Der endgültige Untergang eines Traditionsvereins

Blaue nehmen Punktabzug in Kauf und planen Neuausrichtung in der Fußball-Regionalliga

Stuttgarter Kickers entbinden Joachim Cast von seinen Aufgaben als Sportlicher Leiter
Das Präsidium des Fußball-Drittligisten SV Stuttgarter Kickers hat am heutigen Donnerstag seinen Manager Joachim Cast mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben als Sportlicher Leiter entbunden. Das Arbeitsverhältnis mit Joachim Cast besteht jedoch ungekündigt fort, da sich der 41-Jährige in der Folgezeit um seine administrativen Aufgaben kümmern wird. Über einen Nachfolger oder eine Nachfolgeregelung über die sportliche Leitung in der Saison 2009/2010 in der Fußball-Regionalliga ist noch nicht entschieden.

Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass der SV Stuttgarter Kickers künftig eine Neuausrichtung im sportlichen Bereich verfolgt, die mit einer jungen, hungrigen und talentierten Mannschaft – verbunden mit vier bis fünf Säulen des aktuellen Kaders – eine Konsolidierungsphase einleiten soll.

Außerdem informiert der SV Stuttgarter Kickers, dass der Verein vor wenigen Wochen aus dem Kautionsfonds des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) für die Dritte Fußball-Liga einen Betrag in Höhe von 200 000 Euro zur Liquiditätssicherung der laufenden Saison in Anspruch genommen hat. Dieser Betrag müsste bis zum morgigen Freitag, 15. Mai 2009, beim DFB wieder eingegangen sein, ohne dass der Verein einen Punktabzug hinnehmen muss. Dies wird nicht der Fall sein. Daher werden dem SV Stuttgarter Kickers drei Punkte in der laufenden Spielzeit abgezogen, wodurch die Blauen als erster sportlicher Absteiger in der Dritten Fußball-Liga feststehen werden.

Diesen Betrag hätte der Verein im Übrigen bis zum genannten Stichtag zurückbezahlt, wenn das Heimspiel in dieser Woche gegen den VfR Aalen mit einem Erfolg geendet und dadurch die sportliche Perspektive auf den Klassenverbleib weiterhin bestanden hätte. Ansonsten ist der Betrag innerhalb von fünf Jahren an den DFB rückzahlbar und mit fünf Prozent verzinslich.

Offizielle Homepage

Presse zu den bevorstehenden Weichenstellungen für die Zukunft der Kickers

Kehraus bei den Kickers
Der Trainer Kraft und der Manager Cast müssen wohl gehen – Was macht der Hauptsponsor?

STUTTGART. Gestern Abend hat das Präsidium der Stuttgarter Kickers getagt, um die Viertklassigkeit zu planen. Der Manager Joachim Cast spielt dabei keine Rolle mehr, auch wenn Präsident Dirk Eichelbaum sagt: „Entscheidungen werden erst noch bekanntgegeben.“

Von Joachim Klumpp

Das Kickers-Präsidiumsmitglied Dieter Wahl war gestern Vormittag bereits fleißig im Einsatz: „Ich möchte ja wieder gewählt werden.“ Zunächst einmal aber nicht bei dem Traditionsverein aus Degerloch, sondern für die CDU bei den anstehenden Kommunalwahlen. Nachdem sich Teile von Aufsichtsrat und Präsidium schon unmittelbar nach der 1:4-Niederlage gegen Aalen zusammengesetzt hatten, tagte gestern Abend das Präsidium nochmals intern, um erste Entscheidungen auf den Weg zu bringen. „Wir wollen einen sportlichen Neuanfang“, sagt Wahl.

Und nach dem sang- und klanglosen Abgesang vom Dienstag kann das nur heißen, dass das Trainergespann Rainer Kraft und Alexander Malchow in diesen Planungen keine Rolle mehr spielt. Gleiches dürfte für den Manager Joachim Cast gelten, obwohl der einen unbefristeten Vertrag besitzt, über den sich die Kickers – ohne Flurschaden – nicht so einfach hinwegsetzen können. Intern bliebe als Trainerlösung zwar der Oberligacoach Björn Hinck, der allerdings im Falle einer Rückkehr in die dritte Liga keine Lizenz besäße, auch wenn der sofortige Wiederaufstieg nicht mehr ultimativ verkündet wird.

„Um dieses Ziel realistisch ausgeben zu können, müssten wir mindestens einen Etat wie bisher haben“, sagt der Präsident Dirk Eichelbaum, der wie seine Mitstreiter einen Rücktritt ausschließt. Dieser Betrag von etwa 3,3 Millionen Euro ist aber völlig illusorisch, zumal noch nicht einmal der Budgetansatz für 2009/10 von 1,5 Millionen Euro gesichert ist. „Doch daran arbeiten wir“, betont Eichelbaum, wobei er nach den bisherigen Gesprächen mit dem Hauptsponsor urteilt: „Die Tendenz geht dahin, dass er nicht weitermacht.“ Eine Aussage, über die sich Eduardo Garcia von der Garmo AG verwundert zeigt: „Im Moment gibt es gar keine Tendenz, aber vielleicht haben sie ja auch jemand anderen im Ärmel.“ Interessenten soll es zumindest geben; die Frage ist natürlich, zu welchen Konditionen, denn selbst in der vierten Liga müssten die Kickers an die 200 000 Euro veranschlagen, um finanziell über die Runden zu kommen.

Und wenn das nicht gelingt? „Eine Insolvenz ist mit mir nicht zu machen“, sagt der Aufsichtsratsvize Christian Dinkelacker, auch wenn bei einer Verfahrenseröffnung vor dem 30. Juni wohl in der Regionalliga gespielt werden könnte. Dennoch stößt Dieter Wahl ins gleiche Horn, fügt aber hinzu: „Solange wir nicht dazu gezwungen werden.“ Vor allem die Klage des ehemaligen Präsidiumsmitglieds Walter Kelsch über ein Darlehen von 50 000 Euro plus Zinsen wirkt da wie ein Damoklesschwert. Zudem tendiert der Wert der vom Hauptverein ausgegliederten GmbH und Co. KG, der auf den taxierten Ablösesummen der Spieler basiert, quasi gegen null.

Durch den Abstieg lösen sich alle Verträge in Luft auf, die Ausnahme bildet Bashiru Gambo. Der dürfte auch bei dem Neuanfang „mit jungen, entwicklungsfähigen Spielern“ (Eichelbaum), der durchaus zwei Jahre für die Rückkehr in die dritte Liga vorsieht, eine Rolle spielen; genau wie Marcus Mann oder der zuletzt verletzte Ralf Kettemann, vielleicht auch noch Torsten Traub und Sascha Traut. Dann wird es schon eng: selbst für den Kapitän Alexander Rosen, unabhängig davon, ob er überhaupt in der vierten Liga spielen würde. Vielleicht käme er ja als Manager infrage, was mit seinem Studium zum Sportökonom korrespondieren würde.

Beim Trainer spricht derzeit mehr für eine externe Lösung (möglicherweise sogar in Kombination als Sportdirektor), bei der auch Rainer Scharinger denkbar gewesen wäre, der inzwischen aber beim VfR Aalen unterschrieben hat. Durchaus mit Erfolg, wie die Kickers-Verantwortlichen am Dienstagabend hautnah erleben durften. In dieser Form jedenfalls kann der VfR den Klassenverbleib noch schaffen. Das wäre dann durchaus eine gute Nachricht – und ein Konkurrent weniger in der Regionalliga.

Stuttgarter Zeitung

Kickers planen Neuanfang – ohne Cast
Die Blauen wollen Insolvenz vermeiden und setzen in der Regionalliga auf neue sportliche Leitung – Künftiger Trainer auch Sportdirektor?

Bei den Stuttgarter Kickers laufen seit Dienstagabend die Planungen für die Fußball-Regionalliga auf Hochtouren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Von Jürgen Frey

Stehen schon personelle Konsequenzen fest?

