StN: Rentschler sagt den Kickers ab

STUTTGART (StN). Die Stuttgarter Kickers müssen weiter nach einem neuen Trainer suchen. Wunschkandidat Michael Rentschler (38) sagte den Blauen ab. Er war nicht bereit, seinen Job als WFV-Verbandssportlehrer aufzugeben. „Wir haben gute Gespräche geführt, aber es gab nach vielen Diskussionen, auch mit der Geschäftsführung des Württembergischen Fußball-Verbandes, keine Lösung für einen harmonischen Abschied, und ich wollte dort nicht einfach nur den Löffel hinschmeißen“, sagte Rentschler, „die Kickers sind ein 24-Stunden-Projekt und erfordern den vollen Mann.“

Als Alternative ist nun Ex-Bundesliga-Profi Dirk Schuster (41) im Gespräch. „Wir hoffen, dass wir bis Ende dieser Woche Klarheit haben“, sagte Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum. Unterdessen hat Eichelbaum wie angekündigt Kontakt zum ehemaligen Kickers-Spieler und Sportdirektor Guido Buchwald aufgenommen. Allerdings, betonte der Präsident, sei eine eventuelle Trainertätigkeit des Weltmeisters von 1990 auf der Waldau kein Thema gewesen. „Das waren lediglich atmosphärische Gespräche“, betonte Eichelbaum, „ein Gedankenaustausch, mehr nicht.“

Bei Torhüter Manuel Salz, der von den Fans zum Spieler der Saison gewählt wurde, stehen die Zeichen derweil auf Abschied. „Wir müssen leider davon ausgehen, dass er uns verlassen wird“, sagte Eichelbaum. Und Salz sagt: „Meine Zukunft wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Man wird sehen, wohin es mich verschlägt.“

Stuttgarter Nachrichten

Presse zu SGV Freiberg – Stuttgarter Kickers II

SGV Freiberg bietet Paroli
Wenninger-Elf und Kickers II trennen sich in der Fußball-Oberliga 2:2
Der Fußball-Oberligist SGV Freiberg hat sich bei der Neuauflage des Spiels gegen die Stuttgarter Kickers II besser verkauft als am vergangenen Donnerstag. Dennoch reichte es für die Wasen-Kicker nur zu einem 2:2

Das Wetter war gestern Abend nur wenig besser als vor fünf Tagen: Während der 90 Minuten regnete es fast durchgehend. Abgesehen von der widrigen Witterung erinnerte beim erneuten Duell zwischen Freiberg und der Kickers-Reserve allerdings nichts an die Partie, die an Christi Himmelfahrt wegen eines heftigen Unwetters abgebrochen worden war. Nach einer desolaten Vorstellung hatte der SGV zur Pause mit 0:3 zurückgelegen. Diesmal präsentierte sich die Elf von Trainer Marcus Wenninger von Beginn an hellwach, aggressiv und angriffslustig. Bereits nach wenigen Sekunden landete ein Kopfball von Panagiotis Deligiannidis knapp neben dem Gästetor. In der achten Minute gingen die Freiberger in Führung: Nach einem Pass von Marcel Schreiber bediente Kickers-Spieler Michele Rizzi ungewollt den heranstürmenden Stephan Bartholomä, und der 26-Jährige düpierte Stuttgarts Keepers Luis Rodrigues mit einem raffinierten Flachschuss. Damit war zugleich Bartholomäs erster Saisontreffer perfekt.

Rizzi sorgte jedoch auch rund um Freibergs Strafraum für Gefahr. In der 20. Minute wehrte Peter Dreßen seinen Freistoß gekonnt ab. Kurz darauf war der SGV-Schlussmann aber machtlos: Seine Vorderleute Sebastian Bortel und Marijan Salopek waren sich nicht einig und behinderten sich gegenseitig. Lachende Dritter war Rizzi, der zum 1:1 vollstreckte (24.). „Das war ein Abstimmungsproblem. Jeder hat sich auf den anderen verlassen“, kommentierte Wenninger das klägliche Abwehrverhalten in dieser Szene.

Die große Chance zur erneuten Führung versiebte Andreas Grimmer, der nach einer Flanke von Marco Grüttner am langen Pfosten vorbeiköpfte. Zum Pechvogel beim Oberliga-Elften wurde noch vor dem Seitenwechsel Sven Franzen. Der Außenverteidiger musste ausgewechselt werden, weil seine alte Knieblessur wieder aufgebrochen war. Franzen hatte nach langer Verletzungspause erst vor kurzem sein Comeback gegeben.

