mit 48 Punkten stehen die Kickers derzeit auf Platz acht. „Wir wollen noch über die 50-Punkte-Marke und die gute Saison ordentlich abschließen“, sagt Schuster. Verzichten muss er dabei auf Spielmacher Enzo Marchese (Gelb-gesperrt) und Linksverteidiger Fabian Gerster (Innenbandanriss im Sprunggelenk). Routinier Moritz Steinle, der seit der Winterpause studienbedingt nur noch im Oberliga-Team kickt, bekommt morgen seinen letzten Einsatz für die erste Mannschaft. Innenverteidiger Simon Köpf gehört nach seiner Verletzung wieder zum Kader. Und Stürmer Mijo Tunjic ist nach abgesessener Rot-Sperre heiß auf die Torjägerkrone.
Eßlinger Zeitung