Es dementiert niemand, die offizielle Bestätigung fehlt allerdings auch noch: Manager Joachim Cast und die Kickers werden sich trennen. Die Frage ist nur, wann. Denn der 40-Jährige, der die vielen personellen Missgriffe zum Großteil zu verantworten hat, hat sich in Sachen Lizenzierung beinahe unentbehrlich gemacht. Und noch müssen die Blauen diesbezüglich bis zum 5. Juni einige Hausaufgaben machen. Casts sofortiger Abschied würde ein Chaos hinterlassen.

Wie könnte die neue sportliche Führung aussehen?

Denkbares Modell: Der künftige Trainer übernimmt auch die Rolle des Sportdirektors, der wirtschaftliche und administrative Bereich wird von einer neuen Kraft auf der Geschäftsstelle abgewickelt. So hatten es die Kickers mit Rainer Scharinger geplant, zögerten aber mit der Zusage. Folge: Ligakonkurrent VfR Aalen schnappte den Blauen ihren Wunschkandidaten weg. Nun sind neben Oberligacoach Björn Hinck auch Frank Leicht (Eintracht Frankfurt II) sowie WFV-Trainer Michael Rentschler, der zwei Jahre lang Assistent von Robin Dutt bei den TSF Ditzingen war, im Gespräch.

Ist die Insolvenz ein Thema?

Die Führungsetage der Blauen ist sich einig: Sie soll unter allen Umständen vermieden werden. „Stand heute schließe ich sie aus“, sagte Präsident Dirk Eichelbaum.

Ist die Lizenz für die Regionalliga sicher?

Noch nicht. Nachdem die Blauen die Planzahlen für ihren 1,5-Millionen-Etat in Liga vier beim DFB eingereicht hatten, kam aus der Zentrale aus Frankfurt zunächst wenig Erbauendes. Die geringen Personalkosten wurden nicht akzeptiert. Die Kickers legten Einspruch ein. Inzwischen gab der DFB grünes Licht. Allerdings müssen bis zum 5. Juni noch die zugesagten Sponsorenverträge unterschrieben nachgereicht werden.

Wie sieht das Konzept für die Regionalliga aus?

Es scheint die Erkenntnis gereift zu sein, dass es ein Riesenfehler wäre, den sofortigen Wiederaufstieg als Zielsetzung auszugeben. „Wir müssen aufhören, Fans und Sponsoren Sand in die Augen zu streuen, sie sind ohnehin schon sauer genug“, sagt Aufsichtsratschef Lorz. Er wünscht sich einem Neuanfang mit „realistischen, aber ehrgeizigen Zielen“. Das Präsidium sieht es ähnlich: „Im Hauruckverfahren wieder nach oben zu wollen könnte einen noch gewaltigeren Absturz mit sich bringen“, sagt Dieter Wahl. Und Chef Eichelbaum will künftig konsequent auf die Jugend setzen. Er orientiert sich an anderen Traditionsclubs, die am Boden waren. Zum Beispiel am Zweitligisten RW Oberhausen. Eichelbaum: „Die spielten 2006 noch in der Oberliga und hatten kein eigenes Klopapier. Dann setzten sie auf ein junges Team mit drei, vier älteren Korsettstangen, die sich mit dem Club identifizieren.“ Das soll auch der Weg der Kickers sein.

Auf welche Spieler setzen die Blauen?

Als Führungsspieler sollen Marcus Mann und Torsten Traub gehalten werden. Genauso Bashiru Gambo, der als Einziger einen Vertrag für die Regionalliga besitzt. Hinzu kommen Talente wie Thomas Gentner, Marcel Ivanusa oder auch Ralf Kettemann. Kapitän Alexander Rosen ist als möglicher Nachfolger von Cast im Gespräch.

Bleibt der Hauptsponsor?

„Ich bin gesprächsbereit“, sagt Eduardo Garcia. Erst will der Unternehmer aber wissen, wie die sportliche Führung aussieht.

Sind in der Führungsetage kurzfristige Änderungen zu erwarten?

Wie es aussieht, tut sich bis zu den Neuwahlen im November nichts. „Was danach passiert, ist offen“, sagt Lorz.

Ist in der Regionalliga ein Aufsichtsrat noch sinnvoll?

Vieles spricht für eine schlankere Struktur mit kurzen Entscheidungswegen. Doch einer Auflösung des Kontrollgremiums setzt eine Satzungsänderung voraus. Das Präsidium will am Aufsichtsrat festhalten: „Es ist wichtig, dass geschaut wird, ob der Kurs stimmt“, sagt Wahl. „In diesem Gremium sitzen Persönlichkeiten, die den Kickers auch finanziell helfen“, ergänzt Eichelbaum.

Stuttgarter Nachrichten

Nur noch kläglich
Von Gunter Barner

Dass es rein theoretisch immer noch nicht sicher ist, ändert nichts daran: Die Stuttgarter Kickers werden absteigen. Die Bilanz ist kläglich. Sportlich war die dritte Liga eine Nummer zu groß. Finanziell riss sie ein gewaltiges Loch, und ideell ließ sie nichts mehr übrig von dem, was die Blauen einst so sympathisch machte. Die familiäre Atmosphäre auf der Waldau ging unter in einem Klima von Selbstbeweihräucherung, Besserwisserei, Missgunst, Misstrauen und Dilettantismus in der Chefetage. Die zusammengewürfelte Mannschaft entwickelte keinerlei Identifikationswert und verschliss drei Trainer.

Selbst die berechtigte Frage, ob ein radikaler personeller und struktureller Neuanfang den mausetoten Club zu neuem Leben erwecken könnte, stellt sich nur bedingt. Denn die Kickers müssen in ihrer Not auf das wenige bauen, das ihnen noch geblieben ist: eine überschaubare Zahl treuer Fans, wenige Sponsoren, die eher aus Mitleid denn aus Überzeugung am Ball bleiben, und eine leidlich funktionierende Führungsmannschaft um Präsident Dirk Eichelbaum, die sich mehr mit den Lasten der Vergangenheit zu beschäftigen hat als mit den Hoffnungen auf eine gedeihliche Zukunft.

Wahrscheinlich hat es nun auch der Letzte begriffen: Die Blauen müssen endlich aufhören, die glorreichen Zeiten zu beweinen. Jetzt hilft nur noch gnadenloser Realismus. Es wäre wohlfeil, aber grober Unfug, den sofortigen Wiederaufstieg als Saisonziel auszugeben. Statt erneut überforderte Billigkräfte en gros einzukaufen, sollten die Kickers ihr knappes Geld dort investieren, wo es einen Sportverein im eigentlichen Sinne adelt: in hochwertige, langfristige und intelligent konzeptionierte Jugendarbeit. Intensiv nachdenken müssen die Blauen überdies über schlankere Strukturen. Der Aufsichtsrat war zuletzt nur noch eine selbstgefällige Herrenrunde aus Bruddlern und Nörglern. Der Abstieg bietet die Chance zum Neuanfang – und birgt die Gefahr des kompletten Niedergangs.

Stuttgarter Nachrichten

Die Planungen für die Regionalliga laufen
Die Kickers sind praktisch nicht mehr zu retten – Konkurrenz patzt ebenfalls

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers haben weiterhin theoretische Chancen auf den Klassenverbleib. Weil gestern auch die Konkurrenten im Tabellenkeller der dritten Liga ihre Spiele verloren, ist der Abstieg noch nicht besiegelt. Im nächsten „Endspiel“ sind die Kickers am Samstag bei Werder Bremen II zu Gast.

