Presse stellt die Frage: Tritt Dirk Eichelbaum morgen zurück?

Der Präsident ist auf dem Absprung

Der Countdown bei dem Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers läuft. Nicht nur sportlich, wo morgen (18.30 Uhr) das erste Freundschaftsspiel für die Mannschaft von Dirk Schuster in Hemmendorf auf dem Programm steht, sondern vor allem auch hinter den Kulissen. Gestern Abend hat sich der Aufsichtsrat des Clubs versammelt, um über das aktuelle Thema Präsident zu sprechen (die Sitzung war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet). Der Amtsinhaber Dirk Eichelbaum, der nach dem Abstieg aus der dritten Liga extern, aber auch intern stark kritisiert worden war, hat den Wunsch nach einem vorzeitigen Rücktritt geäußert, wobei ihm der Ablauf des offiziellen Geschäfstjahres 2008/09 heute als idealer Termin erscheint.

Der potenzielle Nachfolger Rainer Lorz (46) hat sich bis zuletzt noch etwas mit seinem Plazet geziert, wohl auch, weil die finanzielle Lage des Viertligisten nach wie vor alles andere als rosig ist. Dass der Kader bis jetzt noch sehr dünn bestückt ist, dürfte nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein, dass der Etat von 1,6 Millionen Euro für die nächste Saison aktuell weitgehend ausgeschöpft ist. Durch einen Führungswechsel erhoffen sich die Kickers möglicherweise auch zusätzliche Gelder durch neue Investoren oder auch von Seiten des Hauptsponsors Gazi. Schließlich hatte der Jurist Lorz im Rahmen der Lizenzierung bereits die Gespräche mit dem Firmenchef Eduardo Garcia erfolgreich zu Ende gebracht. Im Hause des Trikotsponsors jedenfalls dürfte ein Präsident Lorz auf deutlich mehr Gegenliebe stoßen als Eichelbaum. ump

Stuttgarter Zeitung

Lorz vor dem Einstieg als Kickers-Präsident
Der Aufsichtsrats-Vorsitzende könnte schon ab 1. Juli den amtsmüden Dirk Eichelbaum ablösen

Von Jürgen Frey

STUTTGART. Seit dem 6. März 2007 ist Dirk Eichelbaum Präsident der Stuttgarter Kickers. Wenn nicht noch ein kleines Wunder passiert, wird der 44-Jährige seine Amtsperiode am morgigen Dienstag vorzeitig beenden und zurücktreten. „Das Ende des offiziellen Geschäftsjahrs bietet sich an“, sagt der umstrittene Kickers-Chef. Die Anzeichen verdichten sich immer mehr, dass ihn vom 1. Juli an Aufsichtsrats-Chef Rainer Lorz ablösen wird. Gestern Abend tagte das Kontrollgremium, das den Präsidenten kraft Statuten wählt, bis tief in die Nacht in Lorz“ Kanzlei. Eine endgültige Entscheidung war bei Redaktionsschluss noch nicht gefallen.

Lorz war gestern zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass es zu dem Rechtsanwalt und Honorarprofessor an der Universität Stuttgart keine ernsthaften Alternativen gibt. Deshalb wäre der 46-Jährige allerdings noch lange keine Notlösung: Lorz, seit November 2005 im Aufsichtsrat, ist ein Mann, der aus den verschiedensten Bereichen des Kickers-Umfelds sehr viel Wertschätzung erfährt. Durch seine rationale, pragmatische und professionelle Arbeitsweise hatte er entscheidenden Anteil daran, dass der Vertrag mit dem Hauptsponsor verlängert wurde und die Kickers die Regionalliga-Lizenz bekommen haben.

Was den Einstieg von Lorz in letzter Minute noch scheitern lassen könnte, ist die prekäre finanzielle Lage bei den Blauen. Er dürfte kaum die Verantwortung bei den klammen Kickers übernehmen, wenn er nicht einen oder mehrere seriöse Geldgeber in der Hinterhand hätte, die die Blauen in den nächsten beiden Jahren unterstützen. Erste aussichtsreiche Gespräche soll es schon gegeben haben.