In der zweiten Hälfte entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch mit Möglichkeiten auf beiden Seiten. Die Degerlocher hatten ein leichtes optisches Plus und erzielten in der Endphase zwei Abseitstore. Auf der Gegenseite zielte Predrag Sarajlic nach einem Solo vorbei. Jubeln durfte Freiberg in der 82. Minute, als Schreiber zum 2:1 abstaubte, nachdem Rodrigues einen Schuss von Grüttner nur abgeklatscht hatte. Schon im Gegenzug glich Josip Landeka aus, begünstigt durch die unsortierte SGV-Defensive, die den Ball nicht aus der Gefahrenzone bekam. Der starke Schreiber hatte kurz vor dem Abpfiff noch das 3:2 auf dem Fuß, doch seinen Heber kratzte ein Kickers-Verteidiger von der Linie. So blieb es beim leistungsgerechten Remis – und der Gastgeber hatte das siebte sieglose Spiel in Folge zu beklagen. Coach Wenninger stellte in seinem Fazit das Positive heraus. „Die Mannschaft wollte sich rehabilitieren und Paroli bieten. Das ist ihr gelungen“, sagte er und freute sich über seine zwei Schachzüge, Schreiber im Angriff und Bartholomä im rechten Mittelfeld einzusetzen: „Beide haben ein Tor geschossen.“

Statistik

SGV Freiberg: Dreßen – Bortel, Salopek, Jaksche, Franzen (37. Pribyl) – Bartholomä (85. Hecimovic), Deligiannidis (88. Schwintjes), Sarajlic, Grimmer – Grüttner, Schreiber.

Stuttgarter Kickers II: Rodrigues – Steinle, Kärcher, Fennell – Degirmenci (62. Petruso), Jung, Rizzi, Gökhan, Abruscia – Boric (57. Tunjic), Landeka.

Tore: 1:0 (8.) Batholomä, 1:1 (23.) Rizzi, 2:1 (82.) Schreiber, 2:2 (83.) Landeka.

Schiedsrichter: Michael Karle (Waiblingen); Zuschauer: 125.

Bietigheimer Zeitung

StZ: Rentschler vor Schuster

Die Kickers und ihre Trainer

Die Stuttgarter Kickers und seine Trainer sind ein Kapitel für sich. Nachdem sie den Traditionsclub verlassen hatten, waren sie mit anderen Vereinen oft erfolgreich.

Von Joachim Klumpp

Die Stuttgarter Kickers sind noch immer auf der Suche nach einem Trainer für die Regionalliga. Bis morgen soll die Entscheidung möglichst gefallen sein. Michael Rentschler hat offenbar die besten Karten, als Alternative gilt der ehemalige KSC-Profi Dirk Schuster, der 2007 als Lehrgangsbester die Ausbildung zum Fußballlehrer absolvierte. Der 38-jährige Rentschler sagt nur: „Wir haben ein konstruktives Gespräch geführt.“ Ein solches gab es zuvor auch mit Michael Feichtenbeiner, „aber der war nicht vermittelbar“, wie der Präsident Dirk Eichelbaum betont. Soll heißen: es gab Vorbehalte bei den Fans und im Umfeld. Nicht zum ersten Mal. Denn in Degerloch haben es zuletzt viele Trainer schwer gehabt – um später bei anderen Vereinen Erfolg zu haben. Die Beispiele reichen von A (wie Adrion) bis Z (wie Zeidler).

Rainer Adrion: Er war der Wunschkandidat des Hauptsponsors Eduardo Garcia, der den Weg des Fußballlehrers beim VfB genau verfolgt hatte. Doch in Degerloch gingen die Uhren anders. Jedenfalls wäre Adrion 2003 mit der Mannschaft sportlich abgestiegen, wenn es nicht die Lizenzentzüge für Reutlingen und Waldhof gegeben hätte. Nach nur sieben Monaten war das Engagement schließlich zu Ende. Adrion wechselte wieder zum VfB und führte dort reihenweise Spieler an die Profis und die Mannschaft in die dritte Liga. Diese Talentsichtung wurde belohnt: mit der Berufung zum U-21-Nationaltrainer.

Robin Dutt: Er war am längsten im Amt, was nicht zuletzt auf die Rückendeckung des damaligen Präsidenten Hans Kullen zurückzuführen war. Schon bei Dutts Ernennung gab es Kritiker, die dem Novizen die Aufgabe nicht zutrauten. Und auch nach der einen oder anderen Niederlagenserie kam der Ruf nach Ablösung auf. Doch die Kontinuität zahlte sich aus – auch beim SC Freiburg, mit dem Dutt jetzt in die Bundesliga aufstieg.