Von Beate Wockenfuß

Fünf Punkte trennen die „Blauen“ vom rettenden Ufer. Das ist in den zwei ausstehenden Spielen zwar rechnerisch noch aufzuholen, doch relativ unwahrscheinlich. Der einstige Bundesligist bereitet sich daher schon auf den bitteren Gang in die Viertklassigkeit vor. Schon direkt nach der 1:4-Heimpleite am Dienstagabend gegen den VfR Aalen hatten die Kickers die letzte Hoffnung aufgegeben. „Vor dem Spiel war ich noch verhalten optimistisch. Aber jetzt ist der Sargnagel drin“, sagte Präsident Dirk Eichelbaum. Noch am Abend der 18. Saison-Niederlage begannen die Planungen für die Regionalliga. Gestern trafen sich Präsidium und Aufsichtsrat erneut, um am Konzept für die neue Spielzeit zu arbeiten. „Es ging in erster Linie um die strukturelle Ausrichtung“, hielt sich der Vereinsboss gestern bedeckt. Heute sollen erste Ergebnisse verkündet werden. Dass die völlig verkorkste Saison personelle Konsequenzen haben wird, ist klar. „Wenn wir sang- und klanglos Letzter werden, kann nicht alles richtig gemacht worden sein“, sagte Eichelbaum, ohne sich aber zu Namen zu äußern. Er selbst sieht keinen Grund für einen Rückzug. „Ich bin bis zur Hauptversammlung gewählt und nicht dazu da, hinzuschmeißen, wenn wir abgestiegen sind“, betonte der Rechtsanwalt. Das Motto „Ende gut, alles gut“ vom vergangenen Jahr, als sich die Kickers erst am letzten Spieltag für die dritte Liga qualifizierten, soll es diesmal nicht geben. „Wir werden alles hinterfragen“, so Eichelbaum. Ein Fragezeichen steht auch hinter den Finanzen. „Wir wollen uns in der Regionalliga mit einer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft konsolidieren“, erklärte der Präsident zwar. Aber um überhaupt erst einmal die Lizenz zu bekommen, müssen bis zum 5. Juni noch Sponsorengelder nachgewiesen werden. Sehr fraglich ist, ob Hauptsponsor Gazi sein Engagement fortführt. Eichelbaum: „Tendenz: eher nein.“

Eßlinger Zeitung

StN: Manager Cast vor dem Aus

Kickers planen Neuanfang

Stuttgart – Der Abstieg steht praktisch fest. Bei den Stuttgarter Kickers laufen die Planungen für die Fußball-Regionalliga auf Hochtouren. Alles deutet auf eine Trennung von Manager Joachim Cast hin.

Fest steht nach derzeitigem Stand, dass die Kickers in der Regionalliga antreten werden: „Wir werden alles tun, dass es nicht zu einer Insolvenz kommt“, sagten Präsident Dirk Eichelbaum und Aufsichtratschef Rainer Lorz unisono. In der vierten Liga will sich der Club nach Angaben der Vereinsführung mit „realistischen, aber ehrgeizigen Zielen konsolidieren und auf die Jugend setzen“.

Alles deutet unterdessen daraufhin, dass sich die Kickers und Manager Joachim Cast trennen werden. Möglicherweise wird der künftige Trainer die Rolle des Sportdirektors in Personalunion übernehmen.

Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Die Konsequenzen des Abstiegs

Es war ein Abstieg auf Raten. Und trotz der bitteren und deutlichen 1:4 Niederlage gegen Aalen sind die Stuttgarter Kickers nicht gestern abgestiegen. Die Hinrunde war der Sargnagel. Im 14. Saisonspiel der erste Heimsieg, gerade einmal 13 Punkte in der Hinserie.

Doch die Weichen für diese verkorkste Hinserie wurden vor dieser Saison gestellt. Die Ausrede, die Qualifikation für die dritte Liga in letzter Sekunde kam zu spät, ist eine billige Ausrede, eben eine Ausrede. Die Kaderplanung war mehr als mangelhaft, als Verstärkung gedachte Spieler spielten selten oder nie. Viel zu viel Masse statt Klasse. Dazu das Festhalten an einem Trainerneuling, der trotz in letzter Sekunde erreichter 3. Liga in keinster Weise überzeugen konnte. Der noch dazu, wie spätestens seit einigen Woche alle wissen, schon zu Saisonbeginn die Mannschaft nicht führen konnte, genauso wie sein Nachfolger. An dem nach einem mehr als verpatzten Start in die 3. Liga viel zu lange festgehalten wurde. Von einer Euphorie die Dritte Liga erreicht zu haben, war absolut nichts zu spüren. Verpasste Chancen, allerorten.

Der Präsident Dirk Eichelbaum muss die Weichen unserer Stuttgarter Kickers für die Zukunft stellen. Und sich erklären: Wer trägt die Verantwortung für das Mißmanagement? Wer trägt die Verantwortung für die Verpflichtung der Trainer und der Spieler vor und während dieser Saison?

Wurden die Fehler von Manager Joachim Cast begangen, muss eine Trennung erfolgen. Wurden die Weichen mit Einverständnis oder auf Veranlassung des Präsidiums unwissentlich falsch gestellt, muss das Präsidium die Verantwortung übernehmen. Und sich entsprechend den Vereinsmitgliedern auf einer Jahreshauptversammlung stellen.

Es geht nicht darum, Sündenböcke auf die Schlachtbank zu führen. Es geht darum die Weichen des Traditionsvereins Stuttgarter Kickers auf eine positivere Zukunft zu stellen. Es geht um den Fortbestand eines Vereins, der tief im Herzen tausender blauer Fußballfans verankert ist. Tausender Fußballfans, die sich mit ihren Stuttgarter Kickers freuen und mit ihren Stuttgarter Kickers leiden. Wie in diesen Tagen.

Presse zu Stuttgarter Kickers – VfR Aalen (1:4)

Der Abstieg der Kickers ist so gut wie besiegelt
Beim 1:4 gegen den VfR Aalen geht für die Stuttgarter fast alles schief – und die frustrierten Fans rufen: „Vorstand raus!“

STUTTGART. Im Kellerduell der dritten Fußballliga haben die Stuttgarter Kickers beim 1:4 gegen Aalen praktisch die letzte Chance auf den Klassenverbleib verspielt. „Wir haben dem Druck nicht standgehalten, gewinnen zu müssen“, sagte der Trainer Rainer Kraft.

Von Joachim Klumpp

„Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen“, riefen die mehr als 500 mitgereisten Aalener Fans gestern nach dem Schlusspfiff im Gazi-Stadion. Die Frage ist nur wo? In der dritten Liga nicht mehr, das ist nach dem 4:1-Sieg der Gäste bei den Stuttgarter Kickers so gut wie sicher. Der Präsident Dirk Eichelbaum gab zu: „Jetzt ist der Sargnagel drauf.“ Und Totgesagte leben in diesem Fall nicht länger; wenn Jena oder Burghausen heute gewinnen, ist auch rechnerisch alles gelaufen.

Es gibt Tage, da wäre man am besten im Bett geblieben. Für die Mannschaft aus Degerloch war gestern so ein Tag. Da musste der Trainer Rainer Kraft zunächst einmal auf die Leistungsträger Bashiru Gambo (Halswirbel angebrochen) und Alexander Rosen (Muskelfaserriss) verzichten – für beide ist die Saison gelaufen -, dann wurden wegen des Regenwetters aus den erhofften 5000 Zuschauer nur 3590 – und unterm Strich stand schließlich die enttäuschende Niederlage gegen Aalen, die den Abstieg nahezu besiegelt hat, zumal die Konkurrenten Regensburg und Bremen siegten. Es ging also so ziemlich alles schief, was schief gehen konnte.

„Wir haben heute dem Druck nicht standgehalten, gewinnen zu müssen“, sagte Rainer Kraft kurz und knapp. Denn die Vorgabe war klar: drei Punkte, „aber ohne Harakiri zu spielen“, so der Trainer. Den Sicherheitsaspekt nahm seine Mannschaft dann jedoch etwas zu wörtlich. Von Beginn an gab nämlich nur eine Elf den Ton an: der Gast. Schon nach fünf Minuten verursachte ausgerechnet der Ex-Aalener Torsten Traub (gegen Mario Hohn) einen Elfmeter. Und anders als im letzten Heimspiel gegen Braunschweig war diesmal auch der gute Torhüter Manuel Salz gegen Christian Alders Strafstoß chancenlos. Dafür hielt der Schlussmann seine Mannschaft mit Paraden gegen Steffen Bohl und bei einem Distanzschuss von Branko Okic (20. und 22.) im Spiel.