Stuttgarter Nachrichten

Presse zum Fanprojekt Stuttgart

Fußball-Anhänger sind für Fanprojekt
DFB und Land zahlen je 60000 Euro für Sozialarbeit im Stadion

Die Anhänger des VfB und der Kickers erhöhen den Druck. Sie fordern vereint ein Fanprojekt, bei dem sich hauptamtliche Sozialarbeiter um Fußballfans kümmern. Unterstützung finden sie auch im Gemeinderat. Geld dafür gibt es vom Deutschen Fußball-Bund und vom Land. Die Stadt ist weiter zurückhaltend.

Von Frank Rothfuß

Schon lange bewegen sich der VfB Stuttgart und die Stuttgarter Kickers nicht mehr auf Augenhöhe. Doch ihre Anhänger pflegen weiter ihre Abneigung. Blaue und Rote im Schulterschluss, das kann man sich eigentlich nicht vorstellen. Umso größer ist die Symbolkraft, wenn sie jetzt vereint für eine Sache streiten. Sie setzen sich vehement für ein Fanprojekt ein. In 41 Städten in Deutschland kümmern sich bereits Sozialarbeiter um Fußballfans und deren Anliegen, nicht nur im Stadion, sondern auch bei Problemen mit Schule, Eltern oder Alkohol.

In Stuttgart allerdings standen bisher Stadt und Polizei auf dem Standpunkt, ein Fanprojekt sei überflüssig. Den Vorstoß des VfB-Anhängerverbandes vor einem Jahr bügelte das Jugendamt mit dem Hinweis ab, in den Stadtteilen würden Jugendliche mit mobiler Jugendarbeit und in Jugendhäusern betreut, „und zwar besser als in einem Fanprojekt“. Und die Polizei sah sich mit ihren szenekundigen Beamten bestens gerüstet.

Doch als Anfang des Jahres Baden-Württemberg als letztes Bundesland ankündigte, fürderhin Fanprojekte zu unterstützen und 180 000 Euro bereitstellte, kam die Sache wieder ins Rollen. „Ich sitze quasi auf einem Geldkoffer“, sagt Michael Gabriel, Leiter der Koordinierungsstelle der Fanprojekte. Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga unterstützen jedes Fanprojekt mit 60 000 Euro. „Das Geld steht bereit. Wenn Bundesland und Kommune ihr Drittel zahlen, zahlt auch der Fußball.“ Geld, das man nur abzuholen braucht, das übt großen Reiz aus auf Kommunalpolitiker. Zahle 60 000, bekomme 120 000 Euro dazu – ein Angebot, das man kaum ausschlagen kann.

Dies wissen auch die Fans und baten deshalb diverse Stadträte zu einer Diskussionsrunde, bei der sich erstmals die Anhänger der Kickers zu einem Fanprojekt bekannten. Maike Epple, selbst gerade Mitte 20, schilderte, dass in Degerloch seit einiger Zeit junge Leute aktiv seien, „zu denen wir keinen Kontakt bekommen“. Denen sei die Mentalität der Fanszene gleichgültig, „sie suchen sich auf dem Videoportal You Tube Vorbilder“ und bilden sich via Bildschirm zu Nachwuchs-Hooligans fort. Des Weiteren gebe es vermehrt Scharmützel zwischen VfB- und Kickers-Anhängern. „Die lauern sich auf, klauen sich Schals, prügeln sich.“ Die Polizei erreicht solche Vorfälle nicht, da ist der Ehrenkodex der Fans vor. Epple: „Darüber redet man nicht mit der Polizei!“

Dies ist typisch für das Verhältnis zwischen Fans und Ordnungshütern. Gabriel hat beobachtet, „dass sich ein Feindbild auf beiden Seiten verfestigt“. Es gebe keinen Dialog mehr. Auch die 800 Ultras des Commando Cannstatt reden nicht mehr mit der Polizei. „Man hat uns zu oft gelinkt“, sagen sie, „die Polizei hat in der Vergangenheit Ansprechpartner gesucht, dann erhielten zwei Wochen später jene Fans Stadionverbote mit der Begründung, sie hätten auf die anderen eingewirkt und seien Rädelsführer.“ Ihr Schluss: „Wir brauchen hauptamtliche Fanbetreuer, die den Dialog übernehmen.“