Thomas Letsch: Er war bei den Kickers in der A-Jugend und der zweiten Mannschaft tätig, folgte später Marcus Sorg als Assistent zum SSV Ulm, ehe ihn wieder die Cheftrainerrolle reizte. Die fand er bei der SG Sonnenhof Großaspach, die er in eineinhalb Jahren in die Regionalliga führte. Damit ist die Karriere vorerst vorbei. Letsch zieht es nach Lissabon: nicht zu Benfica oder Sporting, sondern an eine deutsche Schule. Der Beruf hat Vorrang.

Marcus Sorg: Er musste nach einem 0:5 beim FC Bayern II gehen. Und danach zwei Schritte zurückmachen, um einen Schritt voranzukommen. Die TSF Ditzingen führte er in der Verbandsliga vom letzten Platz (mit neun Punkten zur Winterpause) nach einer Aufholjagd zum Klassenverbleib. Beim SSV Ulm scheiterte er später in der Oberliga als Zweiter zweimal nur knapp am Aufstieg in die damalige Regionalliga. In der Winterpause erinnerte sich Dutt an seinen ehemaligen Weggefährten – und holte ihn für die zweite Mannschaft nach Freiburg. Die war mit sieben Punkten Rückstand Letzter der Regionalliga, und hat inzwischen den Klassenverbleib fast sicher. Dutt sagte beim Amtsantritt: „Wenn das einer schafft, dann Marcus Sorg.“

Peter Zeidler: Er setzte sich nach einer intensiven Vorauswahl des Managers Joachim Cast gegen die Konkurrenten Günter Rommel (ebenfalls mit Kickers-Vergangenheit, jetzt bei Freiburgs Bundesliga-Fußballerinnen erfolgreich) und Jürgen Seeberger (Aachen) durch. Doch die Geduld mit dem Pädagogen hielt nicht lange. Vor allem das Expräsidiumsmitglied Walter Kelsch drängte auf eine Trennung, die Zeidler bis heute nicht nachvollziehen kann. Dennoch müsste er den Verantwortlichen eigentlich dankbar sein. Nur so kam er zum Co-Trainer-Job in Hoffenheim – und in die Bundesliga.

Stuttgarter Zeitung

BILD: Stuttgarter Kickers: Der Kampf um die Lizenz

Die Stuttgarter Kickers und ihr verzweifelter Kampf um die Regionalliga-Lizenz – es ist ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit.

Denn: Bis zum 5. Juni müssen die Unterlagen beim DFB sein!

Der Verband hat den Blauen die Lizenz mit einer einzigen Bedingung erteilt: Sie müssen Werbeeinnahmen in Höhe von circa 200 000 Euro nachweisen.

Falls dies nicht gelingt, müssten wie zuletzt Bürgschaften übernommen werden.

Aber: Dieter Wahl (60), Präsidiumsmitglied für Marketing, glaubt, dass die Gremiumsmitglieder nicht wieder in die eigene Tasche greifen müssen, um das fehlende Geld aufzubringen.

Wahl: „Wir sind hart am arbeiten. Ich bin optimistischer als noch vor ein paar Tagen.“ Das bestätigt auch Aufsichtsrats-Vorsitzender Dr. Rainer Lorz (44): „Wir haben Überzeugungsarbeit geleistet. Ich habe ein besseres Gefühl.“

BILD

Welche Rolle spielt Buchwald?

Welche Rolle spielt Buchwald?

Der Weltmeister meldet Interesse an, aber die Stuttgarter Kickers geben sich bedeckt

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers sind immer noch auf der Suche nach einem Trainer. Da kommt jetzt sogar Guido Buchwald ins Spiel – doch passt der überhaupt ins Anforderungsprofil?

Von Joachim Klumpp

Tradition ist vergänglich. Auch im Fußball. Im ersten Europapokalfinale standen sich 1954 Real Madrid und, ja wer eigentlich, gegenüber? Stade Reims aus Frankreich, am Freitagabend abgestiegen in die dritte Liga. Selbst die ist auf deutscher Ebene inzwischen zu hoch für die Stuttgarter Kickers, die sich am Samstag von ihrem Publikum in die Regionalliga verabschiedeten. Oder von dem, was davon noch übrig geblieben war. Offiziell wurden zwar 3140 Zuschauer gezählt, doch nicht alle Dauerkartenbesitzer wollten sich das Begräbnis zweiter Klasse antun, dafür sorgten zumindest rund 1300 mitgereiste Anhänger des SC Paderborn, der sich mit dem 3:0-Sieg den Relegationplatz sicherte, für Stimmung. Ansonsten ist es überraschend ruhig geblieben. Keine Plakate, keine Proteste, die Fans scheinen sich mit dem Schicksal abgefunden zu haben.