Aalen spielte, wie man es eigentlich von einer Heimmannschaft erwartet: mutig und selbstbewusst nach vorne. „Ich bin nicht nur über das Ergebnis glücklich“, sagte später Rainer Scharinger, „sondern auch über die Art und Weise des Zustandeskommens.“ Der neue Trainer hat innerhalb einer Woche wohl einen frischen Geist in die Mannschaft gebracht. Der verletzte Abwehrspieler Michael Stickel sagt: „Was er in der kurzen Zeit vollbracht hat, hat man in Aalen schon lange nicht mehr erlebt.“ Kein gutes Zeugnis also für die Vorgänger Petrik Sander, Jürgen Kohler und Edgar Schmitt, der danach ja auch noch bei den Kickers Station machte.

Die gaben erst nach einer halben Stunde ein Lebenszeichen von sich, als Marco Tucci aus der Drehung den Torhüter Tobias Linse prüfte. Drehte sich jetzt das Spiel? Mitnichten. Aalens Marco Sailer rutschte an einer Flanke von Robert Lechleiter vorbei, das hätte das 2:0 sein können. Wenn die Kickers ihre Minimalchance wahren wollten, dann musste sich nach der Pause etwas ändern.

Das tat sich zunächst einmal personell. Orlando Smeekes und Thorsten Reiß kamen für Marco Tucci und Benedikt Deigendesch. Besser wurde es dadurch nicht. Im Gegenteil. In der 60. Minute köpfte Bohl nach einem Freistoß des schon 40-jährigen Okic freistehend zum 2:0 ins Netz. Innerhalb von weiteren 180 Sekunden war das Spiel dann entschieden: Erst zögerte Thomas Gentner vor dem VfR-Tor zu lange, dann schob Lechleiter den Ball zum 3:0 ins Netz (63.). Sailer erhöhte noch auf 4:0 (83.), ehe Mijo Tunjic zumindest der Ehrentreffer gelang (85.).

Das Spiel war gelaufen, der Abend noch nicht. „Vorstand raus!“, riefen einige frustrierte Kickers-Fans. Doch der tagte zunächst einmal nach der Partie zusammen mit dem Aufsichtsrat, um am Konzept für die nächste Saison zu arbeiten. „Wenn man überhaupt von einem Vorteil sprechen kann, dann von dem, dass wir jetzt knapp zwei Wochen früher Planungssicherheit haben“, sagte der Präsident Dirk Eichelbaum. Doch er weiß nur zu gut: es wird schwer. Finanziell, aber auch sportlich. „Wir werden alles hinterfragen – mit offenem Ausgang“, sagte Eichelbaum noch im Hinblick auf die Personalentscheidungen, zum Beispiel des Managers Cast.

Stuttgart: Salz – Steinle, Mann, Traub, Härter – Traut, Ortlieb, Deigendesch (46. Reiß), Gentner – Galm (80. Tunjic), Tucci (46. Smeekes).

Aalen: Linse – Schiele, Alder, Bader, Stegmayer – Wingerter, Bohl, Okic (72. Haller), Hohn (56. Andersen) – Sailer, Lechleiter (88. Teinert).

Schiedsrichter: Thielert (Buchholz).

Tore: 0:1 Alder (5./Foulelfmeter), 0:2 Bohl (60.), 0:3 Lechleiter (63.), 0:4 Sailer (83.), 1:4 Tunjic (85.).

Stuttgarter Zeitung

Kickers nicht mehr zu retten
Drittligist verliert gegen VfR Aalen 1:4 – Heute vermutlich auch rechnerisch abgestiegen

Der Abstieg der Stuttgarter Kickers in die Fußball-Regionalliga steht so gut wie fest. Die Blauen verloren am Dienstagabend gegen den VfR Aalen völlig verdient mit 1:4 (0:1) – am heutigen Mittwoch könnte auch die letzte theoretische Chance dahin sein.

Von Jürgen Frey

STUTTGART. Am Ende drohte es für die Blauen vor 3590 Zuschauern sogar noch richtig peinlich zu werden. Das passierte nicht, doch auch das 1:4 gegen Aalen war deutlicher Ausdruck der Chancenlosigkeit. Die Folgen waren so oder so fatal: Die Stuttgarter Kickers, einst sogar Bundesligist, steigen ab – und sind ab der kommenden Saison nur noch viertklassig.

Sicher, theoretisch stand der Absturz am Dienstag zwar noch nicht endgültig fest. Aber spätestens am heutigen Mittwoch, wenn die restlichen Partien des 36. Spieltags ausgetragen werden, ist die Gewissheit wohl da. „Der Sargnagel“, sagte Präsident Dirk Eichelbaum, „ist drin.“

Natürlich ist der Absturz kein Ereignis, das sich ausschließlich am Dienstagabend zugetragen hat, die Misere dauert nun schon eine ganze Saison lang. Doch die Niederlage gegen den VfR Aalen war noch mal ein trauriges Sinnbild für alles, was sich in den vergangenen Monaten abgespielt hatte.

Schon vor Beginn des Spiels gab es Hiobsbotschaften für die Blauen: Ausgerechnet Bashiru Gambo (gebrochener Halswirbel) und Alexander Rosen (Muskelfaserriss) mussten passen, dazu fehlte auch noch Marcel Ivanusa wegen einer Schulterverletzung. Dass es so verdammt schwer werden würde, diesen letzten Strohhalm noch zu erreichen, war also vor dem Anpfiff klar. Kurz danach war dann zu sehen, dass es unmöglich sein würde.

Der VfR Aalen zeigte zwar, warum er auch in Abstiegsnot geraten war. Die Kickers aber lieferten den Beleg dafür, weshalb sie auf dem allerletzten Platz stehen. „Wir haben dem Druck, gewinnen zu müssen, nicht standgehalten“, sagte Kickers-Trainer Rainer Kraft, „wir waren in jeder Phase des Spiels unterlegen.“ Und Sascha Traut klagte: „So darf man einfach nicht auftreten.“ Schon nach fünf Minuten verwandelte Christian Alder einen Foulelfmeter zum 1:0 für den VfR, nach der Pause erhöhten Steffen Bohl, Robert Lechleiter und Marco Sailer auf 4:0, ehe am Ende Mijo Tunjic noch den Ehrentreffer für die insgesamt hilflosen Kickers erzielte. Kurz darauf war“s zu Ende. Zumindest für die Spieler.

Präsidium und Aufsichtsrat diskutierten in einer Sitzung gleich im Anschluss an die Partie gegen Aalen, wie es nun weitergehen soll. Stand heute gilt nach wie vor, dass eine Insolvenz vermieden und in der Regionalliga angetreten werden soll. Einziger Vorteil des vorzeitig feststehenden Abstiegs ist dabei die frühe Planungssicherheit für die kommende Runde.

Für alle Kickers-Fans ein verdammt schwacher Trost.

Stuttgarter Nachrichten

Ein Untergang mit Blitz und Donner
Mit der 1:4-Niederlage gegen den VfR Aalen ist der Abstieg für die Stuttgarter Kickers so gut wie besiegelt

Stuttgart – Das war es wohl für den Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers. Nach der klaren 1:4 (0:1)-Heimniederlage gegen den VfR Aalen ist der Abstieg der „Blauen“ so gut wie besiegelt. Die Chancen auf den Klassenverbleib sind nur noch theoretischer Natur. Sollten Wacker Burghausen und Carl Zeiss Jena heute jeweils einen Zähler holen, wäre es um die Kickers definitiv geschehen.

