Presse zu Waldhof Mannheim – Stuttgarter Kickers II (0:1)

Zu Waldhofs Jubiläum kein Erfolgserlebnis

FUSSBALL-OBERLIGA: 0:1 gegen Stuttgarter Kickers II / Saison sportlich abgehakt
Von unserem Mitarbeiter Roland Bode

Nichts war’s, mit dem erhofften Sieg zum 100. Geburtstag, den der SV Waldhof heute feiert. Mit 0:1 (0:0) unterlagen die Blau-Schwarzen am Vorabend ihres stolzen Jubiläums den Stuttgarter Kickers II. „Wir wollten gewinnen. Jetzt läuft das Fest in Moll“, äußerte Rene Schwall nach der dritten Heimniederlage und dem sechsten Spiel ohne Sieg in Serie. Das Tor des Tages gelang Marco Tucci nach einem Rodrigues-Freistoß kurz nach der Pause (46.).

„Ich wünsche mir eine schlagkräftige Truppe, mit der wir in der Hinrunde 2007/08 bestehen können“, blickte Präsident Hans-Joachim Bremme bereits vor Spielbeginn ans Ende des Jubeljahres. Sportlich ist die laufende Saison abgehakt. Ein Umstand, der Trainer Steffen Menze so überhaupt nicht passt: „Als Trainer gehen einem langsam die Begründungen aus. Da werden vorher Dinge abgesprochen, an die sich nachher keiner hält. Ich habe der Mannschaft in der Kabine gesagt, sie soll sich überlegen, wie sie sich vorstellt, die Saison zu Ende zu spielen. Was wir an Chancen versiebt haben, geht auf keine Kuhhaut.“

Zumindest in den ersten 45 Minuten war noch halbwegs Schwung im SVW-Spiel. Pech, dass Göbig nach einer Schwall-Her-eingabe das Leder unkontrolliert an die Brust und von dort an die Querlatte sprang (15.). Und wieder Aluminium, als sich Dausel auf rechts durchbiss, Schwall mit dem Hinterkopf nur den Außenpfosten traf: „Den muss ich rein machen“, ärgerte sich Waldhofs Bester an diesem Tag. Doch unter der Woche plagte den Verteidiger eine Erkältung. Weitere Chancen für Asaeda (26.) und Göbig (30.) blieben ungenutzt. Die Kickers vor dem Wechsel nur einmal gefährlich, Kacani verpasste ein Zuspiel von Tucci am Fünf-Meter-Raum (12.).

Eiskalt wurden die Blau-Schwarzen nach dem Seitenwechsel erwischt. Gerade 60 Sekunden waren gespielt, da nutzten die Schwaben ihre erste Chance zum Siegtor. Rodrigues legte auf, Tucci übersprang die SVW-Deckung und netzte ein. Torwart Gäng war chancenlos (46.).

„Die Niederlage kommt für mich nicht überraschend“, blieb Berater Rüdiger Lamm noch ruhig. Unter Dampf dagegen Rene Schwall: „Was uns fehlt ist einfach die Tor-Geilheit und das Risiko, wenn es sein muss, auch mal eins auf die Fresse zu bekommen“, war der Verteidiger mächtig sauer. Glück für Waldhof, dass Kovac aus 20 Metern nur den Pfosten traf (59.), sonst wäre die Niederlage womöglich noch deutlicher ausgefallen. Groß besaß die letzte Chance der Platzherren, als er aus gleicher Distanz drei Minuten zuvor abzog, in Torhüter Salz aber seinen Meister fand (56.). Bitter, dass die gerade mal 1230 Zuschauer im Carl-Benz-Stadion das heutige Geburtstagskind mit Pfiffen verabschiedeten.

SV Waldhof: Gäng, Dausel (68. Myftari), Schwall, Crone, Anicic (72. Wittke), Asaeda, Schilling, Groß (84. Ropic), Göbig, Bodnar, Hajri.

