Presse zu Stuttgarter Kickers – Wuppertaler SV (0:1)

Die Durchhalteparolen werden leiser
Nach dem 0:1 der Kickers gegen Wuppertal besteht kaum noch Hoffnung auf den Klassenverbleib

STUTTGART. Das war es dann wohl. Die Stuttgarter Kickers kann jetzt nur noch ein Wunder vor dem Abstieg aus der dritten Fußballliga retten. Und bei den Planungen für die nächste Saison gibt es viele große Fragezeichen.

Von Joachim Klumpp

Die Mienen der Kickers-Verantwortlichen nach dem Schlusspfiff waren so trübe wie das Wetter auf Degerlochs Höhen. Tristesse pur herrschte nach dem 0:1 gegen den Wuppertaler SV, als sich nur noch Orlando Smeekes in Richtung Fanblock traute, der das Unheil erstaunlich gelassen hingenommen hatte. Sieht man einmal von einigen Sprechchören ab, die schon nach einer Stunde „aufhören, aufhören“ forderten.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war offensichtlich, dass der Mannschaft nach der Pause das Aufbäumen fehlte, wohl auch der „Glaube an den Sieg“, wie es der Manager Joachim Cast ausdrückte. Damit ist schon nach zwei Spielen unter Rainer Kraft klar, dass auch der dritte Trainer der Saison wohl kaum mehr das Wunder vollbringen kann, selbst wenn der 46-Jährige tapfer betonte: „Solange wir rechnerisch noch eine Chance haben, werden wir nicht aufgeben.“

Doch die theoretische Möglichkeit auf den Klassenverbleib ist auch der einzige Hoffnungsschimmer. Denn wer, wie der Präsident Dirk Eichelbaum, gedacht hatte, das vermeintlich leichte Restprogramm erweise sich im Schlussspurt als Vorteil, muss sich eines Besseren belehren lassen. „Wenn man unter Druck steht, ist es nicht leicht, auch noch kreativ zu sein“, sagte der Abwehrspieler Markus Ortlieb. Zumal der Trainer viel riskiert, aber nichts gewonnen hat. Kraft stellte auf eine Dreierkette um. Der Schuss ging schon in der sechsten Minute nach hinten los, weil die indisponierte Abwehr Wuppertal zum 1:0 förmlich einlud.

Cast sagt: „Man muss jetzt der Realität ins Auge blicken.“ Dennoch appelliert der Präsident an die Ehre der Spieler. „Das war heute der gefühlte Abstieg“, sagte Dirk Eichelbaum, „aber wir müssen möglichst viele Punkte holen – und dann sehen, was passiert.“ Auch wenn es der Kickers-Chef nicht explizit aussprechen wollte, so hat er wohl die Hoffnung im Hinterkopf, dass ein Verein keine Lizenz erhalten könnte (siehe auch „Die Spielordnung“). „Wir spekulieren nicht darauf, aber es wäre ärgerlich, wenn wir in so einem Fall Letzter wären.“ Denn drei Konkurrenten wird es kaum erwischen.

Ganz abgesehen davon, dass auch die Kickers ihre Hausaufgaben erledigen müssen. Denn finanziell, da muss man kein Prophet sein, werden die Blauen die Saison mit roten Zahlen abschließen. Zumal der kalkulierte Zuschauerschnitt von 4000 nach den – trotz der Kampagne „Blaublut braucht dein Herzblut“ – nur 2600 Besuchern am Samstag zusehends außer Reichweite gerät.

Zwar haben die Kickers beim DFB die Lizenzunterlagen für die Regionalliga eingereicht, die auf einem Etat von etwa 1,5 Millionen Euro basieren, doch auch der muss erst einmal mit Leben gefüllt werden. Denn die höheren TV-Einnahmen für die dritte Liga (künftig 800 000 Euro), erweisen sich für die Kickers nun höchstwahrscheinlich als Bumerang, weil die zulasten der vierten Liga gehen, in der künftig nur noch etwa 120 000 Euro pro Saison ausgeschüttet werden.

Bleibt die Frage, wie es weitergeht. Mit dem Manager Joachim Cast? Der sagt nur: „Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu diskutieren.“ Mit welchen Spielern? Mann und Traub könnten dazugehören, Tucci und Schürg, die jungen wie Gentner und Ivanusa ebenfalls – sofern die keine besseren Alternativen haben. Und natürlich mit welchen Trainer? „Es gibt naheliegende Kandidaten und weniger naheliegende“, sagt Cast. Dazu zählen die internen Lösungen mit dem Oberligatrainer Björn Hinck, vielleicht sogar Alexander Malchow, aber auch externe wie Peter Starzmann sind nicht auszuschließen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Lorz betont zunächst einmal: „Wir werden alles daransetzen, dass es weitergeht.“ Wobei das in erster Linie von den Sponsoren abhängen wird, die rund eine Dreiviertelmillion Euro beisteuern müssten. Dabei sollen einige angedeutet haben, dass sie in der vierten Liga ihr Engagement beenden, andere werden wohl nur mit reduzierten Bezügen am Ball bleiben. Und der Trikotpartner Gazi? Der hat lediglich einen Kontrakt für die dritte Liga, doch Eichelbaum setzt auf die Treue des Firmenchefs: „Eduardo Garcia kommt am Mittwoch aus dem Urlaub zurück, dann werden wir das Gespräch suchen.“ Dabei reichte die Tristesse bis zu dessen Domizil nach Spanien – auch dort hat es am Samstag geregnet.

Stuttgarter Zeitung

Kickers ergeben sich ihrem Schicksal
Abstieg steht praktisch fest – Landeka suspendiert

Stuttgart – Auflösungserscheinungen bei Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers: Der Absturz in die Regionalliga ist nur noch theoretisch zu verhindern. Es knirscht an allen Ecken und Enden.

VON JÜRGEN FREY

Draußen machten die Fans nach dem 0:1 gegen den Wuppertaler SV ihrem Ärger Luft. „Vorstand raus“ und „Ihr macht unseren Club kaputt“ hallte es aus dem B-Block. Drinnen sprach Präsident Dirk Eichelbaum vom „gefühlten Abstieg“. Auch Präsidiumsmitglied Dieter Wahl mottete den Rechenschieber ein. „Den Rest können wir im Kopf ausrechnen“, ergänzte er. Ansonsten soll sich das Duo nicht mehr viel zu sagen haben. In der Führungsetage gärt es wieder einmal gewaltig. Das eine oder andere Aufsichtsratsmitglied trägt sich mit Rücktrittsgedanken. Der Präsident bleibt standhaft. Noch zumindest. „Jetzt hinzuwerfen, ist nicht meine Sache. Ich gehe davon aus, dass ich bis zu den Neuwahlen im November weitermache“, sagte Eichelbaum. Manager Joachim Cast hielt sich über seine Zukunft bedeckt: „Heute ist nicht der Tag, um über eine solche Entscheidung zu sprechen.“ Als möglicher Nachfolger wird unterdessen Martin Braun (zuletzt VfR Aalen) gehandelt.