Oder machen ihrem Unmut via Internetforum Luft. Was zur Folge hatte, dass Michael Feichtenbeiner kurzerhand aus dem Kreis der Trainerkandidaten ausschied, obwohl er „ein schlüssiges Konzept vorgelegt hat“, wie der Schatzmeister Frieder Kummer zugibt. Aber er hatte keine Lobby im Umfeld, weil er vor x Jahren angeblich unrühmlich aus dem Verein geschieden war, nachdem er die Mannschaft zuvor noch ins DFB-Pokalhalbfinale geführt hatte. Tradition ist vergänglich, Ressentiments sind es nicht, zumindest nicht auf Degerlochs Höhen. Der Präsident Dirk Eichelbaum will die Trainerfrage nun bis Mitte der Woche geklärt haben, wobei den Verantwortlichen eine Teammanagerlösung vorschwebt. „Aber das hängt auch von der Person ab“, sagt Eichelbaum.

Zumal jetzt noch Guido Buchwald ins Spiel kommt, der auch schon eine Kickers-Vergangenheit hat, als Sportdirektor 2001 – allerdings ohne nachhaltige Erfolge. „Er wurde an uns herangetragen“, sagt Eichelbaum zu der Personalie mit dem Weltmeister. „Wir müssen mit einem Gespräch abwarten, bis er heute wieder zurück ist.“ Aus Japan nämlich, wo er am Wochenende weilte, und nach wie vor einen guten Ruf genießt. Einen besseren jedenfalls als in Deutschland, wo er nach seinem gescheiterten Intermezzo bei Alemannia Aachen bisher vergeblich auf ein neues Engagement wartet.

Nun also die Kickers? Abgeneigt scheint Buchwald nicht zu sein, er sagt: „Mein Herz schlägt noch für den Verein. Grundsätzlich kann ich mir alles vorstellen. Aber ich weiß nicht, wie die finanzielle Situation aussieht.“ Die Frage ist auch, ob Buchwald ins Anforderungsprofil des Neuaufbaus – mit jungen Spielern aus der Region – passt. Das trifft vielmehr auf Michael Rentschler zu, mit dem die Kickers heute die Gespräche vertiefen wollen. Bei dem 38-Jährigen bleibt eher abzuwarten, ob er seinen Job als WFV-Verbandssportlehrer aufgibt, zumal noch nicht einmal die Regionalligalizenz der Kickers sicher ist.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Lorz sagt zu diesem Punkt: „Ich bin da optimistischer als vor einer Woche. Es gibt positive Signale.“ Allerdings will zum Beispiel Eduardo Garcia vom Hauptsponsor verständlicherweise erst wissen, wie die sportliche Führung aussieht. Das interessiert auch die Spieler, zumindest die, die noch in der engeren Wahl stehen: Marcus Mann, Torsten Traub, Ralf Kettemann, vielleicht Benedikt Deigendesch, auch Bashiru Gambo will/soll bleiben – und selbst Alexander Rosen ist nicht abgeschrieben. Die Zeit drängt. Und an Urlaub ist für die Verantwortlichen auch in den Pfingstferien nicht zu denken.

Stuttgarter Kickers: Salz (84. Huber) – Steinle, Mann, Traub, Härter (67. Tucci) – Traut (65. Petruso), Ortlieb, Gentner, Köpf – Smeekes, Galm.

SC Paderborn: Jensen – Wachsmuth, Mohr, Holst (72. Fischer), Krecidlo, Gonther – Guié-Mien, Alushi, Brückner – Krause (67. Löhning), Damjanovic (46. Güvenisik).