Mannheimer Morgen

Ausrufezeichen in Mannheim

Auch Waldhof Mannheim konnte den Siegeszug der „kleinen“ Blauen in der Oberliga Baden-Württemberg nicht stoppen. Und einem relativ schwachen Spiel gewannen die Kickers zum 100jährigen Jubiläum der Gastgeber mit 1:0. Marco Tucci konnte kurz nach der Pause einen Freistoß per Kopfball ins Netz befördern.

Insgesamt hatte Waldhof mehr Torchancen, traf zweimal nur die Latte. Vergab allerdings die vielen Chancen größtenteils fahrlässig und konnte sich zum Schluß nicht beschweren, sogar noch das 0:2 hinzunehmen. Markus Kärcher knallte einen sehenswerten 18 Meter Schuß an den Pfosten. Hier muss auch die Kickers-Mannschaft kritisiert werden. Waldhof war aber der 70. Minute tod. Den Todesstoß haben die Blauen mit dem 2:0 aber nicht folgen lassen. Trotz aller Möglichkeiten.

Die Kickers spielten mit
Salz; Steinle, Accardi, Baradel, Lukic; Morina (61. Fleuchaus), Rodrigues, Kärcher, Kovac (85. Ivanusa); Tucci, Kacani (76. Karapantzos)

[mygal=waldhof]

StN: Cast: Ein Tiefpunkt

Kickers-Manager moniert Egoismus der Spieler
 
Stuttgart – Trainer Robin Dutt strafte die Mannschaft des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers am Ostermontag mit Schweigen und knallhartem Training. Manager Joachim Cast kritisierte unterdessen den Egoismus einiger Spieler.

VON JÜRGEN FREY

Gesprochen wurde zuletzt viel. Jetzt lässt Robin Dutt Taten sprechen. Zwei Stunden lang jagte der Coach seine Spieler gestern über den Trainingsplatz. Intensive Zweikampfschule stand auf dem Programm. Das peinliche 0:3 gegen die SF Siegen hat bei den Blauen Spuren hinterlassen. Auch bei Joachim Cast: „Ich habe mir über Ostern sehr viele Gedanken gemacht“, brummt der Kickers-Manager, „und komme immer wieder zu der Erkenntnis, dass derzeit bei einigen Spielern die Einzelinteressen über den Teaminteressen stehen.“

Kalter Egoismus scheint den vor kurzem noch viel beschworenen „tollen Charakter“ dieser Kickers-Elf abgelöst zu haben. „Was gegen Siegen ablief, war der absolute Tiefpunkt seit ich hier bin“, schimpft Cast und legt die Stirn in Falten. „Irgendwann kann man sich einfach nicht mehr schützend vor die Mannschaft stellen.“

Selbst Spieler mit längerfristigen Verträgen – wie zum Beispiel Bashiru Gambo – stehen auf dem Prüfstand. „Ursprünglich wollten wir auf Kontinuität setzen“, erklärt Cast, „doch wenn kein Einsatz und keine Leistung gebracht wird, werden wir unsere Konzeption überdenken.“ Dann sei auch ein größerer Umbruch im Team denkbar.

Eines steht für den 39-Jährigen indes so fest wie der Fernsehturm in Degerloch: Mit Dutt wird diese Saison zu Ende gebracht, ein vorzeitiger Einstieg seines Nachfolgers Peter Zeidler kommt nicht in Frage. „Wir werden der Mannschaft erst gar keine Chance auf ein weiteres Alibi liefern“, betont Cast – und stellt klar, was er am kommenden Freitag (19 Uhr) im Derby beim SSV Reutlingen erwartet: „Eine Kickers-Mannschaft, die mit 100 Prozent Einsatz ins Spiel geht und heiß auf den Sieg ist.“

Stuttgarter Nachrichten

Vorberichte: Waldhof Mannheim – Stuttgarter Kickers II

Menze fordert zum Jubiläum einen Dreier

FUSSBALL-OBERLIGA: SV Waldhof empfängt heute Stuttgarter Kickers II im Carl-Benz-Stadion
 