Genau wie die Führungsriege verhielt sich auch das Team auf dem Feld: ohne Plan und Konzept. Nach der Pause ergab sich das Team hilf- und willenlos seinem Schicksal. Der neue Trainer Rainer Kraft drückte sich so aus: „Der hundertprozentige Glaube an den Ligaverbleib war im Spiel nicht zu erkennen.“ Die Umstellung auf Dreierkette blieb ohne Erfolg. Nach der Auswechslung von Mustafa Parmak schwand die letzte Hoffnung auf so etwas wie Spielkultur. Zumal Bashiru Gambo auf der Position vor der Abwehr fürs Grobe zuständig war.

Dass es in der Mannschaft haufenweise Probleme gibt, es immer wieder zu Undiszipliniertheiten kommt, ist seit Wochen bekannt. Es passt ins erschütternde Bild, das die Kickers abgeben, dass auch in dieser Hinsicht viel zu spät reagiert wurde. Vor dem Spiel gegen Wuppertal wurde Mittelfeldspieler Josip Landeka für den Rest der Saison suspendiert – er hatte mit Musik im Ohr Freistöße geübt.

Stuttgarter Nachrichten

Schnitt machen
VON JÜRGEN FREY

Wenn dem Trauerspiel gegen Wuppertal etwas Positives abgewonnen werden kann, dann das: Die Kickers haben früher als in den vergangenen Jahren Planungssicherheit. Dieser zeitliche Vorsprung sollte genutzt werden, um einen Neuanfang vorzunehmen. Wenn schon die Alternativen für einen Austausch der Führungsetage am Saisonende fehlen sollten, muss Präsident Dirk Eichelbaum zumindest den Mut haben, alte Lasten über Bord zu kippen. Die sportliche Leitung hat versagt: Sosehr Joachim Cast seine Qualitäten im wirtschaftlichen und administrativen Bereich haben mag, nach den vielen personellen Fehlgriffen ist ein Manager-Wechsel unabdingbar.

Damit einhergehen muss endlich ein tragfähiges Konzept für die Zukunft. Der Club steht vor dem Tiefpunkt seiner Vereinsgeschichte. Weitere kurzfristige und unrealistische Zielsetzungen würden auch noch die letzten Getreuen unter den Fans und Sponsoren vergraulen. Neue, kreative Ansätze sind gefragt. Und da bleibt den Blauen nur eine Chance: die verbliebenen Mittel umzuschichten, auf den Unterbau zu setzen, um später davon zu profitieren. Flankierende Maßnahmen müssten eine Qualifizierungsoffensive für Trainer sein oder die Idee vom familienfreundlichsten Verein im Land. Alles andere hätte mit nüchternem Kalkül leider wenig zu tun.

Stuttgarter Nachrichten

„Der gefühlte Abstieg“
Die Stuttgarter Kickers stürzen nach dem 0:1 gegen den Wuppertaler SV der Regionalliga entgegen

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers können jetzt wohl für die Regionalliga planen. Das Schlusslicht der dritten Fußball-Liga unterlag im Abstiegsduell zu Hause dem Wuppertaler SV mit 0:1 (0:1) und hat nach dem sechsten sieglosen Spiel in Folge nur noch theoretische Chancen auf den Klassenverbleib.

Von Beate Wockenfuß

Der Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze ist auf acht Punkte angewachsen. Kaum vorstellbar, dass dies in den verbleibenden sechs Spielen noch aufzuholen ist. Denn nicht mal der 17. Platz würde zur Rettung reichen, da die Kickers das mit Abstand schlechteste Torverhältnis (- 28) der Liga haben. „Klar wird die Wahrscheinlichkeit geringer, aber es sind noch 18 Punkte zu vergeben“, betonte Rainer Kraft nach seinem zweiten Spiel als Cheftrainer. Und fügte zweckoptimistisch an: „So lange rechnerisch noch die Chance besteht, werden wir nicht aufgeben.“ Verteidiger Marcus Mann räumte zumindest ein: „Man muss realistisch sein, dass es jetzt sehr, sehr schwer wird.“ Die Vereinsführung ihrerseits hat den Rechenschieber bereits weggelegt. „Das war der gefühlte Abstieg“, erklärte Präsident Dirk Eichelbaum konsterniert. Und auch Manager Joachim Cast macht sich keine Illusionen: „Wir brauchen keine Durchhalteparolen mehr. Die Chancen sind auf das absolute Minimum gesunken.“ Die Verantwortlichen hoffen nun wenigstens noch auf einen Abschied mit Anstand. „Wir wollen nicht sang- und klanglos gehen, sondern die Saison ordentlich zu Ende bringen und nicht auf dem letzten Platz abschließen“, betonte Eichelbaum und gewann der schier aussichtslosen Situation noch etwas Positives ab: „Weil der Druck jetzt weg ist, ist vielleicht noch das Maximale möglich.“Die Partie gegen die harmlosen Wuppertaler war ein Spiegelbild der gesamten Saison: Sowohl die spielerischen Mittel als auch die nötige Effizienz fehlten. „Die Qualität ist da. Sie konnte nur nicht ausgespielt werden. Und deswegen stehen wir zu Recht da unten“, lautete das bittere Resümee von Cast. Damit haben die Kickers jetzt zumindest relative Planungssicherheit. Die Gespräche mit den Spielern laufen schon. Bis auf Bashiru Gambo hat keiner einen Vertrag, der auch für die Regionalliga gilt. Die nächsten Spiele werden zeigen, wen die Kickers überhaupt halten wollen.Bei den Fans war die Grenze der Leidensfähigkeit erreicht. Mit „Vorstand raus“-Rufen und „Ihr macht unseren Club kaputt“ ließen sie ihrem monatelang aufgestauten Frust noch während des Spiels freien Lauf. Auch die x-te taktische Umstellung hatte nicht zum Erfolg geführt. Die Kickers kamen in dem neuen 3-5-2-System nach dem frühen Gegentor von Tobias Damm (6.) überhaupt nicht zurecht. Der Glaube daran, noch gewinnen zu können, wich der Angst und der Verunsicherung. Während sich die „Blauen“ in der ersten Hälfte noch Chancen erarbeiteten, war nach der Pause die Luft endgültig raus. Das Team zeigte sich mutlos, kraftlos und hilflos. „Die Mannschaft kam mir merkwürdig gehemmt vor“, sagte Eichelbaum. Die Spieler waren physisch und psychisch am Ende. „Da spielen auch die Nerven eine Rolle. Wir haben verkrampft. Wenn der Druck zunimmt, ist es schwer, den Kopf frei zu haben und den Gegner auszuspielen“, gewährte Verteidiger Markus Ortlieb einen Einblick ins Innenleben.Gestern und heute hatten die Spieler frei und Gelegenheit, sich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen. „Da kann sich jeder selbst überprüfen. Wer noch nicht bei 100 Prozent war, hat die Chance zuzulegen“, sagte Kraft. Und: „Wir haben gegenüber dem Verein die Verpflichtung, die Saison ruhig zu Ende zu spielen – egal, was passiert.“ Die erste Station der Abschiedstour ist am Samstag (14 Uhr) Dresden.