Von Beate Wockenfuß

Die Szenerie in Degerloch passte zur Untergangsstimmung. Über dem Stadion tobte ein heftiges Unwetter mit Blitz und Donner, auf dem Platz und auf den Rängen herrschte Tristesse pur.Kickers-Trainer Rainer Kraft war entsprechend bedient: „Aus unserer Sicht ist die Geschichte des Spiels schnell erzählt: Wir haben es nicht geschafft, dem Druck standzuhalten, gewinnen zu müssen. Wir waren dem Gegner in jeder Phase unterlegen.“Auch Präsident Dirk Eichelbaum wollte angesichts der herben Niederlage nichts beschönigen. „Wir hatten die Hosen gestrichen voll und haben eine schlechte Leistung gezeigt.“ Die Aussichten auf den Klassenverbleib stuft der Präsident realistisch ein. „Jetzt ist der Sargnagel drin“, meinte Eichelbaum. Die Voraussetzungen vor dem von Kickers-Manager Joachim Cast als „x-tes Endspiel“ bezeichneten Kellerderbys waren für die „Blauen“ alles andere als optimal. Die drei Mittelfeldspieler Alexander Rosen (Muskelfaserriss), Bashiru Gambo (Halswirbel angebrochen) und Marcel Ivanusa (Schultereckgelenkssprengung) fielen aus. Die Kickers gingen dennoch engagiert in die Partie – Torsten Traub allerdings einen Tick zu übermotiviert. Der Abwehrspieler holte in der 5. Minute den Aalener Steffen Bohl im Strafraum rüde von den Beinen – Elfmeter. Christian Alder verwandelte zum 1:0 für den VfR.Schlechter konnte es gar nicht losgehen. Danach hatte Aalen in einer hitzigen Partie, in der vor allem bei den Kickers die Nerven blank lagen, Oberwasser und die größeren Chancen. Der 40-jährige reaktivierte Branko Okic prüfte Kickers-Torwart Manuel Salz mit einem Schuss aus 25 Metern. Kurz darauf traf Michael Stegmayer nur das Außennetz. Bei den Kickers lief so gut wie nichts zusammen. Alles wirkte etwas planlos, die Pässe kamen kaum einmal beim Mitspieler an. Marco Tuccis Schuss war eine leichte Beute für VfR-Torwart Tobias Linse (26.). Die Kickers agierten zu Beginn der zweiten Hälfte zwar offensiver, die Tore aber erzielte Aalen. Nach einem Okic-Freistoß traf Bohl per Kopf zum 2:0 (60.), und Robert Lechleiter gelang nur drei Minuten später das 3:0. Damit war für die Kickers zumindest in diesem Spiel der Ofen aus. Marco Sailer erhöhte noch auf 4:0 für die Gäste (83.). Das 1:4 durch Mijo Tunjic war für die Kickers kein Trost mehr nach einem tristen Spiel an einem tristen Abend.

Statistik
Stuttgarter Kickers: Salz – Steinle, Mann, Traub, Härter – Traut, Ortlieb, Deigendesch (46. Smeekes), Gentner – Galm (80. Tunjic), Tucci (46. Reiß).

VfR Aalen: Linse – Schiele, Alder, Bader, Stegmayer – Bohl – Wingerter, Okic (72. Haller), Hohn – Sailer, Lechleiter (87. Teinert).

Schiedsrichter: Thielert (Buchholz).

Zuschauer: 3590.

Tore: 0:1 Alder (5./Foulelfmeter), 0:2 Bohl (60.), 0:3 Lechleiter (63.), 0:4 Sailer (83.), 1:4 Tunjic (85.).

Gelbe Karten: Traub, Gentner, Smeekes, Steinle / Sailer.

Beste Spieler: Salz / Okic, Lechleiter.

Esslinger Zeitung

VfR-Fans feiern den gefühlten Klassenerhalt

Der VfR Aalen hat am Dienstagabend beim Tabellenletzten Stuttgarter Kickers einen wichtigen Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht. Die vielen mitgereisten Aalener Fans bejubelten ein überzeugendes 4:1 gegen äußerst harmlose Gastgeber.

AALEN (sz) VfR-Trainer Rainer Scharinger vertraute auch im strömenden Regen unterm Stuttgarter Fernsehturm derselben Elf, die beim 3:3 gegen Paderborn in der zweiten Hälfte auf dem Platz war. Die Aalener traten gegen ausgeruhte Kickers an, die zuletzt vor einer Woche in Jena 0:0 gespielt hatten.

Die Partie begann turbulent: Gleich beim zweiten Angriff der Aalener in der vierten Minute wurde Mario Hohn ausgerechnet vom Ex-Aalener Torsten Traub an der Strafraumgrenze zu Fall gebracht. Schiedsrichter Sascha Thielert zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Christian Alder ließ sich auch von den wilden Gesten des Kickers-Torhüters Manuel Salz nicht beeindrucken und verwandelte kaltschnäuzig. Das brachte die 500 mitgereisten Fans für die restlichen 45 Minuten richtig auf Touren.

Auch in der restlichen ersten Hälfte blieb der VfR am Drücker, und die Kickers durften sich zweimal bei Manuel Salz bedanken, der die platzierten Schüsse von Lechleiter (15.) und Okic (19.) hielt.

Die Kickers verbuchten ihren einzigen Torschuss der ersten Hälfte in der 24. Minute, der VfR hatte aber die Gasse so eng gemacht, dass Tucci aus spitzem Winkel nur Tobias Linse nur in die Arme schießen konnte. Der VfR fuhr weiter seine Angriffe, Marco Sailer erhielt eine Hundertprozentige präsentiert, aber statt zu verwandeln rutschte er nur mit dem Ball Richtung Tor, wo Salz zur Stelle war. So gingen die Aalener zwar mit einer Führung in die Pause, aber auch mit dem Wissen, dass diese angesichts der Spielanteile und Chancen eigentlich zwei Tore höher hätte sein müssen.

Entsprechend zittern mussten die VfR-Fans in der zweiten Hälfte, als die Kickers immer besser ins Spiel kamen. Allerdings landeten die Angriffsbemühungen der Kickers allesamt weit neben oder über dem Tor. Der VfR dagegen nutzte gleich seine erste Standardsituation der zweiten Hälfte, indem Steffen Bohl – wie schon beim 3:2 gegen Paderborn seinen Kopf nach Freistoß des wiederum glänzend aufgelegten Oldies Branko Okic genau an die richtige Stelle hielt – Kickers-Torhüter Manuel Salz reagierte gar nicht, als der Ball plötzlich im Netz zappelte. Jetzt war der Knoten gelöst, bei den Kickers ging gar nichts mehr: Beim nächsten Angriff steuerte Robert Lechleiter mit einem Kickers-Verteidiger auf Tor von Salz zu, der wieder genau das Falsche machte: Er lief heraus, Lechleiter überwand ihn und schob nun ungehindert zum 3:0 ein. In der Jetzt gab es bei allen beteiligten Aalenern kein Halten mehr: Die Fans rasteten aus, die Spieler warfen sich vor ihnen vor die Füße und die komplette Trainerbank rannte aufs Spielfeld.

In der 83. erhöhte Sailer nach einem schönen Doppelpass mit Lechleiter auf 4:0, kurz darauf gelang noch der 1:4-Ehrentreffer, als der kurz zuvor eingewechselte Mijo Tunjic eine Flanke über Linse hinwegköpfte.Dennoch war es für die Aalener der gefühlte Klassenerhalt – eine Schmach für die Stuttgarter, bei denen sich nach den heutigen restlichen Partien entscheidet, ob sie nun sicher abgestiegen sind. Die Aalener dagegen behalten vielleicht sogar den 16. Tabellenplatz und könnten nach dem ersten Auswärtssieg seit der Ära Schmitt halbwegs beruhigt am Samstag gegen den Vierten Düsseldorf antreten.

Schwäbische Zeitung

Vorberichte zum drittletzten Endspiel gegen den Abstieg: Stuttgarter Kickers – VfR Aalen

Heute Derby gegen den VfR Aalen

Kickers hoffen auf 5000 Fans
STUTTGART (ump). Rainer Kraft ist am Samstag in Aalen gewesen, an alter Wirkungsstätte gewissermaßen. Dort hat der Trainer der Stuttgarter Kickers den Einstand von Rainer Scharinger verfolgt (siehe auch „Ich spiele nicht den Feuerwehrmann“), weitgehend zumindest. Denn beim Ausgleich zum 3:3 kurz vor Schluss befand er sich schon auf dem Heimweg. Doch nicht nur deswegen sagt er vor dem Drittligaderby heute um 19 Uhr im Gazi-Stadion: „Es gab nicht allzu viel neue Erkenntnisse.“ Dafür einige altbekannte Gesichter auf dem Platz. Zuvorderst Branko Okic, den inzwischen 40-jährigen Spielmacher, den Scharinger reaktiviert hat. „Was er kann, weiß jeder“, sagt Kraft, der selbst einige Jahre beim VfR tätig war, als Assistent des früheren Trainers Edgar Schmitt und Chef der zweiten Mannschaft.