Beim SV Waldhof laufen die allerletzten Vorbereitungen für die Jubiläumsfeierlichkeiten. Am morgigen Mittwoch feiert der Traditionsklub seinen 100. Geburtstag. Im Business-Club des Benz-Stadions wird das offizielle Jubiläums-Buch von Autor Karl-Heinz Schwarz-Pich vorgestellt. Eine öffentliche Gedenkfeier für die verstorbenen Mitglieder folgt am Nachmittag (15 Uhr) auf dem Hauptfriedhof, am Abend gratuliert Soul-Röhre Joy Fleming im Klubhaus am Alsenweg dem Geburtstagskind, bevor am Sonntag (15. April) in der Baumhainhalle der offizielle Festakt steigt.

Etwas in den Hintergrund rückt vor all diesen Ereignissen das heutige Oberliga-Heimspiel gegen die Reserve der Stuttgarter Kickers (19.30 Uhr). „Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, dass es eine schöne Jubiläumswoche für den Verein und seine Fans wird“, sagt Trainer Steffen Menze, der unbedingt drei Zähler will und auf eine Trotzreaktion seiner Elf nach dem schwachen Villingen-Spiel hofft. Daniel Bogdanovic, der sich in dieser Partie einen Kreuzbandriss zuzog, fehlt und kann zudem erst in vier Monaten operiert werden. Wer den 26-jährigen Verteidiger ersetzt, ließ Menze zuletzt noch offen.

„Die Kickers haben eine spielstarke Truppe, die zuletzt zwei Mal auswärts gewonnen hat und gegen Ulm stark aufgetreten ist. Zudem weiß man nie, wer von der Regionalliga-Elf zur Mannschaft stößt“, erwartet der Coach alles andere als ein Jubiläumsgeschenk. In der vergangenen Saison entführten die „kleinen Blauen“ beim 2:1-Sieg die Punkte aus Mannheim.

Weiter gedulden muss sich unterdessen Michael Grunert. Das Präsidiumsmitglied, für die Organisation des Jubiläums verantwortlich, wartet weiter auf eine Antwort von Uli Hoeneß. „Es hieß zunächst, dass wir nach dem Madrid-Spiel eine Nachricht bekommen. Jetzt müssen wir warten, bis die Champions-League-Spiele gegen Mailand vorbei sind. Dafür haben wir Verständnis, bleiben aber guter Hoffnung“, sagt Grunert zum aktuellen Stand um das erhoffte Jubiläumsspiel gegen den FC Bayern. Zufrieden ist er mit der Nachfrage nach dem Festbuch und lobt: „Die meisten überweisen mit ihrer Bestellung einen glatten Betrag und damit noch eine kleine Spende. Damit haben wir nicht gerechnet.“ robo

Mannheimer Morgen

Presseartikel 07.04.2007

Mit Realitätssinn in die dritte Liga

07.04.2007

Peter Zeidler wird neuer Trainer der „Blauen“ – Der 44-Jährige punktet mit Erfahrung in der Nachwuchsarbeit

Stuttgart – Zunächst wurde die Liste der Kandidaten auf elf, dann auf drei reduziert. Nun ist die Entscheidung gefallen: Peter Zeidler wird in der neuen Saison Trainer des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers. Der 44-Jährige, der zurzeit den Bayernligisten 1. FC Nürnberg II betreut, folgt Robin Dutt, der zum SC Freiburg wechselt.