Statistik
Stuttgarter Kickers: Salz – Mann (72. Gentner), Ortlieb, Traub – Deigendesch, Gambo – Traut, Parmak (46. Tucci), Ivanusa – Galm (55. Schürg), Smeekes.

Wuppertaler SV: Maly – Neppe, Fischer, Schäfer, Lejan – Stuckmann – Müller (85. Weikl), Hammes, Lintjens – Damm (88. Mahrt), Reichwein (81. Heinzmann).

Schiedsrichter: Benedum (Mehlingen).

Zuschauer: 2600.

Tor: 0:1 Damm (6.).

Gelbe Karten: Traub, Mann / Maly, Stuckmann, Reichwein, Lintjens.

Beste Spieler: Gambo, Salz / Maly, Hammes.

Eßlinger Zeitung

StN: Ehemalige Kickers-Spieler fordern Neuanfang

„Leute mit Ahnung müssen jetzt ans Ruder kommen“
Stuttgart – Der so gut wie sichere Abstieg des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers lässt auch die ehemaligen Blauen nicht kalt. Guido Buchwald und Wolfgang Wolf bieten sogar ihre Hilfe an.

Guido Buchwald (48): „Leider sind die Blauen jetzt kaum mehr zu retten, da leide ich natürlich mit. Die Kickers dürfen nicht untergehen. Sie sind ein Traditionsverein und gehören eigentlich in die zweite Liga. Die Gründe für den Absturz liegen ganz klar in den vielen Fehlern, die im sportlichen Bereich gemacht wurden. Teilweise sind Spieler verpflichtet worden, die beim Absteiger SSV Reutlingen nicht zur ersten Garde zählten. So etwas kann ich nicht nachvollziehen. Deshalb ist es höchste Zeit für einen Neuanfang. Eine Insolvenz halte ich für den allerletzten Ausweg. Ich plädiere für eine Konsolidierung in der Regionalliga mit jungen Spielern. Die Kickers liegen mir am Herzen. Wenn man mich fragt, wäre ich zumindest für ein Gespräch bereit, in dem ich meine Gedanken offenlegen würde.“

Fredi Bobic (37): „Die Entwicklung bei den Blauen stimmt mich sehr traurig. Keiner weiß doch jetzt richtig, wie es mit dem Verein weitergeht. Viel zu spät haben die Verantwortlichen die Realitäten der dritten Liga erkannt. Jetzt müssen Leute mit Ahnung ans Ruder kommen, die ein Konzept haben und die ihre eigenen Interessen hintenanstellen.“

Wolfgang Wolf (51): „Der Abstieg ist zu 95 Prozent sicher, das ist jammerschade. Jetzt müssen sich schnell Leute an einen Tisch setzen, die ein Herz für die Kickers haben. Ansonsten befürchte ich, dass der Verein komplett von der Bildfläche verschwindet. Meiner Meinung nach muss sich der Club neu aufstellen. So hart es sich anhört: Aber Personen, mit denen du absteigst, sind gescheitert. Nach der Drittliga-Qualifikation wurden die falschen Schlüsse gezogen, die falschen Leute geholt. Ich verspreche den Kickers, dass ich ihnen zum Ende meiner Laufbahn noch mal helfen werde. Für die wunderschönen Jahre, die ich in Degerloch erlebt habe, möchte ich etwas zurückgeben. Doch zunächst muss ich nach mir schauen und trete am 1. Juli mein Traineramt beim griechischen Erstligisten Skoda Xanthi an.“

Markus „Toni“ Sailer (40): „Ich würde den Blauen jederzeit helfen – wenn es sein müsste auch als Fanbeauftragter.“

Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Vorberichte II: Stuttgarter Kickers – Wuppertaler SV

Heimspiel gegen Wuppertal

Kickers hoffen auf „Herzblut“
STUTTGART (hh). Die Aktion kommt spät, bei sieben noch ausstehenden Spielen und sieben Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz kommt sie für viele Beobachter gar zu spät. Dennoch will der Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers nichts unversucht lassen, um den Fall in die Bedeutungslosigkeit zu verhindern. Also haben die Kickers vor dem Heimspiel heute (14 Uhr) gegen den Wuppertaler SV die Werbekampagne „Blaublut braucht dein Herzblut“ aus der Taufe gehoben, um mit der Unterstützung der Zuschauer den Klassenverbleib zu realisieren.

Mit ihrer Plakat- und Flyeraktion wollen die Kickers ihren Anhang zum Saisonfinale zu einem Besuch im Gazi-Stadion in Degerloch auffordern. „Wenn wir eine Siegesserie starten, kann diese Kampagne Kult werden“, sagt der Präsident Dirk Eichelbaum, der weiß, dass es für die Stuttgarter bereits fünf vor zwölf Uhr ist. Gegen den Tabellen-15. aus Wuppertal muss zwingend ein Sieg her, um die Chancen auf den Klassenverbleib zu wahren. Der neue Trainer Rainer Kraft, der beim 1:1 gegen Jahn Regensburg mit Mustafa Parmak, Simon Köpf, Danny Galm und Marcel Ivanusa vier neue Akteure einsetzte, will seine Elf nur geringfügig ändern.

Stuttgarter Zeitung

Kickers: 13 Punkte aus sieben Spielen

Stuttgart (jük) – Die Lage der Stuttgarter Kickers wird immer prekärer: Vor dem Spiel an diesem Samstag (14 Uhr/Gazistadion) gegen den Wuppertaler SV fehlen dem Fußball-Drittligisten sieben Punkte auf einen Nichtabstiegsrang – eigentlich hilft den Blauen nur ein Dreier im Kampf um den Klassenverbleib. Doch Trainer Rainer Kraft will nicht von einem Endspiel sprechen, um den psychischen Druck auf die Mannschaft nicht noch zusätzlich zu erhöhen. „Wir haben noch sieben Spiele“, rechnet der 46-jährige Kickers-Trainer vor, „wenn wir dabei 13 Punkte holen, dürften wir gerettet sein. Ich glaube, 38 Zähler reichen zum Ligaverbleib.“

In der Vorbereitung auf die Partie gegen Wuppertal hat Kraft die Devise ausgegeben, sich so zu verhalten, als wäre das Spiel das erste dieser Saison – die Profis sollen ganz unverkrampft, ohne gedanklichen Ballast zur Sache gehen. „Wir wollen Spaß am Fußball vermitteln, und wir wollen die maximale Konzentration auf diese Partie.“ Allerdings wird Kapitän Alexander Rosen nur von der Tribüne aus zuschauen – der 30-Jährige fällt mit einer entzündeten Achillessehne aus. Als Unterstützung für die Blauen hat sich Ministerpräsident Günther H. Oettinger (CDU) im Gazistadion angekündigt.

