Der Bankrott

Ich habe eine neue Leidenschaft: Ich tue nichts. Seitdem geht es mir gut. Ich kaufe zwei, drei Fußballmagazine und schaue nach, ob CFR Cluj noch mit drei Toren vor Steaua Bukarest die Tabelle der rumänischen Liga anführt. Beitar Jerusalem liegt in Israel klar vor Maccabi Netanja, da ist nichts mehr zu machen, und das sollte man wissen, bevor man die Frage klärt, ob Anorthosis vor Apoel Nikosia den Titel auf Zypern holen wird.

Die Kunst des Nichtstuns ist eine einmalige Gabe. Ich danke Gott dafür. Neulich noch habe ich mich mit der Frage auseinander gesetzt, ob der VfB die Mercedes-Benz-Arena braucht. Dieses Thema hat mir zu schaffen gemacht, aber auch geholfen, das Nichtstun zu entdecken.

Ich war drauf und dran, laut zu schreien: Ihr Unglückseligen, selbstverständlich braucht diese schöne Stadt ein richtiges Fußballstadion. Wie sonst soll es der VfB-Kunde in der Kurve aus sechs Kilometern Entfernung erkennen: Handelt es sich um den VfB-Manager Heldt oder den VfB-Spielmacher Bastürk, wenn einer von beiden auf Zehenspitzen Mike Hanke von Hannover 69 in den Bauchnabel beißt?

Sagen Sie mir nicht, es gebe kein Hannover 69, solange ich weiß, dass Modrica Maksima die Tabelle vor Celik Zenica in Bosnien-Herzegowina anführt. Ich weiß auch, was 69 bedeutet, ich habe als Nichtstuer gelernt, ins Zentrum menschlicher Lüste zu schauen: Seit Jahrzehnten besuche ich den Fußballplatz der Stuttgarter Kickers 1899, die einzige richtige Fußballarena der Stadt. Man hat Augenkontakt und danach die Gewissheit, dass Fußballfunktionäre vom Nichtstun leben.

Der Präsident der Kickers, er heißt Eichelbaum, hat dieser Tage per Brief den Papst zum Spiel eingeladen. Herr Eichelbaum hält dies für einen Gag. Er will die Kickers ins Gespräch bringen. Der Kickers-Präsident hält den Papstbrief für Öffentlichkeitsarbeit. Der Papstbrief ist die einzige Öffentlichkeitsarbeit, die der Kickers-Präsident in dieser Saison geleistet hat.

Herr Eichelbaum sollte keine Briefe an den Papst schreiben. Er sollte seinen Mentalcoach um eine Diagnose bitten. Wenn er das Ergebnis sieht, wird er nicht mehr den Papst um Hilfe bitten. Dann kann ihm nur noch der liebe Gott helfen.

Herr Eichelbaum ist hauptberuflich im Insolvenzgeschäft tätig. Ob er geistige Bankrotte bearbeitet, weiß ich nicht. Ich bin nicht der Papst. Am Freitag haben die Kickers gegen Oggersheim gespielt. Ich habe mein Nichtstun unterbrochen und bin hin. Der Papst war nicht da. Der Papst hatte mich zuvor angerufen. „Richten Sie Herrn Eichelbaum aus“, hat der Papst gesagt, „er möge den mentalen Offenbarungseid leisten, bevor er zur Hölle fährt.“ „Herr Papst“, habe ich gesagt, „Gott sei mit Ihnen.“

Die Kickers haben gewonnen.

Stuttgarter Nachrichten

Presse zu Stuttgarter Kickers – FSV Ludwigshafen-Oggersheim

1:0 – die Kickers im Glück

Der eingewechselte Marco Tucci rettet in einem schwachen Spiel gegen Oggersheim den Sieg

STUTTGART. Das beste am 1:0-Sieg der Stuttgarter Kickers in der Fußball-Regionalliga gegen Oggersheim sind die drei Punkte. „Es war ein unverdienter Sieg“, gab der Manager Cast zu – ehe der Verein den Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Mauch bekannt gab.

Von Joachim Klumpp

Vor einer Woche beim Spiel in Sandhausen hatte der Kickers-Trainer Stefan Minkwitz eingestehen müssen, mit seinen Einwechslungen kein glückliches Händchen gehabt zu haben. Gestern war das ganz anders: Da brachte er Franco Petruso von der zweiten Mannschaft, dessen Distanzschuss der Oggersheimer Torwart nur abklatschen konnte – und in der darauf folgenden Szene der ebenfalls eingewechselte Marco Tucci zum 1:0-Siegtor einschoss. Da waren bereits 80 Minuten gespielt, und das Schlusslicht war die klar bessere Mannschaft, so dass selbst der Kickers-Manager Joachim Cast zugeben musste: „Der Sieg war unverdient.“

Doch letztendlich zählen nur die drei Punkte, welche die Kickers wieder näher an den zehnten Platz heranbringen. In der Verfassung von gestern allerdings wird es schwer, dieses Ziel zu erreichen, das weiß auch Stefan Minkwitz: „So können wir auf Dauer nicht bestehen“, sagte der Trainer, der in der Halbzeit in der Kabine laut wurde, mit bescheidenem Erfolg. Besser wurde es vor den 2865 Zuschauern nicht, die Kickers verloren nicht nur die spielerische Linie, sondern auch die meisten Zweikämpfe, was keineswegs nur an dem Ausfall des Mittelfeldmotors Alex Rosen gelegen haben kann. „Das Ganze ist eine Frage der Einstellung“, sagte Minkwitz später. „Aber anscheinend geht es einigen Herren schon wieder zu gut.“

Wen er damit gemeint hat? Auf jeden Fall Angelo Vaccaro, der seine Auswechslung auch noch mit einer abfälligen Geste kommentierte. Minkwitz: „Ich habe mich heute nur bei David Yelldell bedankt.“ In der Tat bewahrte der scheidende Schlussmann seine Mannschaft – wieder einmal – vor einem Rückstand, als er vor der Pause gleich drei hochkarätige Chancen der Gäste vereitelte. Cast: „Nach diesem Spiel können wir nicht zur Tagesordnung übergehen, da müssen einige Dinge angesprochen werden.“

Das taten die Verantwortlichen schon unmittelbar nach den 90 Minuten – mit personellen Konsequenzen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch trat „aus persönlichen Gründen“ von seinem Amt zurück, nachdem es zuletzt offenkundig zu Differenzen zwischen ihm und dem Präsidium gekommen war. Der Orthopäde bleibt aber bis auf weiteres im Gremium, das nun von dem Anwalt Rainer Lorz geführt wird.