Doch Platz für Sentimentalitäten gibt es im Abstiegskampf nicht. „Der Tag der Entscheidung rückt näher“, sagt der Kickers-Trainer, der sich aktuell auf die mentale Belastbarkeit seiner Mannschaft verlässt. „Wenn man schon neun Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz hatte und jetzt noch die Chance auf den Klassenerhalt besitzt, spricht das eher für die Stärke der Spieler.“ Das Zusammengehörigkeitsgefühl wurde am vergangenen Samstag noch mit einen Grillfest auf dem Vereinsgelände gestärkt. „Das kam auf Anregung des Trainerteams zustande“, sagt Kraft, der zusammen mit seinem Assistenten Alexander Malchow nach wie vor im Kreis der Kandidaten für die nächste Saison steht, wobei der Eindruck in den verbleibenden drei Spielen durchaus eine Rolle spielt.

Selbst in der zweiten Mannschaft spielen dagegen die zuletzt suspendierten Michael Schürg und Mustafa Parmak (an dem der Wuppertaler SV Interesse haben soll) keine Rolle mehr. „Sie haben entschieden nicht mehr am Trainingsbetrieb teilzunehmen“, sagt der Manager Joachim Cast, nachdem beide im WFV-Pokalspiel gegen Heidenheim 90 Minuten nur auf der Bank saßen.

Für die Partie heute plagen die Stuttgarter noch Verletzungsprobleme, so dass über die Aufstellung möglicherweise erst kurz vor dem Anpfiff entschieden wird. Dann sollen zwischen 4000 und 5000 Besucher im Gazi-Stadion sein, so die Hoffnung bei den Kickers. Der Gast aus Aalen setzt dabei auch außerhalb des Platzes auf eine Offensive – durch seine Fans. Denen wird die Busfahrt plus Eintrittskarte extra vom Sponsor spendiert.

Stuttgarter Zeitung

„Ich spiele nicht den Feuerwehrmann“
Aalens neuer Trainer Rainer Scharinger denkt vor dem Spiel bei den Kickers bereits über diese Saison hinaus

Seit einer Woche ist Rainer Scharinger Trainer beim Fußball-Drittligisten VfR Aalen, der heute (19 Uhr) bei den Stuttgarter Kickers antritt. Scharinger, der früher selbst auf der Waldau spielte und zuletzt 1899 Hoffenheim II betreute, erwartet zwischen den beiden Konkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib eine brisante Begegnung. „Die Partie hat Pokalspielcharakter“, sagt er im Gespräch mit Johannes Scharnbeck.

Herr Scharinger, Sie könnten die Stuttgarter Kickers, für die Sie in der Saison 2001/2002 und zu Beginn der folgenden Spielzeit aufgelaufen sind, in die Regionalliga befördern. Haben Sie Gewissensbisse?

Ich kann keine Gewissensbisse haben. Ich wünsche mir natürlich, dass sich beide Mannschaften auch in der nächsten Saison wieder in der dritten Liga duellieren. Denn ich habe zu jedem meiner früheren Vereine eine besondere Beziehung, nirgendwo bin ich im Streit gegangen. Aber während der 90 Minuten werde ich alle Sentimentalitäten beiseitelegen. Ich schaue jetzt nur auf mein Team.

Beim 3:1 der Kickers gegen Braunschweig saßen Sie schon auf der Tribüne. . .

In weiser Voraussicht. Nein im Ernst, ich wusste damals nicht, dass ich Trainer beim VfR Aalen werde.

Sie konnten jedenfalls schon Ihren heutigen Gegner beobachten. Welche Stärken und Schwächen der Kickers haben Sie während der Partie erkannt?

Ich möchte meine Erkenntnisse nicht öffentlich mitteilen. Wir werden das Spiel mit gehörigem Respekt angehen, aber auch keine Angst haben. Natürlich werden wir versuchen, die ein oder andere Schwäche des Gegners auszunutzen, das Wichtigste ist jedoch: es wird einfach um alles gehen, da macht es keinen Unterschied, ob wir gegen Paderborn oder gegen die Kickers antreten. Die Partie heute hat Pokalspielcharakter und wir wissen, dass wir alles geben müssen.

Ihre Mannschaft hat beim 3:3 am vergangenen Samstag gegen den Tabellenzweiten SC Paderborn eine starke Leistung gezeigt und war kaum wiederzuerkennen. War das schon der Scharinger-Effekt?

Das hat nichts mit meinem Namen zu tun. Immer wenn ein neuer Trainer kommt, wird etwas bewegt – ich habe als Spieler diese Situation doch selbst oft erlebt. Denn jetzt spielt auch die mentale Einstellung eine ganz wichtige Rolle. Ich habe den Ist-Zustand der Mannschaft aber schnell erkannt und gegen Paderborn ist es mir schon ein bisschen gelungen, Einfluss auf die Spieler auszuüben.

Die Saison endet bereits in knapp zwei Wochen. Was können Sie in so kurzer Zeit überhaupt noch verändern?

Für uns ist momentan jede Stunde kostbar. Es gibt so viel zu tun, nicht nur im mentalen Bereich. Besonders gilt es nun, den Spielern zu zeigen, wie sie sich auf dem Platz verhalten sollen – und davon habe ich klare Vorstellungen. Unser Verbund in der Defensive funktioniert noch nicht so gut wie in der Offensive. Darum muss das Kollektiv unbedingt gestärkt werden. Ich mache daraus keine Wissenschaft, aber ich will auch nicht nur den Feuerwehrmann spielen. Meine Arbeit ist langfristig angelegt, ich habe ja auch einen Vertrag bis zum Sommer 2010.

Der VfR-Präsident Berndt-Ulrich Scholz hat nach dem Spiel am Samstag gegen Paderborn spontan gesagt: „Mit dieser Leistung können wir den Klassenerhalt schaffen.“ Glauben Sie das auch?

Jede Mannschaft kann noch neun Punkte holen. Daher hat auch jede Mannschaft, die unten drin steht, noch eine Chance. Uns trennt ein Punkt von einem Nichtabstiegsplatz. Es ist noch nichts verloren, deshalb bin ich ja auch nach Aalen gekommen. Ich sage aber im Gegenzug auch nicht: das wird alles ganz einfach, schließlich sind wir Drittletzter. Aber ich habe vom ersten Moment an gesehen, dass die Mannschaft lebt, Teamgeist hat und den Klassenerhalt unbedingt schaffen will. Das ist für mich entscheidend.

Sie sind nach Edgar Schmitt, Jürgen Kohler und Petrik Sander bereits der vierte Aalener Trainer in dieser Saison. Haben Sie sich angesichts dieser Fluktuation auf ein Himmelfahrtskommando eingelassen?

Ich beschäftige mich nicht damit, was gewesen ist. Ich brauche hundert Prozent meiner Kraft und Konzentration für die Mannschaft. Schon als Spieler konnte ich mich voll und ganz auf ein Ziel fokussieren – und das will ich jetzt natürlich auch meiner Mannschaft in Aalen vermitteln.

Stuttgarter Zeitung

Phantom sagt Kickers seine Unterstützung zu
Entscheidung naht: Gegen Aalen werden alle Register gezogen

Von Jürgen Frey

STUTTGART. Drei Spieltage sind es noch. Die Entscheidung naht. So oder so. Doch wenn Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers am heutigen Dienstag (19 Uhr/Gazistadion) das württembergische Derby gegen den VfR Aalen verliert, könnte schon am Tag danach alles besprochen sein. Gewinnen Carl Zeiss Jena und Wacker Burghausen ihre Spiele am Mittwoch, wäre der Abstieg der Blauen auch rechnerisch besiegelt. Manager Joachim Cast bleibt gelassen. „Die Partie gegen Aalen ist das x-te Endspiel für uns in dieser Saison. Wir haben diesbezüglich gewisse Erfahrungen vorzuweisen.“

Der Mann, auf dessen Abschied am Saisonende vieles hindeutet, hat die Hoffnung auf ein blaues Wunder noch nicht aufgegeben. Ein Blick in sein Gesicht genügt. Ganz nach dem Motto „Wer rasiert, verliert“ hat sich Cast aus Aberglauben einen Vollbart wachsen lassen. Auch sonst setzen die Kickers auf nicht alltägliche Aktionen. Am Wochenende versammelten sich Trainerteam samt Mannschaft mit Familien auf dem Vereinsgelände. Der gemütliche Grillnachmittag sollte das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Und dann hat für das Derby gegen Aalen auch noch das sogenannte Phantom den Blauen seine Unterstützung zugesagt. In den 80er und Anfang der 90er Jahre hatte der muskulöse Masken-Catcher mit ungelüfteter Identität regelmäßig die Kickers von den Rängen unterstützt.