Stuttgarter Nachrichten

„Blaublut braucht dein Herzblut!“

An ein erneutes Fußball-Wunder auf der Waldau mögen momentan nur noch Optimisten glauben – aber nur noch das vereinte Herzblut aller Fans der Stuttgarter Kickers und möglichst viele Siege der Mannschaft in den verbleibenden sieben Partien können die Blauen jetzt noch vor dem Abstieg aus der 3. Fußball-Liga retten. Das Kickers-Motto der neuen Kreativ-Kampagne von der Werbeagentur Wire Süden: „Blaublut braucht dein Herzblut!“ – Kämpf mit uns ums Überleben. Komm ins Stadion!

Blautblut braucht dein Herzblut

Die aufmerksamkeitsstarken Plakate, Flyer und Postkarten im Großraum Stuttgart sollen die Fans mobilisieren und schon an diesem Samstag (14 Uhr) zahlreich zum Heimspiel gegen den Wuppertaler SV Borussia ins GAZi-Stadion bringen. Mit der Werbeaktion „Herz-Blut-Spende“ beweist das Kickers-Präsidium außerdem, wie sehr ihm die Angelegenheit am Herzen liegt: Weil für die kommenden Herzschlagfinale wirklich jeder Tropfen Herzblut zählt, ließ das Präsidium am heutigen Donnerstag sogar echtes Herzblut fließen.

Das „Blaublut“-Gesicht „Strachi“ Johannes Strachwitz, Manager der Stuttgarter Hip-Hop-Band „Massive Töne“: „In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Blau für die Kickers und Rot für den VfB. Warum? Weil ich in aller erster Linie Stadtpatriot bin. Ich liebe diese Stadt. Nicht umsonst heißt meine Firma 0711 – wie die Stuttgarter Vorwahl. Stärker kann man sich kaum für eine Stadt bekennen. Und genau solch ein Herzensbekenntnis brauchen die Kickers nun aktuell von ALLEN Stuttgartern. Deswegen bin ich froh und stolz auch meinen kleinen Teil dafür beitragen zu dürfen. Darüber hinaus sind in meiner mit Freunden gegründeten Spielerberateragentur Apertura Sports sogar zwei Kickers Spieler mit am Start: Michael Schürg und Dominique Fennell.

Die Kickers sind und bleiben einfach ein Traditionsverein, der zur Stuttgarter Geschichte dazu gehört – wie der Fernsehturm, unter dem sie spielen. Hier haben die ganz Großen wie Fredi Bobic und Jürgen Klinsmann das Fußballspielen gelernt. Deswegen hoffe ich, dass möglichst viele Stuttgarter wieder motiviert nach Degerloch pilgern werden, um die Kickers und damit Stuttgart anzufeuern und nach vorne zu bringen.“

http://herzblutspender.blog.de/
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Vorberichte Stuttgarter Kickers – Wuppertaler SV

„Nach vorne schauen“
Nachgefragt bei Rainer Kraft

Nach dem 1:1 gegen Regensburg stehen die Stuttgarter Kickers im Heimspiel gegen den SV Wuppertal morgen (14 Uhr/Gazi-Stadion) noch stärker unter Druck. Ein Sieg ist dringend nötig, um die Chance auf den Klassenverbleib in der dritten Fußballliga zu wahren. „Wir werden dieses Spiel so angehen, als wäre es das erste der Saison“, sagt der neue Kickers-Trainer Rainer Kraft im Gespräch mit Johannes Scharnbeck.

Herr Kraft, am Mittwoch war der Kickers-Torhüter Manuel Salz der große Pechvogel, als ihm der Ball gegen das Kinn geschossen wurde und Regensburg den Abpraller zum 1:1 nutzte. Salz musste nach dem Spiel ins Krankenhaus. Wie geht es ihm?

Manuel geht es wieder gut. Er hat eine Prellung im Gesicht erlitten, war gestern aber wieder im Training.

Und wie geht es Ihnen?

Ich war gleich nach dem Spiel gegen Regensburg erstaunlich ruhig. Ich habe es abgehakt, schaue nur nach vorne und konzentriere mich allein auf Wuppertal. Auch die Stimmung in der Mannschaft ist der Situation entsprechend. Die Spieler sind enttäuscht, weil wir nur einen Punkt geholt haben. Aber wer weiß, wie wichtig er noch werden wird.

Edgar Schmitt ist zurückgetreten, weil er von der mangelnden Einstellung der Mannschaft enttäuscht war. Gegen Regensburg hatte Orlando Smeekes zunächst ein falsches Trikot angezogen. Diese Unkonzentriertheiten müssen Sie doch auf die Palme bringen?

Die Aktion von Orlando ist eigentlich eine Lappalie. Wenn sich jedoch viele Kleinigkeiten addieren und sich einige aus dem Kader benehmen, als wären sie Champions-League-Spieler, dann wird man verrückt. Gegen Regensburg hat ansonsten aber jeder darauf geachtet, dass die Regeln eingehalten werden, und wir wollen von den Disziplinlosigkeiten jetzt nicht mehr reden.

Sie sind mit Schmitt gut befreundet. Wie schwer ist es, seine Nachfolge anzutreten?

Während der ersten Tage war es schwer, weil es für mich so unerwartet kam. Am Dienstag haben Eddy und ich aber ein langes Gespräch geführt. Wir haben einen Strich gezogen – natürlich nicht unter unsere Freundschaft. Und mittlerweile kann ich meine Gefühle auch ausblenden.

Welche Impulse können Sie noch setzen?

Wir werden uns ganz gezielt auf das nächste Spiel gegen Wuppertal vorbereiten und uns nur auf diese Partie konzentrieren. Wir werden nicht an das Auswärtsspiel gegen Dynamo Dresden oder irgendetwas anderes denken. Nur Wuppertal zählt. Ansonsten haben Alexander Malchow und ich nur Kleinigkeiten verändert.

Ist das Heimspiel gegen Wuppertal schon die letzte Chance für die Kickers?

Nein. Wir werden dieses Spiel so angehen, als wäre es das erste der Saison. Ohne Wenn und Aber. Bis dahin klammern wir alles aus – und danach haben wir noch sechs Spiele.

Stuttgarter Zeitung

SOS auf der Waldau: Kickers bitten um Hilfe
Blaublut braucht Herzblut: Werbekampagne soll noch mehr Fans im Kampf gegen Abstieg mobilisieren

Stuttgart – Die Kampagne kommt spät, vielleicht zu spät. Aber im Kampf gegen den Abstieg hilft den Stuttgarter Kickers jedes Prozent mehr an Aufmerksamkeit. Jetzt mobilisieren sie die Fans aus Stuttgart und der Region.