Ob damit im Umfeld des Vereins endlich die nötige Ruhe eintritt? Die gibt es am Wochenende zumindest auf dem Trainingsgelände der Kickers. Die Spieler bekamen trotz der schwachen Vorstellung frei. Begründung des Trainers Minkwitz: „Ich will die Gesichter jetzt zwei Tage nicht sehen – und am Montag wird Klartext geredet.“

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Deigendesch, Wildersinn, Mann, Rapp (46. Steinle) – Parmak, Akcay (65. Petruso), Gambo, Cerci – Vaccaro (75. Tucci), Kacani.

Tor: Tucci (80.).

Rote Karte: Petruso (grobes Foulspiel, 89.).

Stuttgarter Zeitung

1:0 – Joker Tucci erlöst schwache Kickers

Äußerst glücklicher Sieg gegen Oggersheim dank überragendem Torwart Yelldell – Mauch tritt zurück

Stuttgart – Der Papst war nicht da, dafür öffnete Petrus die Schleusen. Und auf dem schlammigen Platz rutschte der schwache Regionalligist Stuttgarter Kickers beinahe aus: Gegen Schlusslicht FSV Oggersheim gab es am Freitag ein glückliches 1:0 (0:0).

VON JÜRGEN FREY

Auch ein nochmaliger Anruf der Kickers im Vatikan in Rom hatte nichts gebracht – Papst Benedikt XVI. schlug die Einladung der Blauen aus und kam nicht. Doch sind wir ehrlich: Er hat auch nichts verpasst.

Die Kickers spielten, als hätten sie im Kampf um einen Platz in der dritten Liga göttlichen Beistand bitter nötig. Das Team von Trainer Stefan Minkwitz blieb zwar im fünften Spiel in Folge ungeschlagen, agierte aber auf dem tiefen Rasen viel zu zerfahren. Statt Esprit gab es nur Stückwerk zu sehen. Ohne den verletzten Denker und Lenker Alexander Rosen (Oberschenkelverhärtung) lief so gut wie nichts zusammen. Außerdem mangelte es an der Einstellung. Minkwitz ging mit seinen Feldspielern hinterher hart ins Gericht: „Ich bin sprachlos über diese Leistung. Einigen Herren geht es wohl anscheinend wieder zu gut.“

Die Blauen kamen durch einen Freistoß von Mustafa Parmak zu ihrem ersten Torschuss. Er scheiterte aus 19 Metern an FSV-Torwart Assen Alexov. Da war schon eine Stunde gespielt, und kaum noch jemand dachte an diesem trüben Abend an eine Sternstunde der Kickers – bis Marco Tucci kam. Der eingewechselte Stürmer erzielte nach Vorarbeit von Parmak und Franco Petruso, der später mit Rot vom Platz flog, das 1:0-Siegtor (80.). „Der Trainer hat gesagt, ich soll ein Tor machen, also habe ich eines gemacht“, sagte der glückliche Tucci, „es war ein wichtiger Treffer – für die Mannschaft, aber auch für den ganzen Verein.“

Die drei Punkte gegen den abgeschlagenen Letzten hatten die Blauen neben Tucci vor allem ihrem Torhüter zu verdanken. David Yelldell zeigte in der 26. Minute zwei spektakuläre Paraden. Erst rettete er mit den Armen gegen Christoph Böcher, dann hielt er den Nachschuss von Mohammed Camara mit den Beinen. Und sechs Minuten später scheiterte auch noch der völlig frei stehende Thorsten Reiß am besten Kickers-Spieler. „Ich habe mich bei David bedankt. Nur bei ihm“, lobte Minkwitz seinen Keeper, der die Kickers nach der Saison verlassen wird. „Wenn er nur in die zweite Liga wechselt, dann habe ich keine Ahnung vom Fußball“, ergänzte Minkwitz.

Trotz des Erfolgs herrschte auf der Waldau Tristesse pur. Da passte es ins Bild, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch am Freitag aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt erklärte. Nachfolger ist Rainer Lorz.

Stuttgarter Nachrichten

„Glück – und nichts anderes“

Schwache Stuttgarter Kickers gewinnen unverdient mit 1:0 gegen den FSV Ludwigshafen-Oggersheim

Stuttgart – Schlecht gespielt, unverdient gewonnen: Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers hat den FSV Ludwigshafen-Oggersheim gestern abend mit 1:0 (0:0) besiegt und bleibt damit im fünften Spiel in Folge ohne Niederlage.

Von Beate Wockenfuß

„Das war heute absolutes Glück – und nichts anderes“, war Kickers-Trainer Stefan Minkwitz angefressen. „So eine Leistung dürfen wir nicht wiederholen. Denn so können wir nicht bestehen.“Die Partie litt unter den widrigen äußeren Bedingungen. Starker Regen hatte den Platz schwer bespielbar gemacht. Minkwitz musste im Mittelfeld zwei Ausfälle kompensieren: Kapitän Oliver Stierle fehlte wegen einer Wadenverletzung, für ihn lief Ferhat Cerci auf. Zudem musste Alexander Rosen wegen einer Oberschenkelzerrung passen. Für ihn kam Mustafa Akcay zum Einsatz.Die Gastgeber brachten kaum etwas zustande. Das Tabellen-Schlusslicht aus Oggersheim erspielte sich die besseren Chancen, doch Kickers-Torwart David Yelldell, der zum Saisonende den Verein definitiv in Richtung zweite Liga verlassen wird, war gewohnt souverän. So vereitelte Yelldell in der 29. Minute eine Großchance der Gäste: Erst parierte er Grugur Rados‘ Schuss aus kurzer Distanz, dann klärte er auch vor dem nachsetzenden Mohammed Camara. Sechs Minuten später tauchte Thorsten Reiß plötzlich frei vor Yelldell auf, dieser wehrte aber den Schuss des Oggersheimers ab. In der Kickers-Offensive herrschte dagegen Windstille. Die Quittung für die enttäuschenden Stuttgarter: Buh-Rufe zur Halbzeit.Nach dem Seitenwechsel dasselbe Bild: Die Oggersheimer spielten engagierter und kombinierten, die Kickers zeigten dagegen eine schwache Leistung. Trotzdem fiel in der 80. Minute die Führung für die „Blauen“: Den Schuss von Franco Petruso faustete Alexov zwar weg, doch dann kam Parmak an den Ball und passte auf Marco Tucci. Der eben eingewechselte Stürmer musste nur noch einschieben. Die absolut unverdiente 1:0-Führung brachten die Stuttgarter über die Zeit.