Ehrenamtlich haben dies Holger Waidelich, Chef des VfB-Anhängerverbands, und drei andere Sozialarbeiter getan. Hervorgegangen ist ihr Engagement aus der Fanbotschaft während der WM 2006. Waidelich: „Wir haben gesehen, es gibt Bedarf.“ Man habe dann ehrenamtlich weitergemacht mit Unterstützung des VfB. Sie riefen U-18- Fahrten zu Auswärtsspielen für Jugendliche ins Leben, bei denen nicht geraucht und kein Alkohol getrunken wird. „Aber Fans, die Probleme mit Alkohol, mit der Schule haben, brauchen eine Einzelfallbetreuung, das sprengt unseren Rahmen.“ Man habe ein Konzept geschrieben, bei der Stadt eingereicht „und nichts mehr gehört“.

Deshalb haben sich die Fans nun an die Fraktionen des Gemeinderats gewandt. Dort sorgte das Schweigen der Stadt für „Erstaunen“. Umso mehr, als sich der VfB und die Kickers für ein Fanprojekt ausgesprochen haben. Auch die Polizei mit dem neuen Einsatzleiter Guido Passaro „kann sich ein Fanprojekt vorstellen“. Diese breite Unterstützung und das Nachhaken diverser Stadträte haben in der Verwaltung offenbar für Bewegung gesorgt. Am 3. Juli gibt es ein Treffen zwischen dem Jugendamt, Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch und Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. Und Stadtsprecher Markus Schubert sagt: „Es ist aus jetziger Sicht denkbar, dass sich die Stadt an einem Fanprojekt beteiligt.“

Gabriel warnte allerdings davor, zu viel zu erwarten. „Fanprojekte sind keine Gewaltverhinderungsprojekte“, sagt er, „das ist eine Form der Jugendarbeit, bei der man in Dekaden denken muss.“ Aber sie sei lohnenswert. „Sie erreichen damit eine riesige Zahl engagierter Menschen. Die Stadien sind an den Wochenenden die größten Jugendhäuser der Stadt.“

Stuttgarter Nachrichten

Notwendig
Von Frank Rothfuß

In Berlin, München und Hamburg gibt es zwei, sogar Aue, Saarbrücken und Lübeck haben eines, in Stuttgart allerdings glaubt man, ohne Fanprojekte auskommen zu können. Sozialarbeit im Stadion, ach was, das sei doch überflüssig, bekundeten Land, Polizei und Stadt lange Jahre unisono. Erstaunlich, wo doch in 41 anderen Städten in Deutschland die Arbeit der Sozialarbeiter gelobt und geschätzt wird.

Doch hierzulande war man bei Innenministerium und Polizei lange der Meinung, Fans seien vor allem Gewalttäter und nicht Gesprächspartner. Bezeichnend, dass bei jeder Demonstration mittlerweile sogenannte Deeskalationsbeamte eingesetzt werden – nur beim Fußball nicht. Und die mobile Jugendarbeit verteidigt ihre Pfründe. Ihr Auftrag war nämlich bisher die Fanarbeit. Doch im Stadion ließ sich das Jugendamt nicht blicken. Ein Sonderweg, der in die Irre geführt hat. Die Strukturen sind nicht mehr zeitgemäß. Die Fanszene des VfB ist enorm gewachsen, 45 000 Mitglieder hat der Verein, 1000 davon zählen zum harten Kern, sie begleiten den Verein überallhin. Und bei den Kickers verfestigt sich eine Hooliganszene.

Nun wird ein Fanprojekt nicht jede Gewalttat verhindern, aber Sozialarbeiter, die von allen Seiten akzeptiert und respektiert werden, können vermitteln und Vertrauen schaffen. Beim Land und bei der Polizei hat man dies eingesehen, bei der Stadt ist diese Erkenntnis noch nicht überall angekommen. Es wird Zeit, den Stuttgarter Sonderweg zu beenden: Ein Fanprojekt ist dringend notwendig.