Stuttgarter Zeitung

Kickers suchen Kontakt zu Buchwald

STUTTGART (jüf/jük). Das 0:3 gegen den SC Paderborn geriet für die Stuttgarter Kickers zur Nebensache. Beim Absteiger aus der dritten Liga interessiert derzeit nur eines: Wer wird neuer Trainer und damit Nachfolger von Rainer Kraft. Fest steht: Heute wird mit Michael Rentschler verhandelt. Der 38-jährige Fußball-Lehrer und Sportwissenschaftler entspricht dem Anforderungsprofil der blauen Chefetage. Allerdings ist der WFV-Verbandssportlehrer nicht der einzige Kandidat. Um sich nicht vorwerfen lassen zu müssen, es nicht wenigstens versucht zu haben, wollen die Kickers auch Kontakt zu Weltmeister Guido Buchwald aufnehmen. Bisher gelang das jedoch nicht, da er sich noch bis Mitte der Woche in Japan aufhält. „Ich werde mich mit ihm austauschen, nicht mehr und nicht weniger“, sagte Präsident Dirk Eichelbaum. Spätestens Ende der Woche soll der neue Trainer dann feststehen. Damit endlich auch mit den Spielern Nägel mit Köpfen gemacht werden können.

Stuttgarter Nachrichten

Keine Tränen mehr

Die Kickers verlieren mit 0:3 und gehen mit vielen offenen Fragen in die Viertklassigkeit

Stuttgart – Das war ‚ s: Für die Stuttgarter Kickers hat sich das Kapitel dritte Liga nach einem Jahr wieder geschlossen. Zum Saisonfinale unterlag das Schlusslicht dem SC Paderborn vor magerer Kulisse im heimischen Stadion mit 0:3 (0:1) und schlittert jetzt mit vielen offenen Fragen zum ersten Mal in seiner Geschichte in die Viertklassigkeit.

Von Beate Wockenfuß

Es war kurz und schmerzlos. Die 20. Saison-Niederlage machte den Strich unter die katastrophale Spielzeit, deren unheilvolles Ende sich schon lange vor diesem 38. Spieltag abgezeichnet hatte. In der letzten Partie gegen den Aufstiegsaspiranten aus Paderborn war der tapfere Widerstand der Gastgeber beim 0:1 durch Sven Krause (44.) gebrochen. Als Florian Mohr kurz nach Wiederanpfiff auf 2:0 (51.) erhöhte, ergaben sich die „Blauen“ vollends ihrem Schicksal und mussten schließlich noch das 0:3 von Sercan Güvenisik (65.) hinnehmen. Paderborn spielt nun in der Relegation um den Aufstieg und wurde euphorisch von 1300 mitgereisten Anhängern gefeiert. Deren hoffnungsfroher Schlachtruf „Dritte Liga – nie mehr, nie mehr“ trifft tragischerweise – vorerst zumindest – ebenso auf die Kickers zu und daher zusätzlich ins Mark. Am Ende blieben ein enttäuschter Trainer Rainer Kraft, schweigsame Spieler und 1800 traurige Fans, die den 90-minütigen Abgesang mit Fassung trugen und sich noch das eine oder andere Trikot als Erinnerung sicherten.

Resignation allerorten

Der Verein hatte die Sicherheitsbedingungen verschärft, doch die treuen Anhänger blieben bemerkenswert friedlich. Die Grenze ihrer Leidensfähigkeit wurde in den zurückliegenden Monaten offensichtlich mehrfach überschritten, so dass es für das Finale wohl keine Tränen mehr gab. Resignation allerorten.

Präsident Dirk Eichelbaum hatte sich im Stadionheft entschuldigt, „dass es aus den widrigen Umständen des geringsten Etats nicht gelungen ist, eine trotzdem schlagkräftige Einheit zu formen, die das Unternehmen ,Klassenerhalt ‚ bestanden hätte“. Wie das für die neue Saison gelingen soll, ist noch fraglich. Denn so lange es keine neue sportliche Leitung gibt, stehen unterm Fernsehturm alle Räder still. Der Acht-Spiele-Trainer Kraft wurde ohne Vorwarnung abserviert und darf sich jetzt einen neuen Job suchen. „Ich bin sehr enttäuscht, dass ich nicht einmal mein Konzept und meine Ideen vorstellen konnte“, sagte der Coach, der sich am Samstag­abend von der Mannschaft bei einem Essen verabschiedete.

Wer Kraft, der das Team in einer Art Himmelfahrtskommando am 14. April von Edgar Schmitt übernahm, nachfolgt, soll sich Mitte dieser Woche entscheiden. Ein Kandidat ist Michael Rentschler. Mit dem früheren Oberliga-Trainer des VfL Kirchheim sollen laut Eichelbaum heute oder morgen Gespräche stattfinden. Zudem geistert der Name Guido Buchwald über die Waldau. Der Ex-Kickers-Spieler trainierte zuletzt den Zweitligisten Alemannia Aachen, wo er im November 2007 entlassen wurde.