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Deigendesch, Wildersinn, Mann, Rapp (46. Steinle) – Parmak, Akcay (66. Petruso), Gambo, Cerci – Kacani, Vaccaro (75. Tucci).

FSV Ludwigshafen-Oggersheim: Alexov – Stiller, Berrafato, Hildebrandt, Böcher – Schlabach, Lapidakis, Ay, Reiß – Camara (79. Christ), Grugur Rados (72. Strohmann).

Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen).

Zuschauer: 2865.

Tore: 1:0 Tucci (80.).

Rote Karte: Petruso (89./grobes Foulspiel).

Gelbe Karten: Wildersinn, Parmak, Steinle / Lapidakis.

Beste Spieler: Yelldell / Reiß, Camara.

Eßlinger Zeitung

Professor Dr. Rainer Lorz neuer Aufsichtsratsvorsitzender

Nach der Partie der Kickers gegen den FSV Ludwigshafen-Oggersheim hat der bisherige Vorsitzende Dr. Christian Mauch bei einem Treffen des Aufsichtsrates seinen Rücktritt aus privaten Gründen bekannt gegeben, bleibt aber weiterhin Mitglied des Aufsichtsrates. Zu seinem Nachfolger wurde Professor Dr. Rainer Lorz bestimmt, der schon seit längerer Zeit diesem Kontrollgremium angehört. Stellvertreter bleibt Christian Dinkelacker.

Vorberichte Stuttgarter Kickers – FSV Ludwigshafen-Oggersheim

Yelldell kündigt Abschied an
Torhüter verlässt die Kickers

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers empfangen in der Fußball-Regionalliga heute (19 Uhr) das Schlusslicht aus Oggersheim. Vor dem Spiel wurde bekannt, dass der Torwart David Yelldell und der Verteidiger Julian Leist den Verein zum Saisonende verlassen.

Von Joachim Klumpp

An dem Torwart David Yelldell liegt es sicher nicht, dass die Stuttgarter Kickers um die Qualifikation für die künftige dritte Fußballliga bangen müssen. Der 26-Jährige ist die Zuverlässigkeit in Person und der große Rückhalt der Mannschaft. Aus diesem Grund muss er sich persönlich auch gar keine Gedanken um die Zukunft machen. Yelldell wird weder in der dritten noch vierten Liga spielen – sondern in der zweiten. „Es gibt verschiedene Anfragen und Angebote“, sagt sein Berater Uli Ferber, der deshalb bis zum Ende des Monats die Option ziehen wird, nach welcher der Schlussmann zu einer festgeschriebenen Ablöse (eine höhere fünfstellige Summe) den Club wechseln kann.

Der Kickers-Manager Joachim Cast wollte sich gestern zwar noch nicht offiziell dazu äußern, gab aber zu: „Es wäre überraschend, wenn es keine Interessenten für ihn gäbe.“ Yelldell, der 2005 nicht zuletzt wegen des Trainers Robin Dutt von den Blackburn Rovers zu den Kickers zurückkehrte, hat sich in den vergangenen drei Jahren zum vielleicht besten Regionalligaschlussmann im Süden entwickelt und wurde schon im Vorjahr mehrmals (unter anderem von Hoffenheim) beobachtet. „Sein Stellenwert in Mannschaft, Verein und Umfeld hat sich enorm gesteigert“, sagt Cast, so dass der nächste Schritt auf der Karriereleiter die logische Folge ist. „Sportlich ist das sicher ein herber Verlust“, betont der Trainer Stefan Minkwitz, „aber er ist nicht der erste und sicher auch nicht der letzte Spieler, der die Kickers verlässt.“

In der Tat. Denn gestern wurde auch bekannt, dass der junge Julian Leist seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird und zu 1860 München (vorzugsweise in die zweite Mannschaft) wechseln wird. „Das ist schade“, sagt Cast, „aber wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten alles unternommen, um ihn zu halten.“ Offensichtlich aber hatte sich der Innenverteidiger, der vor der Saison kurzfristig in den Profikader beordert wurde, mehr Einsätze in der ersten Mannschaft versprochen. Der Trainer Minkwitz bedauert den Entschluss des 20-Jährigen: „In meinen Augen ist das ein Schnellschuss.“

Leists Pech sei gewesen, dass er sich zur Beginn der Rückrunde in der zweiten Mannschaft eine Rote Karte eingehandelt habe und dann gesperrt war. „Und zuletzt hat er in der Oberliga nicht unbedingt die Leistung gebracht, die nötig ist, um sich aufzudrängen.“ Dennoch verlieren die Kickers wieder einmal ein talentiertes Eigengewächs, was für einen Verein, der auf den Nachwuchs setzt, bedauerlich ist. „Er wird aber weiter zum Kader gehören“, sagt Minkwitz mit Blick auf die restlichen neun Saisonspiele.

Das erste davon findet heute (19 Uhr) statt. Und alles andere als ein Sieg gegen das Schlusslicht Oggersheim wäre ein Rückschlag. Auch wenn neben Sascha Benda (Zerrung) die Kapitäne Jens Härter sowie Oliver Stierle ausfallen und Alexander Rosen (Oberschenkelprobleme) angeschlagen ist. Minkwitz: „Wir wollen trotzdem unsere Miniserie von vier Spielen ohne Niederlage ausbauen.“

Stuttgarter Zeitung

Leist geht – Papst zögert
Kickers warten weiter auf Antwort aus dem Vatikan

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers haben auf ihre göttliche Idee, den Papst zum Heimspiel gegen den FSV Oggersheim einzuladen, noch keine Antwort erhalten. Dafür steht vor der Partie am heutigen Freitag (19 Uhr/Gazistadion) fest: Verteidiger Julian Leist wechselt zum TSV 1860 München.

Leist geht nach München – und der Papst bleibt wahrscheinlich in Rom. Die Anzeichen verdichten sich, dass die Einladung für seine Heiligkeit etwas zu spät im Vatikan eintraf. Wie berichtet, hatte Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum Papst Benedikt XVI. höchstpersönlich per Brief auf die Waldau eingeladen. Die fixe Idee ist kein Witz, bleibt aber der Brüller der Woche und Gesprächsthema in der Stadt. Noch warten die Blauen gespannt auf eine Antwort. Auch auf Nachfrage unserer Zeitung hielt sich die vatikanische Pressestelle bedeckt: „Wir behalten uns vor zu antworten – oder auch nicht“, sagte ein Mitarbeiter.