Ob“s was bringt? Trainer Rainer Kraft setzt auf kontrollierte Offensive. „Wir spielen auf Sieg, aber kein Harakiri“, sagt der 46-Jährige vor dem Duell mit seinem ehemaligen Verein. Wie Cast gibt sich auch der gebürtige Stuttgarter nach außen kühl: „Wir sind seit 35 Spieltagen Tabellenletzer und hatten im Winter 14 Punkte. Es ist doch ein Wunder, dass wir überhaupt noch eine Chance haben“, sagt Kraft.

Die Planungen für die neue Saison laufen seit Wochen zweigleisig. Noch am Abend nach dem Derby gegen Aalen werden sie in einer gemeinsamen Sitzung von Präsidium und Aufsichtsrat vertieft. Das Hauptthema dabei: die Finanzen. Bis zum 4. Juni müssen die Blauen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die Erteilung der Drittliga-Lizenz Sponsorengelder von rund 260 000 Euro nachweisen. Um die Bedingungen für die Regionalliga zu erfüllen, haben die Kickers einen Tag länger Zeit. Für den Fall des Abstiegs planen die Kickers mit einem Etat von rund 1,5 Millionen Euro. Das Problem: In der Vergangenheit hat der DFB den Absteigern die stark gekürzten Ausgaben (vor allem Personalkosten) nicht abgenommen. Dies könnte nun auch bei den Planzahlen der Blauen der Fall sein.

Stuttgarter Nachrichten

Mauertaktik
Die Stuttgarter Kickers empfangen heute zum „x-ten Endspiel“ den Abstiegskonkurrenten VfR Aalen

Stuttgart (bw) – Für die Stuttgarter Kickers zählt heute (19 Uhr) im Kellerduell gegen den direkten Konkurrenten VfR Aalen nur ein Sieg. Denn andernfalls könnte für das Schlusslicht der dritten Fußball-Liga nach diesem drittletzten Spieltag der Abstieg bereits besiegelt sein.

Doch solche Gedanken treiben die Verantwortlichen nicht um. „Das ist doch jetzt schon das x-te Endspiel für uns“, lässt Manager Joachim Cast eine gewisse Routine durchblicken. Und auch Rainer Kraft behält die Ruhe. „Wir werden nicht auf Unentschieden spielen, aber mit Sicherheit auch kein Harakiri veranstalten“, sagt der Coach und betont: „Es wäre tödlich, wenn wir blind anrennen würden.“ Bezüglich der Aufstellung fuhr Kraft selbst gestern allerdings eine Mauertaktik. Er berichtete lediglich von „einigen angeschlagenen Spielern“, deren Einsatz „fraglich sein könnte“. Namen fielen – angesichts der brisanten Situation – keine. Schließlich sollen den VfR, der nach dem Trainerwechsel zu Rainer Scharinger vor einer Woche sein Team etwas umbaute, keinerlei Informationen erreichen.Was die Aalener dagegen gerne wissen können, ist die Tatsache, dass die Kickers weiter fest an den Klassenverbleib glauben. „In der Winterpause hatten wir 14 Punkte und waren bereits abgeschrieben. Dass wir an den letzten drei Spieltagen noch die Chance haben uns zu retten, grenzt an ein Wunder“, erklärt Kraft. Die in den vergangenen vier Wochen unter seiner Regie immer weiter zusammengewachsene Mannschaft hat sich noch einmal gesondert auf den Endspurt vorbereitet. Am Samstag gab es einen Grillnachmittag mit den Spielern und deren Anhang. „Da haben wir uns zusammen auf die letzten drei Spiele eingeschworen“, berichtete Kraft. Der Coach selbst verließ die Zusatzmaßnahme früher, um Aalen beim Heimspiel gegen den SC Paderborn (3:3) zu beobachten. Aus seiner Zeit als Co-Trainer des VfR, die im August 2008 mit der Entlassung ein unrühmliches Ende nahm, sind nur noch wenige Spieler in der aktuellen Mannschaft. Das Derby sei dennoch „ein völlig normales Spiel“, sagt Kraft, weiß aber auch: „Der Tag der Entscheidung rückt näher.“ So wollen sie spielen: Salz – Steinle, Mann, Traub, Härter – Traut, Rosen, Gambo, Ivanusa – Galm, Smeekes.

(…)

Esslinger Zeitung

Das „Phantom“ meldet sich bei den Stuttgarter Kickers zurück

Drittliga-Heimspiel der Blauen gegen den VfR Aalen am Dienstag – 19 Uhr Spielbeginn im GAZi-Stadion

Druck raus, Leistung rein: Rainer Kraft, der Cheftrainer des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers, setzt auch im Heimspiel an diesem Dienstag (GAZi-Stadion, 19 Uhr) gegen den VfR Aalen auf das zuletzt bewährte Prinzip. „Natürlich wollen wir das wichtige Duell im Kampf um den Klassenverbleib gewinnen“, sagt Kraft, dessen Formation sieben Zähler aus ihren jüngsten drei Partien geholt hat. Unterdessen bekommen die Blauen überraschende Unterstützung eines zuletzt lange Zeit untergetauchten Anhängers: Das „Phantom“ hat sich in Degerloch zurückgemeldet.

Für Spannung ist vor dem Anpfiff der Partie gegen den VfR Aalen gesorgt: Unterstützt auch das „Phantom“ (dieses Bild stammt aus dem Jahr 1988) die Kickers an diesem Dienstag im GAZi-Stadion? Foto:Baumann
Phantom

Ein wenig ominös ist die Angelegenheit an sich schon, an die sich wohl nur die Älteren unter den Kickers-Fans erinnern werden. In den späten 1980er Jahren tauchte immer wieder ein bis heute Unbekannter bei den Spielen der Blauen auf. Sein auffälliges Erscheinungsbild: eine dunkle Gesichtsmaske und dazu eine futuristisch anmutende Oberbekleidung mit zwei großen Sternen auf der Brust.

Jetzt hat sich das „Phantom“ bei den Degerlochern zurückgemeldet. Ein Brief landete jedenfalls dieser Tage auf der Kickers-Geschäftsstelle. Dessen Inhalt regt zum Spekulieren an: „I’l be back to support the stuttgarter kickers“ – Ich bin zurückgekehrt, um die Stuttgarter Kickers zu unterstützen. So steht es in dem lediglich mit „Phantom“ unterzeichneten Schreiben. Mehr nicht.

Klar ist aber auch: Die Blauen benötigen beim morgigen Heimauftritt – Phantom hin oder her – die Unterstützung aller Kickers-Fans im GAZi-Stadion auf der Waldau. Bei der Mannschaft von Trainer Rainer Kraft laufen die Vorbereitungen auf das wichtige Derby am 36. Drittliga-Spieltag auf Hochtouren. „Natürlich wollen wir dieses Spiel gewinnen“, sagt Kraft.

Doch auch für den VfR Aalen steht in den 90 Spielminuten am Dienstag viel auf dem Spiel. Nach dem erneuten Trainerwechsel beim Ostalb-Club in der vorigen Woche hat die Mannschaft unter Rainer Scharinger – ihrem mittlerweile schon vierten Chefcoach in der laufenden Saison – bei dessen Debüt am Samstag ein 3:3-Unentschieden gegen den Aufstiegsaspiranten SC Paderborn geholt. Der angepeilte Befreiungsschlag mit einem dreifachen Punktgewinn blieb beim Tabellen-Drittletzten allerdings aus.