Auch bei der Besetzung des Kaders für die neue Saison gibt es noch keine Fortschritte. Fest steht lediglich, dass Thorsten Reiß zum West-Regionalligisten SV Elversberg wechselt. Wohin es Manuel Salz zieht, verriet der Torhüter, den die Fans mit 72,5 Prozent der Stimmen zum Spieler der Saison wählten, noch nicht. Dagegen hat Bashiru Gambo noch einmal bekräftigt, dass er bleiben will. Der Mittelfeldakteur ist ohnehin der einzige, der einen für die Regionalliga gültigen Vertrag besitzt. Die anderen Spieler, die gehalten werden könnten, wurden in die Warteschleife versetzt bis der neue Trainer – und möglicherweise Teammanager in Personalunion – feststeht. Erst dann will sich auch Eduardo Garcia vom Hauptsponsor Gazi dazu äußern, ob er die Kickers weiter unterstützt. Eine Personalie scheint dagegen wasserdicht: Der Präsident selbst macht weiter. „Stand heute: ja“, trotzt Eichelbaum aller Kritik.

Statistik

Stuttgarter Kickers: Salz (84. Huber) -Steinle, Mann, Traub, Härter (69. Tucci) – Traut (67. Petruso), Ortlieb, Gentner, Köpf – Galm, Smeekes.

SC Paderborn: Jensen – Wachsmuth, Mohr, Holst (73. Fischer), Krecidlo – Gonther – Guié-Mien, Alushi, Brückner – Krause (69. Löning), Damjanovic (46. Güvenisik).

Schiedsrichter: Wingenbach (Diez).

Zuschauer: 3140.

Tore: 0:1 Krause (44.), 0:2 Mohr (51.), 0:3 Güvenisik (65.).

Gelbe Karten: Steinle / Damjanovic.

Beste Spieler: Salz / Alushi, Mohr.

Eßlinger Zeitung

Die Trainerauswahl wird kleiner – Björn Hinck oder Michael Rentschler oder der dritte Unbekannte?

Kickers sagen Feichtenbeiner ab

STUTTGART (jüf). Eines haben die Stuttgarter Kickers vor ihrem Abschiedsspiel aus der dritten Liga an diesem Samstag (13.30 Uhr/Gazistadion) gegen den SC Paderborn geklärt: Michael Feichtenbeiner wird nicht Nachfolger von Trainer Rainer Kraft. Die Chefetage der Blauen sagte dem 48-Jährigen ab. Zu groß waren die Vorbehalte gegen den ehemaligen Coach, der die Kickers von Juli 1999 bis März 2000 trainierte. „Er wäre eine Hypothek für einen Neuanfang gewesen“, hieß es aus Vereinskreisen.

Chancen, Cheftrainer und Teammanager in Personalunion zu werden, hat nun Michael Rentschler (38). Der Kontakt mit dem ehemaligen Co-Trainer von Robin Dutt in Ditzingen soll Anfang nächster Woche vertieft werden. Grund: Rentschler – Diplom-Sportwissenschaftler und DFB-Fußball-Lehrer – ist bis Sonntag in seiner Funktion als WFV-Verbandssportlehrer in Duisburg. Jürgen Hartmann können die Blauen dagegen von ihrer Kandidatenliste streichen. Er wird Trainer beim künftigen Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach. Frank Leicht (Eintracht Frankfurt II) scheint den Blauen zu teuer zu sein, Dieter Märkle (1860 München II) zieht es zurück zum SSV Ulm 1846.

Stuttgarter Nachrichten

Kraft muss gehen – wer kommt?

Gegensätzlicher könnten die Ausgangspositionen der Kontrahenten im Gazi-Stadion nicht sein: Der Tabellendritte aus Paderborn spielt noch um den Aufstieg in Liga zwei, die Kickers verabschieden sich als abgeschlagenes Schlusslicht in die Viertklassigkeit. Doch das ist nicht der einzige Abschied am heutigen Tag: Für Trainer Rainer Kraft und dessen Assistenten Alexander Malchow ist nach der Partie das Kurzzeit-Engagement beendet. „Zu einem sportlichen Neuanfang gehört auch ein neuer Trainer“, begründet Präsident Dirk Eichelbaum die Entscheidung von Präsidium und Aufsichtsrat – die getroffen wurde, ohne dass das angekündigte Perspektiv-Gespräch mit dem Duo stattfand. Ein Nachfolger für Kraft steht laut Eichelbaum noch nicht fest. „Wir sind mit mehreren Trainern im Gespräch“, sagt der Vereinsboss und kündigt für nächste Woche eine Entscheidung an. So lange liegen auch die Vertragsverhandlungen mit den Spielern auf Eis. „Ich habe mit allen telefoniert, mit denen wir tendenziell weitermachen könnten und sie gebeten, sich zu gedulden, bis die sportliche Leitung steht“, sagt Eichelbaum. Wie viele Spieler das betrifft? „Relativ viele“, so der Präsident.