Stuttgarter Nachrichten

Burak Mucan verletzt

Gleich beim Auftaktspiel am vergangenen Sonntag verletzte sich U23-Spieler Burak Murcan und musste in der 40. Spielminute ausgewechselt werden. Die Diagnose einen Tag nach dem Spiel: Muskelfaserriss.

Damit fällt der Kickers-Rückkehrer, der bis vor zwei Jahren in der Jugend der „Blauen“ spielte, für gut drei Wochen aus.

Offizielle Homepage

Auftakt für die U23 misslungen

Mit 0:2 verloren die „kleinen“ Blauen am Sonntag Nachmittag das Auftaktspiel in die neuen Saison.

Im Rahmen der Jubiläumswoche des FV Kickers 09 Lauterbach traf die Mannschaft von Trainer Björn Hinck auf eine gut besetzte Bezirksauswahl und hatte zwar die größeren Spielanteile, die Tore fielen aber auf der anderen Seite.

„Man muss das Spiel sicherlich nicht überbewerten, auf der anderen Seite haben wir gesehen, dass wir mit unserer jungen Mannschaft in der Saisonvorbereitung noch viel Arbeit vor uns haben.“, so Kickers-Trainer Björn Hinck.

Am Montag steht die erste gemeinsame Trainingseinheit auf dem Programm, das nächste Vorbereitungsspiel findet am 7. Juli statt, dann gegen den Oberligisten FC Nöttingen. Spielbeginn ist um 18.30 Uhr im Panoramastadion in Nöttingen.

Offizielle Homepage

StZ: Dirk Eichelbaum wartet Gespräch ab

Am Mittwoch ist der offizielle Arbeitsbeginn des Kickers-Geschäftsführers Jens Zimmermann, wenngleich der schon die vergangenen Tage regelmäßig in Degerloch tätig war. Gut möglich, dass es dann einen fliegenden Wechsel gibt und am gleichen Tag die Amtszeit des Präsidenten Dirk Eichelbaum abgelaufen ist. Denn der liebäugelt stark mit einem Rücktritt – zumal morgen das offizielle Geschäftsjahr 2008/09 des Vereins endet. Eichelbaum sagt: „Das wäre ein passender Zeitpunkt.“

Ob das der Aufsichtsrat auch so sieht? „Ich werde noch einmal mit dem Präsidenten sprechen“, sagt dessen Vorsitzender Rainer Lorz, der weiß, dass ein Wechsel an der Spitze Unruhe in den Verein bringt und er in diesem Falle zudem möglicherweise in die Pflicht genommen würde, weil kein anderer Kandidat zur Verfügung steht. Lorz selbst hat die Nachfolge zuletzt nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Eichelbaums Standpunkt jedenfalls ist klar. Er lautet: „Ich würde lieber jetzt aufhören, aber es ist auch nicht gänzlich ausgeschlossen, dass ich noch bis zur Hauptversammlung weitermache.“ Die muss bis Ende November abgehalten werden.ump

Vorverkauf Für das Freundschaftsspiel gegen Bayern München am 21. Juli (18 Uhr) sind über Easyticket bereits mehr als 3000 Karten verkauft. Interessenten können Karten von heute an auch persönlich im Fanshop im ADM-Sportpark erwerben.

Stuttgarter Zeitung

Pz: Dirk Schuster über seinen neuen Job: „Ein ganz schweres Amt“

Dirk Schuster ist zurück auf der Trainerbank. Knapp ein Jahr nach seinem Abschied aus Wilferdingen hat der Ex-Profi des Karlsruher SC bei den Stuttgarter Kickers angeheuert. Der Drittliga-Absteiger steckt mitten in einem personellen Umbruch, nur drei Spieler aus dem Kader der vergangenen Saison sind geblieben. „Sicherlich habe ich eine schwere Aufgabe zu bewältigen“, sagt Schuster im Gespräch mit PZ-Redakteur Alexander Albrecht.