Von Sigor Paesler

Der Zeitpunkt der Vorstellung hätte besser sein können. Nach dem blamablen 0:3 gegen die SF Siegen war die Stimmung im VIP-Raum der „Blauen“ gedrückt. Und schon stand die Frage im Raum, ob Zeidler den scheidenden Dutt nicht schon vor dem 1. Juli beerben könnte. „Das kommt nicht in Frage, ich erfülle meine Aufgabe in Nürnberg“, sagte Zeidler. Und auch Dutt hofft auf einen harmonischen Abschied nach dem letzten Saisonspiel am 2. Juni in Elversberg – auch wenn da seit Donnerstagabend Skepsis angebracht ist.Neben Zeidler waren Jürgen Seeberger (zuletzt FC Schaffhausen) und Günter Rommel (VfL Sindelfingen / Frauen) in der engeren Auswahl. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Manager Joachim Cast und fügte den in dieser Situation üblichen Satz hinzu: „Peter Zeidler passt perfekt zu unserem Anforderungsprofil.“ Präsident Dirk Eichelbaum konkretisierte: „Er hat in der Regionalliga erfolgreich gearbeitet, kennt sich in der Region aus und hat bewiesen, dass er konzeptionell arbeiten kann. In Nürnberg hat er fünf Talente zu den Bundesligaprofis von Trainer Hans Meyer geführt.“In der Saison 2003/2004 verfehlte Zeidler mit dem VfR Aalen knapp den Aufstieg in die zweite Liga, davor war er gemeinsam mit Ralf Rangnick für die A-Junioren des VfB Stuttgart zuständig und arbeitete als Assistenzcoach bei den Amateuren des VfB. Im Dezember hat er in Köln die Ausbildung zum Fußballlehrer abgeschlossen.Der zweifache Familienvater weiß, was auf ihn zukommt. „Ich beobachte die Kickers seit Jahren“, sagte Zeidler, „es ist ein Traditionsverein mit einer guten Nachwuchsarbeit.“ Zudem freue er sich auf die Zusammenarbeit mit Cast: „Es ist ein gutes Gefühl, einen kompetenten Manager im Verein zu wissen.“Gleichwohl weiß Zeidler, dass trotz nicht allzu großer finanzieller Möglichkeiten in der kommenden Saison die Qualifikation für die eingleisige dritte Liga von ihm erwartet wird: „Das Ziel ist klar formuliert. Das schaffen wir auch, wenn wir fleißig arbeiten.“ Im Falle der Qualifikation, zu der die Kickers in einer vermutlich deutlich stärkeren Liga mindestens Platz neun erreichen müssen, verlängert sich der Einjahresvertrag des Coaches automatisch um ein weiteres Jahr. Von höheren Zielen nimmt der Oberstudienrat, dessen Lehrauftrag als Gymnasiallehrer für Sport und Französisch derzeit ruht, zunächst Abschied: „Man muss die Situation realistisch eingeschätzen.“ Auch hier ist die Kenntnis der Gegebenheiten in Degerloch herauszuhören.

Robin Dutt: Die Wahl ist perfekt

Dutt betonte zwar, dass er in die Suche nach seinem Nachfolger „kaum eingebunden“ war. Dennoch kann er mit der Lösung gut leben. „Alle drei, die zuletzt zur Auswahl standen, waren Top-Kandidaten“, sagte er, „Peter Zeidler schätze ich sehr – die Wahl ist perfekt.“ Auch Stefan Minkwitz, der Co-Trainer bleibt, ist zufrieden: „Das passt. Ich werde ihm genauso treu dienen, wie ich Robin Dutt gedient habe.“

In den kommenden Tagen will der künftige Trainer erste Gespräche mit Spielern des aktuellen Kaders und mit potenziellen Neuzugängen führen. Von der Leistung, die er gegen Siegen sah, will er sich dabei nicht allzu sehr leiten lassen: „Ich gehe davon aus, dass das eine Eintagsfliege war.“ Weitere Niederlagen würden seinen Start aber nicht gerade erleichtern.

ez-online.de

Kommt Zeidler früher als geplant?

Stuttgart – Nach dem peinlichen 0:3 gegen die Sportfreunde Siegen stellten die Stuttgarter Kickers den Coach für die kommende Spielzeit vor: Peter Zeidler. Robin Dutt kämpft derweil um ein glückliches Ende dieser Saison – mit ziemlich stumpfen Waffen.