So wollen sie spielen: Salz – Steinle, Mann, Traub, Härter – Traut, Ortlieb, Reiß, Köpf – Galm, Smeekes.

Eßlinger Zeitung

Presse zum Trainerkarusell und zum letzten Drittligaspiel gegen Paderborn

Trainerkarussell kommt in Fahrt

Kraft verlässt Kickers, Hartmann wechselt zur SG Sonnenhof, Minkwitz ist in Ulm im Gespräch

STUTTGART (ump/maj). Die dritte Fußballliga beschließt morgen ihre Premierensaison. Vor dem letzten Spieltag sind nur zwei Dinge sicher: Die Mannschaft von Union Berlin steigt auf, die der Stuttgarter Kickers ab.

Ein guter Schluss ziert alles. Das sagt sich auch Fortuna Düsseldorf. Bereits drei Tage vor dem letzten Spiel war die LTU-Arena ausverkauft. 51 500 Zuschauer kommen heute gegen Werder Bremen – und deren zweite Mannschaft wohlgemerkt. Das ist neuer Rekord für ein Drittligaspiel (bisher 45 048 aus dem Jahr 1997 beim Frankenderby Nürnberg gegen Fürth).

Gut dass es auch im Spiel der Stuttgarter Kickers gegen den SC Paderborn noch um etwas geht – zumindest für den Gast, der ja Aufstiegsambitionen hegt. Weshalb im Gazi-Stadion morgen rund 1500 Schlachtenbummler erwartet werden – ob die dann vielleicht sogar in der Überzahl sind? Für die Stuttgarter Kickers sind der Abstieg und der letzte Platz inzwischen besiegelt. „Wir werden dennoch in stärkster Besetzung antreten und wollen Paderborn auf jeden Fall den Aufstieg versalzen“, sagt der Trainer Rainer Kraft, dem der Präsident Dirk Eichelbaum gestern mitgeteilt hat, dass er in den Planungen für die nächste Saison keine Rolle mehr spielt.

Die Zeit drängt. „Wir wollen versuchen, bis zum Wochenende eine Entscheidung in der Trainerfrage zu finden“, sagt Eichelbaum, fügt aber gleich hinzu, „auch wenn das eng wird.“ Zu den Kandidaten zählt Michael Feichtenbeiner. „Vom Konzept her würde er passen“, gibt der Kickers-Chef zu, auch wenn es offensichtlich Vorbehalte wegen dessen Vergangenheit gibt, nicht nur bei den Fans, auch intern. Dabei hat Feichtenbeiner zuletzt schon diverse Nachwuchsspieler der Kickers an der Cotta-Schule betreut, hat allerdings auch noch andere Angebote – wobei die Stelle beim voraussichtlichen Regionalliga-Aufsteiger SG Sonnenhof inzwischen besetzt ist: durch Jürgen Hartmann, der heute offiziell vorgestellt werden soll. Zudem benötigen die Kickers noch einen Ersatz auf der Geschäftsstelle. Ob da der Exprofi und Jugendkoordinator Zoltan Sebescen infrage kommt? „Eher nicht“, sagt Eichelbaum.

Erst muss der Trainer stehen, dann die Mannschaft. Zwar haben Spieler wie Marcus Mann und Torsten Traub signalisiert, bei den Kickers zu bleiben, doch das letzte Wort ist da noch lange nicht gesprochen. Auch Bashiru Gambo, der zwar noch einen Vertrag besitzt, hegt in der Zwischenzeit Abwanderungsgedanken. Sicher ist bereits: Thorsten Reiß wechselt zum SV Elversberg.

Bis zum Saisonende hat auch noch der Extrainer Stefan Minkwitz einen Vertrag bei den Kickers. Nachdem seine Bewerbung für die Teilnahme am nächsten Lehrgang zum Fußballlehrer in Köln nicht erfolgreich war, gibt es jetzt Kontakte zum SSV Ulm, der einen Nachfolger für den zu Hoffenheim II wechselnden Markus Gisdol sucht.