PZ: Herr Schuster, Sie haben nach Ihrem Abschied aus Wilferdingen fast ein Jahr lang nicht mehr als Trainer gearbeitet. Was haben Sie in dieser Zeit gemacht?
Dirk Schuster: Ich habe mich natürlich weitergebildet und bei verschiedenen Fußball-Camps für Kinder mitgearbeitet. Anfang des Jahres habe ich in einem Fitness-Studio als sportlicher Leiter angefangen. Ich bildete dort sieben Trainer aus, damit der Laden läuft.

PZ: Die Sehnsucht nach dem Fußball war offenbar stärker.
Schuster: Das stimmt, es war ja auch nur Plan B, den ich in der Fitnessbranche verfolgt habe. Nachdem ich meine Ausbildung als Fußball-Lehrer im Dezember 2007 beendet hatte, habe ich mir ein Zeitfenster von 15 bis 18 Monaten gesetzt. Bis zum Ende dieser Frist wollte ich einen höherklassigen Club übernehmen. Es gab auch einige Gespräche mit anderen Vereinen, aber es hat halt nie ganz gepasst. Es war mir klar, dass ich für einen guten Job Geduld mitbringen muss, dass es nicht von heute auf morgen klappt.

PZ: Nun sind Sie also Trainer bei den Stuttgarter Kickers. Ein schweres Amt.
Schuster: Ein ganz schweres.

PZ: Drei Trainer haben die Blauen in der vergangenen (Abstiegs-)Saison verschlissen. Hört sich nach Himmelfahrtskommando an.
Schuster: Das ist es nicht. Sicherlich habe ich eine schwere Aufgabe zu bewältigen, es ist auf der anderen Seite aber auch eine reizvolle, schöne Tätigkeit. Der Verein hat fast alle Uhren auf null gestellt , will einen Konsolidierungskurs fahren und den Zuschauern mit jungen, hungrigen Spielern Fußball mit Herz anbieten. Das ist der richtige Weg und entspricht meiner Philosophie.

PZ: Sehen Sie den Job bei den Kickers als Sprungbrett für höhere Aufgaben?
Schuster: Es ist eine Chance für beide Seiten, wobei ich mich mit anderen Dingen im Moment gar nicht befasse. Wir müssen unsere ganze Kraft investieren, um in der neuen Saison erfolgreich bestehen zu können. Die Regionalliga ist eine starke Liga. Derjenige, der glaubt, die Stuttgarter Kickers schaffen als Drittliga-Absteiger locker den Durchmarsch, der ist schief gewickelt. In unserer Klasse stehen viele zweite Mannschaften von Bundesliga-Teams. Die sind technisch und taktisch hervorragend ausgebildet. Wir brauchen uns aber nicht zu verstecken.

PZ: Sie scheinen skeptisch zu sein, was den direkten Wiederaufstieg in die dritte Liga angeht?
Schuster: Ich bin überhaupt nicht skeptisch, aber man sollte sich doch realistische Ziele setzen. Wir wollen eine gute Rolle in der Regionalliga Süd spielen und ansehnlichen Fußball bieten. Die Mannschaft und jeder einzelne Spieler soll sich weiterentwickeln.

PZ: Am Dienstag war Trainingsauftakt. Was haben Sie den Spielern mit auf den Weg gegeben?
Schuster: Dass jeder seine Chance bekommen wird. Vorschusslorbeeren bedeuten mir nichts, es zählt allein das Leistungsprinzip. Ich werde nicht den Fehler machen und die Mannschaft nach Namen aufstellen.

PZ: Als Spieler haftete Ihnen das Image des Wadenbeißers an, wie sind Sie als Trainer?
Schuster (lacht): Ich lege sehr viel Wert auf Disziplin, sowohl auf als auch neben dem Platz.

PZ: Sie werden von Ihren ehemaligen Spielern und Weggefährten in Wilferdingen als umgänglich, fast kumpelhaft beschrieben. Müssen Sie in der Regionalliga härter sein?
Schuster: Es kommt darauf an, wie man mir entgegentritt. Wenn die Mannschaft voll mitzieht, dann kann man mit mir relativ viel Spaß haben. Sollte ich das Gefühl haben, dass das nicht der Fall ist, muss es härter werden. Man braucht eine gesunde Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche.