VON GUNTER BARNER

Weiß der Geier, warum die Chefstrategen des Fußball-Drittligisten so spät mit einer Kampagne in die Offensive gehen, die schon nach der Winterpause ihr Fälligkeitsdatum erreicht hatte. Denn rein nach Gefühl ist der Traditionsclub aus Degerloch sieben Spieltage vor Saisonschluss schon rettungslos verloren. Sieben Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz sind mehr, als die Hoffnung vertragen kann. Und das unglückliche 1:1 gegen Jahn Regensburg am Mittwochabend stärkte auch nicht gerade die Ambitionen, sämtliche Wetten auf den Klassenverbleib zu erhöhen. Zwar führten die Blauen durch einen Treffer von Danny Galm (68.), aber nur neun Minuten später glich Stoilov für die Gäste aus Bayern aus. Sagen wir es so: Es wirkte wieder mal nicht so, als könne der blaue Vulkan im nächsten Moment Feuer und Lava spucken.

Und Rainer Kraft, der neue Trainer, ist nun mal kein Magier. Seine Möglichkeit, kurzfristig auf die Mannschaft einzuwirken, ist so limitiert wie die Ballbehandlung der meisten Kickers-Profis. In solch aussichtslosen Fällen wird gern das Publikum in die Pflicht genommen – als zwölfter Mann, obwohl die Kickers locker zwanzig vertragen könnten.

Zwar haben die Kapitäne auf der Waldau-Titanic extrem lange gebraucht, bis diese Erkenntnis auch auf ihrer blauen Brücke reifte, aber erstens – so erzählt Marketingvorstand Dieter Wahl mit todernster Miene – wollte man die Imagekampagne mit Bäcker Lang nicht stören, und zweitens sei solch eine Aktion mit Plakaten, Flyern und Pick-up-Cards nicht von heute auf morgen aus dem Boden zu stampfen.

Gerti Eisele, Chefin der Stuttgarter Werbeagentur Wire, wirkt zwar nicht so, als brauche sie ein Menschenleben, um solch eine Kampagne zu entwickeln, aber sie und ihr Team meinen es zweifelsohne gut mit den Kickers. „Es ist nie zu spät“, sagt Gerti Eisele und lächelt alle Zweifel weg.

Es war eben wie so oft bei der Überlebenskämpfer-Gemeinschaft unterm Fernsehturm: Erst waren sie sich nicht einig, dann hatten sie keine Idee – und das alles durfte auch nichts kosten. „Die Kampagne ist unser Sponsoring“, sagt Gert Eisele.

Jetzt baut der Tabellenletzte der dritten Liga also auf die Initialzündung durch eine Plakataktion: „Blaublut braucht dein Herzblut. Kämpf mit uns ums Überleben. Komm ins Stadion!“ Die nächste Möglichkeit für den zuletzt durchaus überschaubaren Kreis von Kickers-Sympathisanten bietet sich diesbezüglich am kommenden Samstag, wenn die Kickers den Wuppertaler SV empfangen (14 Uhr, Gazistadion), der sich auch noch nicht aller Abstiegssorgen entledigen konnte.

„Die Werbekampagne kann Kult werden, wenn wir jetzt eine Siegesserie starten“, sagt Präsident Dirk Eichelbaum und macht ein Gesicht, als habe er das in der Bibel gelesen. Der Glaube an den Klassenverbleib ist jedenfalls unverändert den Schweiß der Edlen wert. „Solange wir rechnerisch noch eine Chance haben, werden nicht aufgeben“, sagt Dieter Wahl. Jetzt will er Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Sport ins Stadion locken. „Ministerpräsident Günther Oettinger hat neulich im Derby gegen den VfB Stuttgart den Anstoß gemacht“, sagt Wahl. Schön, aber zehn Minuten später war er wieder weg.

Stuttgarter Nachrichten

Kickers ohne Rosen gegen Wuppertal

Stuttgart (bw) – In der dritten Fußball-Liga beginnt der Endspurt. Am 32. Spieltag empfangen die Stuttgarter Kickers morgen (14 Uhr) den Wuppertaler SV. Der VfB Stutt­gart II tritt bereits heute (19 Uhr) beim SV Sandhausen an.

Stuttgarter Kickers
Die Kickers hatten nur wenig Zeit zum Durchatmen. Drei Tage nach dem Nachholspiel (1:1) gegen Regensburg kämpft morgen im Tabellen-15. Wuppertal erneut ein direkter Konkurrent im Gazi-Stadion um Punkte im Abstiegskampf. Das unglückliche Remis ist abgehakt, die volle Konzentration gilt jetzt der nächsten Gelegenheit, die Aufholjagd zu starten. Nur noch sieben Spiele bleiben dem Tabellenschlusslicht, um in die Nichtabstiegszone zu klettern, die momentan sieben Punkte entfernt ist. „Wenn wir gegen Wuppertal gewinnen, dann kann noch alles passieren“, hofft der neue Coach Rainer Kraft auch auf einen Schub fürs Selbstvertrauen. Verzichten muss er morgen auf Kapitän Alexander Rosen. Der Mittelfeldspieler, der gegen Regensburg in der 60. Minute angeschlagen ausgewechselt wurde, laboriert an einer Reizung der Achillessehne und muss einige Tage pausieren. Entwarnung gab es dagegen bei Manuel Salz. Der Torhüter war am Mittwoch vor dem Ausgleich vom Ball im Gesicht getroffen worden. Im Krankenhaus wurde nur eine Prellung diagnostiziert, sodass Salz bereits gestern wieder am Training teilnehmen konnte und gegen Wuppertal zwischen den Pfosten steht. Und auch Moritz Steinle kehrt nach auskurierter Gehirnerschütterung in die Startformation zurück.

So wollen sie spielen: Salz – Steinle, Mann, Traub, Gentner – Traut, Gambo, Parmak, Ivanusa – Schürg, Galm.

Eßlinger Zeitung

StN: Kickers-Notruf im Überlebenskampf

Blaue Werbekampagne

Stuttgart – Es hat verdammt lange gedauert. Jetzt hat es bei den Stuttgarter Kickers endlich Klick gemacht. Mit einer breit angelegten Werbekampagne aus Plakaten, Flyern und Pick-Up-Cards wollen die Blauen bis zum Saisonschluss noch einmal ihre Fans aus Stuttgart und der Region mobilisieren: „Blaublut braucht dein Herzblut. Kämpf mit uns ums Überleben. Komm ins Stadion!“

Inzwischen haben es auch die Führungskräfte auf der Waldau verstanden. Wenn auf dem Platz nicht viel zusammengeht, muss von den Rängen das Feuer kommen. Beim eher unglücklichen 1:1 gegen Jahn Regensburg peitschten 3100 Zuschauer den akut abstiegsgefährdeten Drittligisten nach vorn. Schon am Samstag im Heimspiel gegen den SV Wuppertal (14 Uhr, Gazistadion) sollen es deutlich mehr sein. „Wir brauchen jeden Fan“, sagt Präsident Dirk Eichelbaum. Und Vorstandsmitglied Dieter Wahl fleht: „Mit dem Publikum im Rücken können wir es noch schaffen. Wir brauchen die Fans, die uns ihr Herzblut geben.“

Sieben Punkte fehlen den Blauen bis zur Nichtabstiegszone. Sieben Spieltage stehen noch aus. Jetzt soll die kostenlose Kampagne der Stuttgarter Agentur Wire die Initialzündung für einen fulminanten Endspurt im Kampf um den Klassenverbleib liefern. „Es ist nie zu spät“, sagt Wire-Chefin Gerti Eisele. Kein Zweifel: Die Frau hat Herzblut.