Eine klare Ansage gab es für die Kickers dagegen von Julian Leist. Der 1,92 m große Abwehrspieler teilte dem Fußball-Regionalligisten seinen Wechsel zum TSV 1860 München mit. Der 20-Jährige, dem auch ein Angebot des SC Freiburg vorlag, unterschrieb bei den Löwen einen Zweijahresvertrag. „Bei den Kickers fehlen mir die sportlichen Perspektiven, zudem war das Angebot aus München sehr attraktiv“, sagte Leist, der bei 1860 zunächst für die zweite Mannschaft vorgesehen ist. „Mit der Option nach oben“, wie Leist betont.

In dem Verteidiger verlieren die Blauen einen Spieler mit sehr guten Perspektiven. Besonders ärgerlich: Da sein Vertrag am Saisonende ausläuft, geht er ablösefrei. Entsprechend enttäuscht reagierte Trainer Stefan Minkwitz: „Ich bin bedient. Wir hatten Julian ein konkretes Angebot gemacht, jetzt hat er uns vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Allerdings stand Leist in dieser Saison lediglich zehnmal im Regionalligakader, zum Einsatz kam er nur in der Oberligaelf.

Heute gegen Schlusslicht FSV Oggersheim wird Oliver Stierle wegen seiner Wadenverletzung nicht spielen können. Hinter dem Einsatz von Alexander Rosen (Oberschenkelprobleme) steht ein kleines Fragezeichen. Minkwitz: „Völlig egal, wer aufläuft, es gibt nichts anderes als drei Punkte.“ Mit oder ohne päpstlichen Beistand. Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Minkwitz warnt vor dem Schlusslicht

Stuttgart (bw) – In der Fußball-Regionalliga empfangen die Stuttgarter Kickers heute (19 Uhr) den Tabellenletzten FSV Ludwigshafen-Oggersheim. Der VfB Stuttgart II ist bei den Sportfreunden Siegen zu Gast (19.30 Uhr).

Stuttgarter Kickers
„Es müssen drei Punkte her“, lautet die klare Ansage von Trainer Stefan Minkwitz. Acht Zähler haben die Kickers in den vergangenen vier Spielen geholt und damit ihre Aufholjagd für die Qualifikation zur dritten Liga gestartet. „Die Mini-Serie wollen wir jetzt ausbauen“, sagt der Coach, warnt aber davor, die abgeschlagenen Oggersheimer (9 Punkte) zu unterschätzen: „Sie werden Gas geben. Schließlich haben sie keinen Druck, da spielt es sich einfacher.“ Der wiedergenesene Moritz Steinle wird wohl wieder in die Startelf rücken. Der Einsatz von Oliver Stierle (Wadenverletzung) ist fraglich. Kapitän Jens Härter hat sich unterdessen wegen seiner anhaltenden Knieprobleme (Meniskus- und Knorpelschaden) zu einer Operation entschlossen. Für den Verteidiger, der Ende September vergangenen Jahres seinen letzten Einsatz für die Kickers hatte, ist die Saison damit wohl gelaufen.

So wollen sie spielen: Yelldell – Deigendesch, Mann, Rapp, Steinle – Parmak, Rosen, Gambo, Cerci – Kacani, Vaccaro.
 
Eßlinger Zeitung

FSV und SVS vor Auswärtsspielen

Oggersheim/Sandhausen. Der FSV Ludwigshafen-Oggersheim steht in der Fußball-Regionalliga Süd als Tabellenletzter auch deshalb so schlecht da, „weil wir in der bisherigen Runde nie zwei Mal mit derselben Mannschaft antreten konnten“, so Trainer Sascha Koch. Das ist auch vor dem Auswärtsspiel heute Abend, 19 Uhr, bei den Stuttgarter Kickers nicht anders: Wegen der fünften Gelben Karte fällt Tim Merritt aus,- für ihn wird Marco Lapidakis vor der Vierer-Abwehrkette mit Reiß, Berrafato, Hildebrandt und Böcher spielen. Einen Wechsel gibt es im Tor: Assen Aleksov ist wieder die Nummer eins, nachdem Russi Petkov zuletzt gegen Unterhaching zwei „haltbare“ Tore kassierte.

Mannheimer Morgen

Vorschau

Spielinfos:

Anstoß: 11.04.2008 19:00
Stadion: GAZI-Stadion auf der Waldau

Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)
Assistenten: Schlott (Marktl), Waldkirch (Pfaffenweiler)

Stuttgarter Kickers: Der wiedergenesene Steinle könnte Wildersinn verdrängen. Die zuletzt angeschlagenen Gambo und Parmak spielen wohl, Stierle (Wade) eher nicht.

FSV LU-Oggersheim: Für Böcher (er ist angeschlagen), Merritt (Gelbsperre) und G. Rados kommen Rodighero, Haber und Strohmann.

Aufstellung

Stuttgarter Kickers
Yelldell – Deigendesch, Mann, Rapp, Steinle – Parmak, Rosen, Gambo, Cerci – Kacani, Vaccaro; Trainer: Minkwitz

FSV LU-Oggersheim
Alexov – Reiß, Berrafato, Hildebrandt, Rodighero – Haber – Schlabach, Homola, Ay – Strohmann, Camara; Trainer: Koch 

Kicker

Presse zum Pabst und zu angeblichen Liquiditätsproblemen

Doppelpass mit dem Papst
Der Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers sucht händeringend Hilfe, sogar im Vatikan

STUTTGART. Die drei Punkte gegen das Tabellenschlusslicht Oggersheim haben die Kickers (morgen, 19 Uhr) in der Fußball-Regionalliga fest eingeplant. In finanziellen Dingen fehlen feste Zusagen aber offensichtlich noch.

Von Joachim Klumpp

Die Stuttgarter Kickers haben das Heimspiel morgen gegen den FSV Oggersheim zum Namenstag ausgerufen. Sämtliche Zuschauer die den Vornamen eines Kickers-Spielers tragen, dürfen – nebst weiblicher Begleitung – die Partie gegen den Tabellenletzten gratis besuchen. In diesem Zusammenhang hatte der Marketingmann Martin Kurzka die Idee, auch den Papst Benedikt persönlich einzuladen, da der den gleichen Vornamen wie der Kickers-Spieler Deigendesch besitzt.