Nachdem der letzte Spieltag komplett auf 13.30 Uhr vorverlegt worden ist, nehmen einige dritte Fernsehprogramme die Chance wahr und werden eine Konferenzübertragung anbieten. So werden auch die Begegnungen mit baden-württembergischer Beteiligung wie Unterhaching gegen VfR Aalen und Kickers gegen Paderborn (in Bayern 3 und WDR), Burghausen gegen VfB Stuttgart II (Bayern 3) und SV Sandhausen gegen Jena (MDR-Fernsehen) zu sehen sein.

Stuttgarter Zeitung

Rainer Kraft ist aus dem Rennen

Kickers-Trainer muss am Saisonende gehen – Vorbehalte gegen Feichtenbeiner, Kontakt zu Rentschler

Von Jürgen Frey

STUTTGART. Eines haben die Stuttgarter Kickers vor dem letzten Saisonspiel am morgigen Samstag (13.30 Uhr/Gazistadion) gegen den SC Paderborn geklärt: Dem aktuellen Trainer Rainer Kraft teilten die Blauen mit, dass er in der neuen Saison nicht mehr Chefcoach sein wird. Auch sein Assistent Alexander Malchow wird beim Neuaufbau in der Regionalliga keine Rolle spielen. „Ich bin enttäuscht, aber muss es akzeptieren“, sagte Kraft, nachdem er die nicht unerwartete Botschaft erhalten hatte.

Unterdessen befindet sich die Suche nach einem Nachfolger in der entscheidenden Phase. Ursprünglich sollte der neue Mann bereits heute vorgestellt werden. Mit Michael Feichtenbeiner sind die Gespräche schon weit. Das Modell sieht vor, dass der 48-Jährige als Teammanager und Chefcoach in Personalunion tätig sein wird. Allerdings wird die Führungsetage der Blauen derzeit mit Widerständen aus Fan- und Sponsorenkreisen konfrontiert. Feichtenbeiner sei nach seinem unglücklichen Zweitliga-Engagement von Juli 1999 bis März 2000 in Degerloch das falsche Signal für einen unbelasteten Neustart. Wie es aussieht, gibt dies Präsident Dirk Eichelbaum und seinen Mitstreitern, die die damaligen Verhältnisse allesamt nur vom Hörensagen kennen, zu denken.

Sie wissen: Der nächste Schuss muss sitzen. Also loten sie auch Alternativen zu Feichtenbeiner aus. Offiziellen Kontakt gibt es inzwischen zu Michael Rentschler. Der ehemalige Oberligatrainer des VfL Kirchheim ist seit 2007 DFB-Fußball-Lehrer und arbeitet derzeit als WFV-Verbandssportlehrer. Kein Nachteil für den 38-Jährigen: Er war unter Robin Dutt zwei Jahre lang Co-Trainer bei den TSF Ditzingen. Ebenfalls zum Kandidatenkreis gehören Frank Leicht (Eintracht Frankfurt II) und Dieter Märkle (1860 München II). Zwei Dinge machen die Verhandlungen für die Blauen nicht einfach: Die Garantie, dass die Regionalliga-Lizenz für die neue Saison erteilt wird, kann keiner geben. Und Reichtümer gibt es sowieso keine zu verdienen.

Stuttgarter Nachrichten

Kickers: Favorit Feichtenbeiner

STUTTGART (jüf). Bei den Stuttgarter Kickers soll noch in dieser Woche die Entscheidung über die künftige sportliche Leitung fallen. Ein alter Bekannter kristallisiert sich dabei als Favorit heraus: Michael Feichtenbeiner (vom 1. Juli 1999 bis zum 26. März 2000 Kickers-Zweitligatrainer) könnte in der neuen Saison Teammanager und Trainer der Regionalligaelf werden. Die Gespräche der Chefetage mit dem 48-jährigen gebürtigen Stuttgarter sollen bereits ziemlich weit gediehen sein. Drei weitere Kandidaten sind auch noch im Rennen. Einer davon: Frank Leicht (Eintracht Frankfurt II). Unterdessen haben die Blauen in einem offenen Brief an die Drittliga-Konkurrenten die Inanspruchnahme des DFB-Kautionsfonds bedauert und sich entschuldigt. Durch die Entnahme der 200 000 Euro seitens der Kickers werden den 19 anderen Clubs jeweils 12 500 Euro von der vierten TV-Rate in der laufenden Saison nicht ausbezahlt.

Stuttgarter Nachrichten