Gunter Barner

Stuttgarter Nachrichten

Presse zu Stuttgarter Kickers – Jahn Regensburg (1:1)

Chancen für die Kickers schwinden
Gegen Regensburg spielt das Kraft-Team nur 1:1 und bleibt zum fünften Mal nacheinander sieglos

STUTTGART. Auch mit dem neuen Trainer Rainer Kraft können die Stuttgarter Kickers bis jetzt nicht gewinnen. Im Nachholspiel der dritten Fußballliga hat sich der Tabellenletzte 1:1 von Jahn Regensburg getrennt. „Das war zu wenig zum Überleben“, sagte Kraft.

Von Johannes Scharnbeck

Rainer Kraft hat noch nicht aufgegeben. Auch nach dem 1:1 (0:0) gestern Abend gegen Jahn Regensburg sagte der neue Trainer der Kickers enttäuscht, aber hoffnungsvoll: „Das war zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben. Aber mit einem Sieg am Samstag gegen Wuppertal sind wir immer noch im Rennen.“ Trotzdem stehen die Chancen auf einen Klassenverbleib in der dritten Fußballliga weiterhin sehr schlecht. Die Kickers haben als Tabellenletzter sieben Punkte Rückstand auf den rettenden 17. Platz.

Ein neuer Trainer soll ja sofort neue Impulse bringen. Edgar Schmitt war am Dienstag bei den Kickers als Trainer zurückgetreten, weil er die Mannschaft nicht mehr erreicht hatte, sein Nachfolger und früherer Co-Trainer Kraft appellierte daher an den Teamgeist und nahm in der Startaufstellung im Vergleich zur 1:5-Schlappe am Sonntag bei Union Berlin gleich vier Änderungen vor. Für Jens Härter, Markus Ortlieb, Orlando Smeekes und Sascha Traut brachte der 46-Jährige Simon Köpf, Danny Galm, Mustafa Parmak und Marcel Ivanusa aus der zweiten Mannschaft. Doch die Umstellungen brachten vor 3020 Zuschauern im Gazi-Stadion keinen neuen Schwung.

Die erste halbe Stunde war geprägt von Fehlpässen und Stockfehlern, Regensburg stand dagegen sicher in der Defensive. Erst zum Ende der ersten Halbzeit erzeugten die Kickers mehr Druck auf das Tor der Gäste. Zunächst zwang Marcus Mann mit einem Kopfball Regensburgs Torhüter Sattelmaier (35.) zu einer Parade, nach der folgenden Ecke köpfte Ivanusa knapp vorbei (36.).

Zu Beginn der zweiten Halbzeit wechselte Kraft Orlando Smeekes ein, der Niederländer bereitete in der 68. Minute mit einem Pass das 1:0 durch Danny Galm vor. Die Kickers drängten nun weiter. Der eingewechselte Traut schoss zweimal gefährlich aus der Distanz (70., 71.). Doch dann kam die „Angst ins Spiel“, wie es Rainer Kraft formulierte. „Wir hatten Angst, die drei Punkte zu verlieren, und dann ist es auch so gekommen.“ Ein Weitschuss von Regensburgs Schlauderer kam unglücklich vor Torwart Salz auf, prallte gegen dessen Kinn, und Stoilov staubte ab (78.). Nur abseits des Platzes konnten die Kickers-Verantwortlichen einen kleinen Erfolg verbuchen. Das Logo, dessen Rechte sich die Handballer gesichert hatten, wird der Handballverein künftig gemeinsam mit dem Sportverein Kickers nutzen.

Stuttgart: Salz – Köpf, Mann, Traub, Gentner (84. Kacani) – Ivanusa, Rosen (60. Traut) – Gambo, Parmak – Schürg (46. Smeekes), Galm.

Regensburg: Sattelmaier – Bambara, Brysch, Maul, Binder – Zellner, Schlauderer – Stoilov, Romminger (70. Fleischer) – Hiemer, Würll (74. Wiesner).

Schiedsrichter: Kunzmann (Bad Hersfeld).

Tore: 1:0 Galm (68.), 1:1 Stoilov (78.).

Stuttgarter Zeitung

1:1 – Lage für Kickers immer hoffnungsloser
Trainerwechsel fruchtet noch nicht – Salz im Pech

Stuttgart – Erst fehlte der Elan, dann kam Pech dazu: Auch mit dem neuen Trainer Rainer Kraft kamen die Stuttgarter Kickers nur zu einem 1:1 (0:0) gegen Jahn Regensburg. Der Abstand des Drittliga-Letzten zu den Nichtabstiegsplätzen beträgt sieben Punkte.

VON JÜRGEN KEMMNER

Das Spiel war ein Schlag ins Gesicht, besonders für Manuel Salz. Ein Fernschuss von Tobias Schlauderer landete mitten im Gesicht des Kickers-Torhüters. Dessen Benommenheit nutzte Petr Stoilov zum 1:1-Ausgleich (77.). Der Jubel, den Danny Galm mit seinem Führungstor (68.) ausgelöst hatte, verstummte. Am Ende stellte sich der konsternierte Anhang der Blauen nur eine Frage: Gegen wen wollen die Kickers gewinnen – wenn es schon gegen Regensburg nicht klappt? Denn die Steigerung von harmlos hieß am Mittwoch Kickers – und der Superlativ Regensburg. „Der Punkt ist zu wenig, um zu leben, aber zu viel, um schon zu sterben“, brachte Kraft die Lage auf den Punkt.

Gut, das Team von der Waldau bemühte sich im Rahmen seiner Möglichkeiten. Von dem Ruck, den sich die Vereinsführung durch den Wechsel von Trainer Edgar Schmitt zu Kraft erhofft hatte, war aber lange Zeit nichts zu spüren. Dabei hatte der neue Cheftrainer reagiert: Simon Köpf, Marcel Ivanusa und Danny Galm rückten anstelle von Jens Härter, Markus Ortlieb und Orlando Smeekes in die Startelf. Apropos Smeekes: Beim 1:5 in Berlin hatte er dem Essen mit der Mannschaft den Besuch eines Fast-Food-Restaurants vorgezogen, was im Verein nicht gut angekommen war.