Solche eher amüsanten Episoden sind ansonsten derzeit Mangelware bei den Kickers. Der Regionalligist kämpft an allen Fronten ums Überleben – der sportliche Part gerät dabei manchmal sogar ins Hintertreffen. Das ist auch dem Aufsichtsrat nicht verborgen geblieben, der das Präsidium deshalb in die Pflicht nahm, seine Hausaufgaben zu machen. Gemeinsame Sitzungen sollen künftig in kürzeren Abständen stattfinden. Erste Konsequenz war am Dienstagabend ein Treffen beim Hauptsponsor Gazi, dessen Chef Eduardo Garcia nach den Worten des Kickers-Präsidenten Dirk Eichelbaum „jede mögliche Unterstützung zugesagt hat“. Zunächst soll es sich dabei eher um PR-Aktionen als um monetäre Zuwendungen handeln.

Dabei brauchen die Kickers neben Punkten derzeit vor allem eines: Geld. Auch wenn der Präsident sich dazu nicht explizit äußert, fehlt ein stattlicher Betrag – die Rede ist von 100 000 bis 200 000 Euro -, um die laufende Runde zu bestehen. Offensichtlich spekulieren die Kickers darauf, dass sie eine Fernsehrate des DFB von Mai vorziehen können, um liquide zu bleiben. Daneben gibt es kleine Erfolgserlebnisse wie die Vertragsverlängerung mit einem Top-90-Sponsor, so der im Präsidium fürs Marketing zuständige Hans-Jürgen Wetzel, der vom Aufsichtsrat besonders kritisiert worden ist.

Das Verhältnis des Kontrollgremiums zum Präsidium ist sehr angespannt, um es vorsichtig auszudrücken. Deshalb wird vom Aufsichtsrat auch die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung spätestens nach dem Saisonende erwogen, um die anstehenden Probleme – finanzieller, struktureller, aber auch personeller Art – zu lösen. Auf der Agenda stehen zum Beispiel noch die ausstehende Entlastung des alten (und aktuellen) Präsidiums sowie die Lex Kullen, die inzwischen bekanntlich gerichtlich entschieden werden soll, was nicht gerade zur Imageverbesserung der Kickers beiträgt. Der Präsident Eichelbaum sagt dazu: „Ich halte von einer vorgezogenen Mitgliederversammlung prinzipiell wenig.“ Der Jurist geht nach wie vor vom sportlichen Erfolg der Mannschaft aus – ein Abstieg in die künftige Regionalliga ist offiziell kein Thema.

Zumindest der gebürtige Bayer Benedikt Deigendesch scheint zusätzlich motiviert: „Als praktizierender Christ würde ich mich natürlich freuen, wenn mein Landsmann der Einladung folgen würde“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Vielleicht habe ich dann ja die göttliche Eingebung, um das Spiel zu entscheiden.“ Sein Trainer Stefan Minkwitz sieht die Dinge pragmatischer: „Es müssen drei Punkte her, egal wie.“

Restprogramm der Kickers: 11. April gegen Oggersheim, 19. April in Burghausen, 26. April gegen Aalen, 3. Mai in Reutlingen, 6. Mai gegen 1860 München II, 10. Mai in Frankfurt, 16. Mai gegen Unterhaching, 24. Mai gegen VfB II; 31. Mai in Elversberg.

Stuttgarter Zeitung

Kickers: Garcia signalsisiert Hilfe
Stuttgart (jüf) – Freudenfeste sind bei den Stuttgarter Kickers selten. Erst recht in diesen Tagen, in denen es hinter den Kulissen mal wieder mächtig kracht. Da wäre ein klarer Sieg am morgigen Freitag (19 Uhr/Gazistadion) gegen das abgeschlagene Regionalliga-Schlusslicht FSV Oggersheim ein schönes Signal – doch Trainer Stefan Minkwitz dämpft allzu hohe Erwartungen: „Wir wollen drei Punkte. Ein Freudenfest, ein 5:0 oder 6:0, darf man nicht erwarten.“

Immerhin verkündete Präsident Dirk Eichelbaum nach einem Gespräch mit Eduardo Garcia die frohe Botschaft, dass der Hauptsponsor für die kommenden schweren Wochen seine Hilfe zugesagt habe. „Die unterstützenden Maßnahmen sind noch zu definieren, es geht nicht nur um Geld“, sagte Eichelbaum. Zum Beispiel könnte es PR-Maßnahmen im Rahmen des Box-WM-Kampfes des von Garcia gesponserten Firat Arslan am 3. Mai in der Schleyerhalle geben. Garcia bestätigte das Gespräch mit den klammen Blauen, zu Details wollte er sich nicht äußern: „Ich bin den Kickers treu – mehr gibt es derzeit nicht zu sagen.“

Bedeckt hält sich auch Präsidiumsmitglied Hans-Jürgen Wetzel. Zu seinem möglichen Rücktritt wollte sich der stark in die Kritik geratene Marketingmann weiterhin nicht äußern. Die in Degerloch diskutierte Rückkehr von Dieter Wahl, Edgar Kurz und auch Michael Hofstetter in die Führungsetage der Blauen kommentierte Eichelbaum ausweichend: „Wir denken quer und weiter. Jeder, der ein Herz für die Kickers hat, ist jetzt gefordert.“

Stuttgarter Nachrichten

Kein Witz: Kickers bitten Papst zum Spiel
Göttliche Idee der Blauen vor Duell gegen Oggersheim sorgt für Fassungslosigkeit
 
Stuttgart – Wer vermutet, die Stuttgarter Kickers seien längst am Tiefpunkt angelangt, der irrt gewaltig. Es geht noch tiefer. Zum morgigen Spiel gegen FSV Oggersheim hat der Fußball-Regionaligist den Papst eingeladen. Stuttgart biegt sich vor Lachen.