PZ: Sie wohnen in Karlsruhe-Durlach und arbeiten jetzt in Stuttgart. Wie wurde denn der Wahl-Badener im Schwäbischen aufgenommen?
Schuster: Sehr freundlich.

PZ: Es gab keine württembergisch-badischen Animositäten?
Schuster: Nein, im Gegenteil. Die Leute sind froh darüber, dass bei den Kickers wieder den Talenten aus dem eigenen Schuppen eine Chance gegeben wird.
PZ: Sie haben den Trainerlehrgang absolviert. Damit sind Sie Ihrem Kollegen Markus Babbel vom Stadtrivalen VfB Stuttgart weit voraus. Was halten Sie davon, dass ein Mann mit seiner Erfahrung nun an der Sporthochschule Köln wieder die Schulbank drücken muss?
Schuster: Markus Babbel hat in seiner Laufbahn viele Trainer erlebt. Wer bei Bayern München und in England solch große Erfolge feiern konnte, der steht außerhalb jeder Diskussion. Ich habe volles Verständnis dafür , dass ihm der Deutsche Fußball-Bund entgegengekommen ist.

PZ: Bei den Kickers gab es schon einmal einen Trainer, der Lehrgangsbester war. Wissen Sie wer?
Schuster: Ja, der Robin Dutt (Trainer des SC Freiburg; Anm. d. Red.).

PZ: Ein gutes Omen, oder?
Schuster: Ich hoffe es. Er hat hier bei den Kickers und in seiner weiteren Karriere hervorragende Arbeit geleistet. Das kann einem nur als Vorbild dienen.

Pforzheimer Zeitung

StN: Kurz kümmert sich um Kickers-Jugend

Bruder von Manuel Salz im Probetraining – Marchese vor Rückkehr

Von Jürgen Frey

STUTTGART. Es ist ein offenes Geheimnis. Dirk Eichelbaum will nicht mehr. Der Präsident der Stuttgarter Kickers würde seinen Stuhl für einen geeigneten Nachfolger räumen. Das Problem: Die Blauen haben kein Geld und wenig Perspektive. Und welcher künftige Chef möchte schon den Kopf dafür hinhalten, was ihm andere davor eingebrockt haben? Immerhin konnten die Kickers im Präsidium nun den dringend erforderlichen Ansprechpartner für die Jugend finden: Edgar Kurz kümmert sich ab sofort um die Belange des Nachwuchses. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht dabei das Finden eines Nachfolgers für Jugendchef Zoltan Sebescen. Sein zum 30. Juni auslaufender Vertrag wurde nicht verlängert.

Unterdessen bastelt Cheftrainer Dirk Schuster weiter an seiner Mannschaft. Heißer Kandidat fürs Mittelfeld ist Enzo Marchese vom SSV Ulm 1846. „Das Trainerteam will mich. Ich will zurück zu den Kickers. Was das Sportliche betrifft, sind wir uns einig“, sagt der 26-Jährige, der schon sechs Jahre für die Kickers spielte. Finanzielle Details sind noch zu klären. Ebenfalls ein Thema bei den Blauen ist Ferdi Er. Der 28-Jährige war zuletzt beim Oberligisten VfL Kirchheim am Ball. Ein anderer präsentierte sich gestern im Probetraining: Dominik Salz (21), der Bruder von Ex-Kickers-Keeper Manuel. Er stürmte zuletzt für den SV Neuhausen und den 1. FC Pforzheim.

Auf der Suche nach einem neuen Verein befindet sich Mustafa Parmak. Für ein Probetraining bei Drittligist Kickers Offenbach an diesem Wochenende brach der Mittelfeldspieler sogar seine Flitterwochen ab.