Schwer verdauliche Kost waren auch die Regensburger. Die Kickers-Abwehr schlug viel Langholz nach vorn, im Mittelfeld führte der Zufall Regie – Torchancen waren Mangelware. Erst nach einer halben Stunde kam Gefahr auf, doch statt quer auf Galm zu spielen, versuchte sich Michael Schürg als Schütze – eine bessere Rückgabe (32.). Dann lenkte Gäste-Keeper Rouven Sattelmaier einen Kopfball von Marcus Mann ins Aus (34.). Wieder Eckball – Ivanusa verpasste das Tor nur ganz knapp (35.).

Nach dem Wechsel war mehr Zug im Kickers-Spiel. Bashiru Gambo bediente Galm – 1:0. Sascha Traut scheiterte an Sattelmaier (71. und 72.), auf der Gegenseite traf Alexander Maul den Pfosten (76.) und Stoilov zum Ausgleich ins Tor. Den möglichen Sieg vergab Marcus Mann, dessen Kopfball an der Latte landete (89.).

Stuttgarter Nachrichten

Die Lage spitzt sich zu
Die Stuttgarter Kickers erreichen gegen Jahn Regensburg nur ein 1:1

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers haben im ersten Spiel unter dem neuen Cheftrainer Rainer Kraft einen Sieg verpasst. In der Nachholpartie gegen Jahn Regensburg reichte es für den Fußball-Drittligisten gestern trotz Überlegenheit nur zu einem enttäuschenden 1:1 (0:0).

Von Beate Wockenfuß

Den Spielern war der Frust über die verpassten drei Punkte anzumerken. „Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft, da ist ein Punkt zu wenig“, meinte Mittelfeldakteur Bashiru Gambo. „Jetzt müssen wir am Samstag unbedingt gegen Wuppertal gewinnen.“ Die Kickers liegen sieben Spieltage vor Schluss sieben Punkte hinter dem rettenden 17. Platz. „Es ist zu wenig, um weiterzuleben, aber auch zu viel, um bereits gestorben zu sein“, kommentierte Kraft das 1:1. Der neue Trainer nahm im Vergleich zu der 1:5-Niederlage bei Spitzenreiter Union Berlin vier Änderungen in der Aufstellung vor: Jens Härter, Markus Ortlieb, Sascha Traut und Orlando Smeekes mussten weichen, dafür standen Simon Köpf, Mustafa Parmak, Danny Galm und überraschend Marcel Ivanusa in der Startelf. U-23-Spieler Ivanusa, der sein Debüt in der dritten Liga gab, leitete in der 17. Minute mit einer Flanke auf Alexander Rosen prompt die erste Chance ein. Der Kopfball von Kapitän Rosen strich nur knapp am Tor vorbei. Die Kickers blieben auch in der Folgezeit das bessere Team. Sie überzeugten in der Abwehr und erarbeiteten sich Tormöglichkeiten, allein der erlösende Treffer wollte nicht fallen. Michael Schürg vergab freistehend (32.) und wurde nach der Pause durch Smeekes ersetzt, der sich als Belebung erwies. In der 68. Minute spielte der Niederländer einen schönen Pass auf Galm, der zur Kickers-Führung einschoss. Von Regensburg war abgesehen von einer Großchance von Petr Stoilov (51.) lange nichts zu sehen. Nach dem Rückstand kamen die Gäste allerdings zu Chancen und in der 78. Minute zum Ausgleich: Stoilov staubte zum 1:1 ab, nachdem Kickers-Torhüter Manuel Salz wohl wegen eines Platzfehlers einen Schuss ins Gesicht bekommen hatte und nicht festhalten konnte. Kraft brachte danach mit Sokol Kacani einen dritten Stürmer, und kurz vor Schluss traf Verteidiger Marcus Mann noch die Latte – aber der ersehnte zweite Treffer gelang den Stuttgartern nicht mehr. „Es ist tragisch, dass wir das Spiel nicht über die Zeit gebracht haben“, trauerte Joachim Cast den vergebenen Chancen hinterher. Zugleich schöpfte der Manager aus dem gestrigen Auftritt aber auch Zuversicht. „Man hat gesehen, dass sich die Mannschaft gegen den drohenden Abstieg stemmt“, meinte er. „Sie hat damit das richtige Zeichen gesetzt.“

Statistik
Stuttgarter Kickers: Salz – Köpf, Mann, Traub, Gentner (84. Kacani) – Gambo – Rosen (60. Traut), Parmak, Ivanusa – Schürg (46. Smeekes), Galm.

Jahn Regensburg: Sattelmaier – Bambara, Brysch, Maul, Binder – Hiemer, Zellner, Schlauderer, Romminger (69. Fleischer) – Würll (72. Wiesner), Stoilov.

Schiedsrichter: Kunzmann (Bad Hersfeld).

Zuschauer: 3020.

Tore: 1:0 Galm (68.), 1:1 Stoilov (78.).

Gelbe Karten: Smeekes, Köpf, Traut / Brysch, Hiemer, Bambara.

Beste Spieler: Gambo, Mann / Zellner, Sattelmaier.

Eßlinger Zeitung

1:1! Kraft-Einstand „versalzen“
Von HELMUT HEIMANN
Ausgerechnet einer der sonst Besten „versalzt“ Neu-Trainer Rainer Kraft (46) den Einstand…

Beim 1:1 gestern Abend gegen Regensburg hat Kickers-Keeper Manuel Salz eine ganz unglückliche Situation. Neun Minuten nach der Gastgeber-Führung springt ihm ein Aufsetzer ins Gesicht, den Abpraller nutzt Regensburgs Torjäger Stoilov zum Ausgleich.

Auch im Spiel 1 nach dem Rücktritt von Edgar Schmitt vermasselt das Drittliga-Schlusslicht wieder den so wichtigen Sieg. Der Kampf um den Klassenerhalt wird immer aussichtsloser. 7 Spieltage vor Ende sind‘s 7 Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz.

Dabei fing es vor 3020 Zuschauern (unter ihnen Ex-VfB-Star Thomas Berthold sowie Freiburg-Coach Robin Dutt) so gut an. Nach starkem Smeekes-Pass trifft Galm aus 8 Metern ins Tor – 1:0 (68.). Doch statt Selbstbewusstsein gab der Treffer den Kickers Angst, den Vorsprung wieder zu verlieren.

In der 76. Minute hatten die Blauen beim Latten-Kopfball von Maul noch Glück. Doch eine Minute später trifft Stoilov zum 1:1-Endstand.