VON JÜRGEN FREY

UND GUNTER BARNER

Präsident Dirk Eichelbaum höchstpersönlich hat den Pontifex per Brief auf die Waldau eingeladen. Ob seine Heiligkeit erscheinen wird, entscheidet sich wohl erst kurz vor Spielbeginn. Ganz im Ernst: Angeblich stammt die fixe Idee aus dem Fan-Arbeitskreis. Und das Bedauerliche daran ist: Durch den Brüller der Woche wird ein im Kern guter Einfall der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Partie gegen das abgeschlagene Tabellenschlusslicht aus Oggersheim (Gazistadion, 19 Uhr) sollen alle Personen kostenlos verfolgen können, die den gleichen Vornamen wie einer der Kickers-Spieler haben. In Anlehnung an Verteidiger Benedikt Deigendesch entwickelten die Blauen dann die göttliche Idee, Papst Benedikt XVI eine persönliche Einladung zukommen zu lassen – die sie per Einschreiben an den Vatikan schickten. „Mein Gott, wie tief sinken wir noch?“, tönte es nach Bekanntwerden der unfassbaren Nachricht im Kickers-Fan-Forum. „Der Verein macht sich immer mehr zur größten Lachnummer“, schrieb ein anderer, und zu guter Letzt scherzte ein Sympathisant der Blauen: „Nichts gegen päpstlichen Beistand – so wie wir uns zurzeit präsentieren, kann uns höchstens eine göttliche Eingebung retten!“

Erst recht in diesen Tagen, in denen es hinter den Kulissen mal wieder kracht. Da wäre ein klarer Sieg am morgigen Freitag gegen den FSV Oggersheim ein schönes Signal – doch Trainer Stefan Minkwitz dämpft die Erwartungen: „Wir wollen drei Punkte. Ein Freudenfest, ein 5:0 oder 6:0, darf man nicht erwarten.“

Immerhin verkündete Präsident Dirk Eichelbaum die frohe Botschaft, dass Hauptsponsor Eduardo Garcia für die kommenden schweren Wochen seine Hilfe zugesagt habe. „Die unterstützenden Maßnahmen sind noch zu definieren, es geht nicht nur um Geld“, sagte Eichelbaum. Zum Beispiel könnte es PR-Maßnahmen im Rahmen des Box-WM-Kampfes des von Garcia gesponserten Firat Arslan am 3. Mai in der Schleyerhalle geben. Garcia bestätigte das Gespräch mit den Blauen, zu Details wollte er sich nicht äußern: „Ich bin den Kickers treu – mehr gibt es derzeit nicht zu sagen.“

Bedeckt hält sich auch Präsidiumsmitglied Hans-Jürgen Wetzel. Zu seinem möglichen Rücktritt wollte sich der in die Kritik geratene Marketingmann weiter nicht äußern. Die in Degerloch diskutierte Rückkehr von Dieter Wahl, Edgar Kurz und auch Michael Hofstetter in die Führungsetage der Blauen kommentierte Eichelbaum ausweichend: „Wir denken quer und weiter. Jeder, der ein Herz für die Kickers hat, ist gefordert.“

forum.stuttgarter-kickers.de

Stuttgarter Nachrichten

Zeitung zu Paul Kühnle, der heute 123 Jahre alt geworden wäre

„Der zäheste Verteidiger, den ich kenne“
Gmünder Sportler von einst: Paul Kühnle, einer der ersten Fußballer im Nationaltrikot Deutschlands
Heute vor 123 Jahren, am 10. April 1885, hat Paul Kühnle in Stuttgart das Licht der Welt erblickt. Er avancierte zu einem der besten Fußballer Deutschlands.

Klaus Westermayer
Die deutsche Nationalmannschaft vor dem Länderspiel 1910 in Basel, das sie gegen die Schweiz mit 3:2 gewann. Paul Kühnle (zweiter Spieler von rechts) gab damals sein Debüt im Nationaltrikot.
 