Stuttgarter Nachrichten

StZ: Föll rettet die Blauen vor der Pleite

Sportpolitik Die neue Bürgschaft für die Kickers ruft Kritiker auf den Plan. Von Thomas Braun

Die Stuttgarter Kickers sind eigentlich nicht zu beneiden: Sportlich erfolgte nach Abschluss der vergangenen Saison der Abstieg in die Viertklassigkeit, und auch finanziell gleicht die Entwicklung des Vereins schon seit Jahren einem Ritt auf der Rasierklinge. Im Kampf ums wirtschaftliche Überleben konnten sich die Blauen dabei stets auf die Stadt und den Gemeinderat verlassen, die ihnen mit Bürgschaften unter die Arme gegriffen hat. Allein für die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs in der Saison 2008/2009 hat die Landeshauptstadt einen Kredit der Kickers aus einem Fonds des Deutschen Fußballbundes (DFB) in Höhe von 200 000 Euro mittels einer entsprechenden Bürgschaft abgesichert.

Andere Stuttgarter Sportvereine könnten da freilich doch neidisch werden, zumal die Kickers zwischenzeitlich auf dem kleinen Dienstweg immer mal wieder mit Steuergeld bedacht wurden: So sponserte die Stadt den Umbau des VIP-Raumes in der Stadionhaupttribüne mit 100 000 Euro, eine neue Kücheneinrichtung für den ADM-Sportparkclubraum wurde mit 70 000 Euro bezuschusst. Dem CDU-Stadtrat und Kickers-Vorstandsmitglied Dieter Wahl wird nachgesagt, er bereite hinter den Kulissen nur zu gern den Boden für solche kleinen Aufmerksamkeiten.

Im Mai nun ist der Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum nach Informationen der Stuttgarter Zeitung erneut im Rathaus wegen Geldsorgen vorstellig geworden. Man benötige dringend eine neue Bürgschaft über 77 000 Euro, um für die vierte Liga die Lizenz durch den DFB zu erhalten, trug der Clubpräsident dem Finanzbürgermeister Michael Föll vor. Weil die Summe unterhalb der Schwelle von 90 000 Euro liegt, ab der sich der Kämmerer die Rückendeckung des für Finanzen zuständigen Verwaltungsausschusses holen muss, gab Föll dem Vereinschef eine Zusage. Allerdings knüpfte er daran die Bedingung, dass die bis zum 30. Juni befristete Bürgschaft vom DFB nicht in Anspruch genommen wird, was der Verband bestätigte.

Föll sagt, er habe mit dieser Entscheidung Schlimmeres für die Stadtkasse abwenden wollen: „Hätten die Kickers die Lizenz für die kommende Spielzeit nicht bekommen, wäre der Verein insolvent gewesen.“ Damit wäre die städtische Bürgschaft über 200 000 Euro gegenüber dem Deutschen Fußballbund wohl fällig geworden. Darüber hinaus schulden die Kickers der Stadt noch mindestens 800 000 Euro aus dem Umbau des Gazi-Stadions 1997, die den Blauen allerdings schon seit dem Abstieg in die Regionalliga gestundet werden und erst bei einem Wiederaufstieg in die zweite Bundesliga fällig würden. Hinzu kommen noch offene Gewerbesteuerforderungen gegenüber den Kickers in Höhe von 60 000 Euro. Föll: „Wir verhalten uns da wie andere Gläubiger auch – die Kuh, die die Milch geben soll, muss leben.“

Im Rathaus gibt es freilich auch Kritik am Vorgehen des Ressortchefs. Andere Vereine, die zwar nicht über die entsprechende Lobby verfügen, dafür aber erstklassigen Sport bieten, würden sich bei der Bitte um Bürgschaften Absagen einhandeln. So waren zuletzt im März die Bundesliga-Volleyballerinnen von Allianz Stuttgart bei Föll mit der Bitte um eine Bürgschaft in Höhe von 90 000 Euro abgeblitzt, die mögliche Ausfälle von Sponsoren abdecken sollte. Für den Bürgermeister ist der Fall der Volleyballdamen allerdings nicht vergleichbar mit dem Entgegenkommen gegenüber den Kickers. Es sei „grundsätzlich nicht das Ziel der Stadt, Bundesligaclubs finanziell unter die Arme zu greifen.“ Die Bürgschaft für Allianz Volley sei überdies, so Föll, nach den vom Verein vorgebrachten Unterlagen nicht möglich gewesen: „Die wollten expandieren und massiv in ihren Spielerinnenkader investieren.“

Stuttgarter Zeitung