Zu allem Unglück verletzte sich auch noch Kapitän Rosen (Achillessehne). Ob er länger ausfällt, ist noch fraglich. Ob mit oder ohne Rosen – Samstag muss im Keller-Duell gegen Wuppertal ein Sieg her. Sonst geht es volle Kraft hinab…

BILD

Erster Stuttgarter Punkt nach zuletzt drei Pleiten

Stoilov beendet Kickers-Träume
In einer vor allem im zweiten Abschnitt lebhaften Begegnung kamen die Stuttgarter Kickers auch unter dem neuen Chefcoach Rainer Kraft nicht zu dem erhofften Erfolgserlebnis. Zwar waren die Kickers gegen Jahn Regensburg lange die aktivere Mannschaft, der späte Ausgleichstreffer durch Stoilov machte den Hoffnungen der Schwaben im Abstiegskampf einen befreienden Sieg landen zu können aber einen Strich durch die Rechnung.

Bei den Kickers schmiss unter der Woche Trainer Edgar Schmitt das Handtuch. Sein bisheriger Assistent Rainer Kraft steht nun zumindest bis zum Saisonende in Amt und Würden. Im Vergleich zum deftigen 1:5 bei Union Berlin änderte der neue Mann an der Bank seine erste Elf auf vier Positionen. Galm, Russo, Parmak und Ivanusa liefen für Ortlieb, Traut, Härter und Smeekes auf. Nach dem 0:0 in Emden beließ es Jahn-Coach Markus Weinzierl dagegen bei einer Veränderung und brachte Stoilov für Jarosch.

Lange Zeit tat sich im Stuttgarter Gazi-Stadion auf der Waldau herzlich wenig. Keines der Teams war zunächst bereit, im Abstiegskampf frühzeitig seine Karten aufzudecken. Nach einem Warnzeichen von Rosen (17.) übernahmen aber die Hausherren immer mehr die Initiative und kontrollierten das Geschehen.

Regensburg mauerte fortan konsequent und verrichtete pure Defensivarbeit unter fast striktem Verzicht auf Offensivspiel. Die Kickers spielten ohne großes Glück gegen das Bollwerk an, Schürg (33.) mit einem Schussversuch und eine Doppelchance durch Mann und Ivanusa (36.), deren Kopfbälle ihr Ziel nur knapp verfehlten, blieben noch die aussichtsreichsten Torgelegenheiten des Tabellenletzten aus Schwaben. Ohne Tore ging es in die Halbzeitpause.

Im zweiten Spielabschnitt ging es dann deutlich lebhafter zu. Der Jahn kam nun zu einigen guten Kontermöglichkeiten, Stoilov scheiterte aber mit einer guten Einschussgelegenheit an Kickers-Keeper Salz (53.). Aktiver blieben aber weiterhin die Kickers, die sich nach zuletzt drei sieglosen Spielen in Serie durch einen Treffer von Galm, der durch Smeekes gut eingesetzt wurde, wieder auf der Erfolgsstraße befanden (68.).

Die Hoffnung währte jedoch nur zehn Minuten lang. Der Tscheche Stoilov beendete mit seinem sechsten Saisontreffer alle Träumereien der Gastgeber und sicherte den Oberpfälzern damit den wichtigen Punktgewinn. Regensburgs Abstand zu den Abstiegsplätzen beträgt nun sechs Zähler, die Kickers schweben in immer krasseren Abstiegsnöten.

Die Stuttgarter Kickers müssen nun am kommenden Samstag zu Hause gegen Wuppertal antreten. Jahn Regensburg misst sich am Sonntag vor eigenem Publikum mit Bayern II .

Kicker

Jahn Regensburg hält Kickers auf Distanz
Jahn Regensburg erkämpft sich Punkt um Punkt für den Klassenerhalt. Nach dem 0:0 in Emden holt die Regensburger nun ein 1:1 bei den Stuttgarter Kickers. Die Elf von Markus Weinzierl behauptet mit diesem Unentschieden den 14. Platz. Die Regensburger standen von Beginn an sehr gut zu Ball und Mann. Dabei machten es ihnen die Kickers aber auch nicht allzu schwer. Das Schlusslicht versuchte in den ersten 30 Minuten immer wieder mit Bällen durch die Mitte für Gefahr vorm Regensburger Tor zu sorgen.

Das Team von Markus Weinzierl offenbarte hier allerdings keinerlei Schwächen, Tobias Zellner und Tobias Schlauderer im zentralen Mittelfeld sowie Alexander Maul und Andreas Brysch im Zentrum der Viererkette zerstörten immer wieder die Offensivbemühungen des Tabellenletzten. Allerdings ging das auch auf Kosten des eigenen Offensivspiels: Die weiten Bälle waren leichte Beute der Kickers, so dass es eines abgefälschten 25-Meter-Schusses von Zellner bedurfte (10.), um für Gefahr vorm Stuttgarter Tor zu sorgen. Doch vor große Probleme stellte dieser Schuss Kickers-Keeper Manuel Salz nun auch nicht.

Die seit Dienstag von Rainer Kraft gecoachten Stuttgarter hingegen hatten optisch deutlich mehr vom Spiel, wenngleich auch sie nur wenig Chancen hatten. Die Bälle von Bashiru Gambo (12.) nach einem Fehlpass von David Romminger und Danny Galm (16.) nach Flanke von Alexander Rosen parierte Rouven Sattelmaier in gewohnter guter Manier. Etwas brenzliger vor dem Jahn-Tor wurde es dann allerdings in der 35. Minute, als der Jahn-Keeper nach einer Ecke den Kopfball von Marcus Mann gerade noch aus der Ecke fausten konnte.

In der 51. Minute hatte der SSV Jahn seine bis dahin beste Möglichkeit, doch Petr Stoilov scheiterte nach herrlichem Zellner-Pass an Torhüter Salz. Auf der Gegenseite erging es Orlando Smeekes aber auch nicht besser: Er fand in Sattelmaier seinen Meister.

Doch dann passte die Regensburger Defensive in Person von Brysch einmal nicht auf, und Danny Galm, der allein auf Sattelmaier zulief, überwand den Regensburger Torhüter mit einem Heber. Der Jahn machte nun deutlich mehr Druck, doch die Kickers kamen zu den besseren Chancen, so dass Sattelmaier nur durch zwei Glanzparaden gegen Sascha Traut (71., 72.) einen höheren Rückstand verhindern konnte.

Die Weinzierl-Elf gab sich allerdings noch nicht geschlagen und kam durch Alexander Maul (76.), der nach einem Freistoß den Ball ans Lattenkreuz köpfte, zu einer guten Gelegenheit. Und nur eine Minute später wurden die Regensburger für ihr Engagement belohnt: Nach einem Schlauderer-Schuss, den Keeper Salz nicht festhalten kann, staubte Stoilov zum 1:1 (77.) ab. In der 89. Minute hatte der Jahn dann noch einmal eine Schrecksekunde zu überstehen, als Sattelmaier einen Kopfball von Mann gerade noch an die Latte lenken konnte und Galm den abprallenden Ball am Tor vorbei schoss. Und beinahe wäre den Regensburger sogar noch der Sieg gelungen, doch Stoilov (90.) und Drittliga-Debütant Tobias Wiesner (90. +1) vergaben in aussichtsreicher Position.

Mittelbayerische Zeitung