Paul Kühnle im Trikot der Stuttgarter Kickers. (Foto: dpa)Am 5. April 1908 bestritt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr erstes offizielles Länderspiel, verlor in Basel 3:5 gegen die Schweiz. In den 100 Jahren danach kamen in weiteren 799 Begegnungen vier Spieler zum Einsatz, die zwar nicht aus der hiesigen Region stammten, aber aus sportlichen oder beruflichen Gründen hierzulande ihren Wohnsitz aufschlugen. Anton Kugler, siebenfacher Nationalspieler des 1. FC Nürnberg zwischen 1923 und 1927, der in der Silcherstraße wohnte und dessen Sohn Horst seit vielen Jahren in Unterkochen lebt, führte 1947 als Trainer den 1. FC Normannia in die Landesliga, die damals nach der Oberliga Süd zweithöchste Spielklasse. Ihm folgte als Spielertrainer 1948 Albert Sing (Stuttgarter Kickers), der zwischen 1940 und 1942 neun Länderspiele absolvierte und am 7.April in der Nähe von Lugano im Tessin seinen 91. Geburtstag gefeiert hat. Und in Essingen lebte Lothar Richter vom Chemnitzer BC, der 1941 gegen Finnland zum Einsatz gekommen war. Als der Sachse 1912 geboren wurde, da hatte Paul Kühnle von den Suttgarter Kickers bereits zwei Länderspiele hinter sich. Der spätere Regierungs-Vermessungsrat fand zu Beginn des 2. Weltkriegs in Schwäbisch Gmünd eine neue berufliche Herausforderung, war Leiter des Staatlichen Vermessungsamts und lebte hier bis zu seinem Tod im Alter von 85 Jahren am 28. Dezember 1970. Paul Kühnle ist unsere sportliche Rückblende gewidmet.
Heute vor 123 Jahren, am 10. April 1885, hatte Paul Kühnle in Stuttgart das Licht der Welt erblickt. 1901, zwei Jahre nach Gründung der Stuttgarter Kickers, hatte er sich mit 16 Jahren dem Traditionsverein angeschlossen, war schon 1902 Ersatz der ersten Mannschaft und wurde als rechter Verteidiger 1906 Stammspieler, als sich die Degerlocher anschickten, in die Phalanx der besten deutschen Vereine vorzustoßen. So gelang ein 2:1-Sieg über den deutschen Meister VfB Leipzig.
Er stand seinen Mann in der Abwehr, als die Kickers 1908 das deutsche Endspiel gegen Viktoria 89 Berlin erreichten, nachdem sie Titelverteidiger Freiburger FC (5:2) und den Duisburger SV (5:1) bezwungen hatten. Im Finale dominierten die Schwaben über weite Strecken, brachten jedoch den Ball auch aus bester Position nicht im Tor des Gegners unter, der schließlich mit 3:0 gewann.
Zwei Jahre später sollte Kühnle dann den ersten von zwei weiteren Höhepunkten in seiner Laufbahn erleben. Am 3. April in Basel gab er sein Debüt in der Nationalmannschaft, die sich gegen die Eidgenossen mit 3:2 durchsetzte. Und auch im Jahr darauf, beim 6:2-Sieg der deutschen Elf über die Schweiz in Stuttgart, war der Stuttgarter Verteidiger wieder dabei. „In der Abwehr glänzten Kühnle und der Karlsruher Hollstein“, hieß es danach in der Presse. In einem Gespräch, das der Verfasser 1962 für die GMÜNDER TAGESPOST führte, erzählte Kühnle, dass es damals keine Vorbereitungslehrgänge vor Länderspielen gab, dass sich die Spieler oft erst am Tag der Partie kennenlernten. Und so war es nach Paul Kühnles Meinung auch kein Wunder, dass die Spieler ihre technischen Fertigkeiten erst dann verbessern konnten, als das regelmäßige Training eingeführt wurde. „Das Direktspiel ist heute ausgeprägter, Schnelligkeit und Athletik haben sich enorm gesteigert, die Platzverhältnisse tragen auch dazu bei, dass das Fußballspiel viel ansehlicher ist als zu Beginn des Jahrhunderts,“ bekannte der Ruheständler vor gut 45 Jahren in der GT.
Kühnle gehörte aber schon zu den besten Fußballern seiner Zeit, in der der Karlsruher Gottfried Fuchs einen heute noch gültigen „Rekord“ aufstellte: Bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm schoss er beim 16:0-Sieg über Russland – auch der höchste deutsche Erfolg überhaupt – zehn Tore.. In „Deutschlands Beste“, die 1930 erschien, schrieb der Autor: „Kühnle war der zäheste Typ. den ich als Verteidiger kenne. Schläge aus der Drehung waren seine Spezialität; er flog dabei herum wie eine Feder, ohne den Boden mit den Füßen zu berühren. Sein Schlag war flach, was ihm bei den Kickers zugute kam.“
Von 1910 bis 1912 stand Kühnle dreimal in der süddeutschen Auswahl, die den Kronprinzenpokal gewann, wurde mit den Kickers 1913 zum zweiten Mal nach 1908 Südmeister und ließ dann noch vor Beginn des ersten Weltkriegs die Karriere ausklingen. Welche Wertschätzung er aber auch später noch bei den „Blauen“ genoss, zeigt die Verleihung des Wanderpreises für seine sportliche Leistung und seine menschliche Haltung, der ihm 1928 zuerkannt wurde.
1939 wurde der Bezirksgeometer ans Staatliche Vermessungsamt an der Kreuzung Goethestraße/Olgastraße (später in Rektor-Klaus-Straße umbenannt) in Gmünd berufen, dessen Leitung er bei Kriegsende bis Anfang der Fünfzigerjahre übernahm. Er wohnte im Eckhaus Schillerstraße/Rektor-Klaus-Straße, sein Sohn Oskar war als Zahnarzt tätig. Der heute 83-jährige Karl Koch, ein gebürtiger Bartholomäer, der seine Ausbildung zum Vermessungstechniker unter Paul Kühnle absolvierte und seit 1947 in Lorch beheimatet ist, erinnert sich noch gut an seinen „Lehrmeister“: „Er war ein Vorgesetzter, der bemüht war, seinen Lehrlingen etwas beizubringen. Er war pingelig darauf bedacht, dass alles genauestes erledigt wurde. “
Dass sein Chef einige Jahrzehnte zuvor ein bekannter Fußballer war, das blieb Karl Koch nicht verborgen. „Paul Kühnle kam oft auf seine Fußballerzeit zu sprechen. Als wir einmal in Wißgoldingen bei einem Bauern das Land zu vermessen hatten und vor dem Haus zwei Buben mit einem runden Etwas spielten, da schnappte sich Paul Kühnle den Ball und kickte mit, obwohl er damals schon um die 60 Jahre alt war. Die Jungen wussten nicht, dass sie einen ehemaligen Nationalspieler vor sich hatten und machten Witze über den alten Herrn, was den jedoch in keiner Weise störte.“ Das Selbstbewusstsein, das Paul Kühnle zu seiner aktiven Zeit ausgezeichnet hatte, half ihm auch lange danach über eine solche Situation hinweg.

Gmünder Tagespost

Vorberichte 1. FC Heidenheim – Stuttgarter Kickers II

„Kleine Blaue“ als Aufbaugegner?
FCH erwartet am Samstag die „U 23“ der Stuttgarter Kickers im Albstadion

Kein Sieg und nur drei Punkte aus den letzten vier Spielen – bei den Fußballern des 1. FC Heidenheim macht sich zwar noch keine Krisenstimmung breit, aber Trainer Frank Schmidt macht doch unmissverständlich deutlich: „Alles andere als ein Sieg gegen die Kickers wäre eine Enttäuschung.“

Verletzungen hin, mangelhafte Chancenverwertung her – Tatsache ist, dass die Heidenheimer Oberligafußballer seit dem 15. März kein Spiel mehr gewonnen haben. Höchste Zeit also für ein Erfolgserlebnis, und da kommt am Samstag die abstiegsgefährdete „U 23“ der Stuttgarter Kickers als „Aufbaugegner“ gerade recht.

Die „kleinen Blauen“ spielen bislang eine enttäuschende Saison, haben erst fünf von 25 Spielen gewonnen – bei 18 Niederlagen – und haben gerade mal einen Punkt Vorsprung vor den Abstiegsplätzen. Zuletzt setzte es eine 1:2-Heimniederlage im Kellerderby gegen Nachbar Schwieberdingen.

Zwar stehen die Kickers nicht unter dem Druck, sich für die neue vierte Liga qualifizieren zu müssen – dort wird wahrscheinlich die eigene „Erste“ landen, aber ein Abstieg aus der Oberliga wäre schon eine herbe Enttäuschung und deshalb ist die Mannschaft von Trainer Björn Hinck auf jeden Punkt angewiesen.

Auch in Heidenheim wird sie sich nicht kampflos geschlagen geben und hat die jüngste FCH-Serie sicher mit Interesse verfolgt. Die macht auch den Kickers, die auswärts immerhin besser abgeschnitten haben als zu Hause, Hoffnung.