INFO: die Öffnung des GAZi-Stadion und den Kassen erfolgt am Dienstag um 17.45 Uhr. Spielbeginn zwischen den Stuttgarter Kickers und dem VfR Aalen ist um 19 Uhr. Es wird an der Tageskasse noch in allen Steh- und Sitzplatzbereichen ausreichend viele Tickets geben.

Offizielle Homepage

Vorberichte Stuttgarter Kickers – VfR Aalen

Kickers-Trainer vor Spiel gegen Aalen
„Ich wünsche mir ein Unentschieden“

Stuttgart – Edgar Schmitt war diese Saison schon beim VfR Aalen und bei den Stuttgarter Kickers Trainer. Das Duell der beiden Fußball-Drittligisten am 12. Mai im Gazisatdion verfolgt der 46-Jährige aus der Ferne.

Herr Schmitt, werden Sie beim Drittligaderby heute ab 19 Uhr im Gazistadion sein?

Nein. Ich schaue mit derzeit zwar viele Spiele an, zuletzt war ich in Kaiserslautern und beim VfB, aber zum Derby komme ich nicht. Ich will nicht polarisieren.

Beide Trennungen haben ihre eigene Geschichte. Das Aus in Aalen hatte rein politische Hintergründe und keine persönlichen oder sportlich nachvollziehbare. Nicht nur ich, sondern auch die Menschen in der Region Aalen können meinen Rauswurf bis heute nicht verstehen. Bei den Kickers ging der Trainerwechsel von mir aus und ist alleine deshalb schon anders gelagert. Allerdings habe ich bei der Trennung von den Blauen menschlich eine große Enttäuschung erlebt, aber daraus meine Lehren gezogen. Künftig werde ich genauer hinschauen, wen ich in mein näheres Umfeld lasse.

Hat Ihr Aus in Aalen und Stuttgart Ihrem Ruf geschadet, und wie geht das Derby aus?

In der Szene kennt man die Sachverhalte und die Situation in beiden Vereinen und man weiß meine Arbeit sehr wohl zu schätzen. Ich habe nichts Rufschädigendes getan und blicke deshalb positiv in die Zukunft. Für das Derby wünsche ich mir ein Unentschieden und dass beide Vereine in der dritten Liga bleiben.

Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Kellerderby bei den Kickers
Fußball, 3. Liga: VfR-Chefcoach Rainer Scharinger stimmt seine Spieler per Video-Analyse auf das Kickers-Spiel ein

„Meine beiden Stürmer sind schon die ersten Abwehrspieler.“ Mit diesen Worten VfR Aalens neuer Trainer Rainer Scharinger die Schuldzuweisungen für die drei Gegentore gegen Paderborn von seiner Hintermannschaft und verteilt sie auf die ganze Mannschaft. Beim Schlusslicht Stuttgarter Kickers hofft er am heutigen Dienstag (Anpiff: 19 Uhr), dass das Kollektiv funktioniert.

Viel Zeit hat Scharinger nicht mehr, um der Mannschaft seine Fußball-Philosophie nahe zu bringen. Aber er tut was er kann. „Ich habe viele gute Dinge gesehen, aber auch viele, die es zu verbessern gilt“, sagt er, nachdem er sich das 3:3 gegen Paderborn am Bildschirm noch einmal genauer angeschaut hat. Die Auswertung seiner Beobachtungen hat er seiner Mannschaft in einer zweistündigen Videoanalyse vor Augen geführt. „Ich glaube, dass es sehr fruchtbar für die Spieler war, dieses zu sehen“, ist er überzeugt und lobt das engagierte Mitgehen seiner Spieler in der Diskussion. „Das ist genau das, was ich will. Ich brauche Spieler, die sich einbringen. Nur so gelingt es, dass wir als Team noch enger zusammenwachsen. Und ich habe bereits nach wenigen Stunden das Gefühl, das wir schon recht schnell zueinander gefunden haben.“
Beim Kellerderby am heutigen Dienstagabend beim Schlusslicht Stuttgarter Kickers geht es für beide Mannschaften um sehr viel. Gewinnt Aalen (36 Punkte) , könnte der VfR bei gleichzeitigen Niederlagen von Jena (37 / in Düsseldorf) und/oder Burghausen (37 / bei Bayern II) am Mittwoch eines oder sogar beide Teams überholt und die Abstiegszone verlassen haben. Verliert Aalen und die vor ihm liegenden Teams könnten punkten, würde es in den noch ausstehenden beiden Spielen gegen Düsseldorf (am 16 Mai in Aalen) und in Unterhaching am 23. Mai sehr sehr schwierig, die Klasse noch zu halten. Dennoch sagt Rainer Scharinger: „Wir müssen nicht gewinnen. Wir wollen gewinnen.“ Denn, so der neue VfR-Coach: „Das Wort ‘müssen’ ist nicht gut für einen Spieler. Das baut eine unnötige Blockade auf.“
Also schickt er seine Jungs im Gazi-Stadion unterm Fernsehturm auf den Platz, um Vollgas zu geben und miteinander füreinander zu kämpfen. Scharinger: „Erfolg gibt’s nur im Team.“ Die Aufstellung will er seinen Spielern erst nach dem Abschlusstraining heute Vormittag bekannt geben. Schließlich können die Trainingseindrücke noch aktuell in die Aufstellung mit einfließen.
Soviel aber stellt er klar. Christian Holzer, der seit Sonntag wieder im Training ist, wird in Stuttgart noch nicht spielen. Allein die Tatsache, dass der zuletzt verbannte Aalener Mittelfeldregisseur wieder dabei ist, bedeutet Scharinger viel. „Ich will nicht wissen, was war. Das gehört der Vergangenheit an“, sagt er. „Ich bin momentan dankbar für jeden, der uns helfen kann.“ Da zähle Holzer einfach dazu. Und: „Wenn er fit genug ist, besteht durchaus die Möglichkeit, dass er gegen Düsseldorf oder Unterhaching spielt.“
Auch Stuttgarts Cheftrainer Rainer Kraft, der vor einen dreiviertel Jahr zusammen mit Edgar Schmitt vom Aalener Rohrwang nach Degerloch gewechselt ist, verrät seine Aufstellung nicht. Nur soviel: „Es wird eine Veränderung geben.“ Dass er im Vorteil sein soll, weil er den VfR Aalen besser kennt als der neue VfR-Trainer, sieht er nicht. „In der Aalener Elf spielen inzwischen nur noch etwa die Hälfte der Spieler, die ich aus meiner Zeit in Aalen kenne“, erklärt er und schiebt die Favoritenrolle den Gästen zu. Rainer Kraft ist Realist genug, um zu sehen, dass die Chance auf den Klassenerhalt nur noch äußerst gering sind. Doch sein Team hat seit drei Spielen nicht mehr verloren. Und nach den beiden Siegen gegen Dresden (2:1) und Braunschweig (3:1) sowie zuletzt dem 0:0 gegen Jena seien seine Spieler heiß auf dieses Match gegen Aalen. „Wir wissen“, sagt Kraft, „wenn wir verlieren, können wir abgestiegen sein. Aber wenn wir gewinnen, ist noch alles möglich. Und daran glauben wir.“ Am Samstag gegen Paderborn war er im Stadion und hat sich seine ehemaligen Aalener – von denen mit Torsten Traub und Simon Köpf zwei nach Stuttgart gefolgt sind – noch einmal angeschaut.

So könnte der VfR spielen:
VfR Aalen: Linse – Schiele, Bader, Alder, Stemayer – Hägele – Okle, Okic, Hohn – Lechleiter, Sailer.

Der Gegner: Stuttgarter Kickers
Gründungsdatum: 21. September 1899
Vereinfarben: blau-weiß
Mitgliederzahl: 1500
Größte Erfolge: Aufstieg in die 1. Bundesliga 1988 und 1991
Aktueller Tabellenstand: 20. (37:62 Tore / 32 Punkte)
Trainer: Rainer Kraft
Beste Torschützen: Bashiru Gambo, Angelo Vaccaro (je 5)
Hinspiel: 4:1-Sieg für Aalen
Internet-Adresse: www.stuttgarter-kickers.de

Schwäbische Post