Nichtsdestotrotz zählt für die Heidenheimer nur ein Sieg, und das macht auch Trainer Frank Schmidt deutlich: „Bevor wir an die richtungsweisenden Spitzenspiele gegen Hoffenheim, Waldhof, Villingen und Crailsheim denken, müssen wir erst einmal unsere Pflichtaufgaben gegen die Kickers und in Bahlingen erledigen.“

Schmidt, der mit der spielerischen Leistung seiner Truppe auch zuletzt durchaus zufrieden war („Vor allem defensiv stehen wir sehr gut“), bemängelt in erster Linie die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor: „Wenn wir das abstellen können, dann werden wir auch wieder unsere Spiele gewinnen.“

Personell sind die Alternativen beim FCH momentan durchaus dünn gesät. Im Mittelfeld muss die Arbeit, die Ünal Demirkiran bis zu seinem Kreuzbandriss fast perfekt erledigte, auf mehrere Schultern verteilt, in der Abwehr, wo mit Cassio da Silva und Michael Urban gleich zwei Innenverteidiger ausfallen, weiter experimentiert werden. Hoffnungsschimmer: Der Brasilianer da Silva hat schon wieder mit dem Lauftraining begonnen und wird in dieser Saison auf alle Fälle noch eingreifen.

Dass es im Kampf um die Regionalliga-Qualifikation wohl bis zum letzten Spieltag eng bleibt, ist keine Überraschung, und Ausrutscher gegen vermeintlich „kleine“ Gegner können besonders negativ zu Buch schlagen. Deshalb ist die Mannschaft gerade am Samstag gefordert.

Der SC Freiburg II, der die Regionalliga-Qualifikation als einziger Verein schon so gut wie in der Tasche hat, steht zu Hause gegen Kirchheim vor einem weiteren Sieg, ebenso der SSV Ulm beim Schlusslicht Linx. Eine deutlich schwierigere Aufgabe erwartet den SV Waldhof beim heimstarken SGV Freiberg.

Mit Crailsheim und Villingen sind zwei Aufstiegsaspiranten unter sich und vor allem die Crailsheimer brauchen unbedingt einen Sieg, wenn sie im Rennen bleiben wollen. Der FC Walldorf will gegen Normannia Gmünd den Heimvorteil besser nutzen als das dem FCH gelungen ist, Hoffenheims „Zweite“ muss sich in Großaspach vorsehen.

Klaus Dieter Haas

Pressehaus Heidenheim

Kickers vor personellen Turbulenzen

Scharfe Kritik an Marketing-Chef Hans-Jürgen Wetzel – Aufsichtsrat fordert schnelle Lösungen

Stuttgart – Beim Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers rumort es hinter den Kulissen. Der Großteil des Aufsichtsrats der Blauen kritisiert scharf die Arbeit des Präsidiums. Besonders unter Beschuss: der fürs Marketing zuständige Hans-Jürgen Wetzel.

VON JÜRGEN FREY

UND GUNTER BARNER

Die Blauen kämpfen ums Überleben – sportlich wie finanziell. Wie jetzt bekannt wurde, fehlen bis Ende Juni noch 100 000 Euro in der Kasse. Präsident Dirk Eichelbaum spielt die Liquiditätslücke herunter: „Das sind normale Probleme, die wir abarbeiten.“

Andere sehen die Lage weit dramatischer. Der Aufsichtsrat macht seit Wochen massiv Druck, um den Geldfluss sicherzustellen, fordert Lösungsansätze statt fantasieloses Wehklagen und schreckt auch vor Rücktrittsforderungen nicht zurück. „Es steht Spitze auf Knopf, wir müssen schnell sämtliche Ressourcen bündeln, um über die Runden zu kommen. Alle stehen auf dem Prüfstand“, heißt es in einem Alarmruf aus Reihen des Kontrollgremiums.

Nach Informationen unserer Zeitung soll in den nächsten Tagen ein Bittgang bei Hauptsponsor Eduardo Garcia im Kalender der Kickers-Häuptlinge stehen.

Der eine oder andere bringt bereits ungeniert den Namen von CDU-Stadtrat Dieter Wahl ins Spiel, dessen Netzwerk und Ideen die Blauen vermissen. Der Vizefraktionschef im Gemeinderat hatte nach dem nicht ganz freiwilligen Rücktritt des früheren Präsidenten Hans Kullen sein Amt als Präsidiumsmitglied für Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit niedergelegt. Angeblich soll ihn nun sein Nachfolger Hans-Jürgen Wetzel höchstpersönlich um die Rückkehr gebeten haben.

Die Chancen dafür stehen allerdings eher schlecht: Erstens steht Wahl ganz oben auf der Liste möglicher Nachfolgekandidaten für den zurückgetretenen CDU-Fraktionschef Reinhold Uhl, zudem ist es ein offenes Geheimnis, dass der Kommunalpolitiker aus Degerloch mit der zurzeit amtierenden Führungsriege auf der Waldau wenig anzufangen weiß. Einzige Ausnahme: Schatzmeister Friedrich Kummer. Außerdem wurde der Christdemokrat während der vergangenen Mitgliederversammlung als Präsidiumsmitglied nicht entlastet, was ihn bis heute mächtig wurmt. Ohne Entlastung im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung würde Wahl wohl keinen Finger mehr für die Blauen rühren.

Doch auch so könnte es in der Führungsmannschaft der Blauen schon bald Änderungen geben. Hans-Jürgen Wetzel soll bereits seinen sofortigen Rücktritt angeboten haben für den Fall, dass die Stuttgarter Kickers anderweitig passenden Ersatz finden. Auch der für den sportlichen Bereich zuständige Walter Kelsch klebe nicht an seinem Stuhl, verlautet aus Kickers-Kreisen. Das frühere Vorstandsmitglied Edgar Kurz könnte die Lücke im Vorstand schließen. Doch auch er zeigt unter den derzeitigen Bedingungen wenig Interesse. „Für meinen Geschmack haben sich ein paar Leute zu große Schuhe angezogen. Mich persönlich hat auch noch keiner angesprochen.“

Auch Hans-Jürgen Wetzel hielt sich gegenüber unserer Zeitung bedeckt: „Ich möchte mich im Moment nicht äußern.“ Zur Kritik an seiner Person und an seinem Mitarbeiter Martin Kurzka entgegnete er: „Jeder, der das Geschäft kennt, weiß, dass es schwierig ist, in unserer Situation etwas zu bewegen. Ständig heißt es: Kommt wieder, wenn ihr den Sprung in die dritte Liga geschafft habt.“

Davon allerdings sind die Stuttgarter Kickers in der derzeitigen Verfassung in vielerlei Hinsicht ein großes Stück entfernt. Ein Beispiel unter vielen: Zu Beginn des Jahres feierte das blaue Urgestein Fritz Seeger seine 65-jährige Mitgliedschaft. Den Kickers war es keinerlei Würdigung wert. Dabei war Seeger in der Vergangenheit hoch geschätzt – meistens dann, wenn es finanziell mal wieder klemmte.

Stuttgarter Nachrichten