VON GUNTER BARNER

Als die Stümperei auf dem Rasen so gar kein Ende nehmen wollte, brüllte sich ein zahlender Kunde auf der Haupttribüne den Zorn von der Seele: „Vielleicht nehmt ihr ja für die neue Saison diesen Trainer aus Sindelfingen“, bellte er in Richtung der blauen Beletage, „der trainiert die Frauen. Der kann es bestimmt besser.“

Es war ein reichlich polemischer Beitrag zum trüben Spiel der blauen Götter. Und die Schuld für den misslungenen Auftritt vor heimischem Publikum allein beim Trainer zu suchen, entsprang zwar den marktüblichen Reflexen, wurde aber der Sache nicht gerecht. Denn streng genommen hatte sich Robin Dutt gegen die eher mittelmäßigen Sportfreunde aus Siegen nur einen Fehler erlaubt. Er vertraute erstens: auf die Eigenmotivation seiner Spieler. Und entschied sich zweitens: für eine Taktik, die ebendiese zur Voraussetzung hat. Das ging „voll in die Hosen“, wie Dutt nach der zweiten Heimniederlage in Folge selbstkritisch bescheinigte. Ohne sich nennenswert zu bewegen, hat eben noch keine Fußballmannschaft ein Spiel gewonnen.

Überdies lässt die Analyse des akuten Getriebeschadens wenig Gutes für den Rest dieser Saison erwarten. Da gibt es einen Trainer, der zwar noch da ist, aber in den Augen seiner Spieler längst den SC Freiburg trainiert. Und weil der eine oder andere Profi wohl vermutet, dass dem Coach ohne das Zutun seiner Mannschaft der Absprung in die zweite Liga nie gelungen wäre, sind Neid und Missgunst programmiert. Zeitgleich pokern etliche Akteure um neue Verträge, höhere Gehälter oder hoffen gar, es dem Trainer am Ende dieser Saison nachtun zu können.

Das alles ist menschlich und im Niedriglohn-Unternehmen von der Stuttgarter Waldau keineswegs neu. Die Palette möglicher Gegenmaßnahmen hält sich allerdings in engen Grenzen. Gleich nach der Partie zogen sich Dutt, Manager Joachim Cast und Präsident Dirk Eichelbaum zurück. Es dauerte auffällig lange, bis das Trio mit erhitzten Gesichtern zur Pressekonferenz erschien. Und es würde nicht wundern, wenn Dutt unter sechs Augen seinen Rücktritt angeboten hätte. Bebend vor Zorn las der Coach seiner Mannschaft die Leviten. Tags darauf, vor dem Training, wiederholte sich die Prozedur. Cast und Eichelbaum appellierten an die Ehre der kickenden Angestellten, Dutt machte unmissverständlich klar, dass er sich seine über fünf Jahre währende Aufbauarbeit im Kickers-Notstandsgebiet nicht zerstören lasse. Und wenn das im Verein jemand anders sehe, „bitte, dann trinken wir noch ein Glas Wein zusammen. Und das war’s dann.“ Er wolle niemandem im Weg stehen. „Das alles“, knurrte der Coach, „ist eben auch eine Frage des Charakters. Ich jedenfalls werde bis zum Ende alles geben.“

Das könnte schneller kommen, als von den Kickers-Strategen geplant.

Nach Robin Dutts geharnischtem Auftritt stellte sich der Trainer für die kommende Saison vor: Peter Zeidler. Dem ehemaligen Coach des Ligarivalen VfR Aalen wird eine besonders hohe Leidensfähigkeit attestiert.

STN

„Das Gesamtpaket reicht nicht“

Der scheidende Kickers-Trainer Robin Dutt nimmt nach dem 0:3 gegen Siegen Spieler und Vereinsführung in die Pflicht

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers haben einen neuen Trainer für die nächste Saison: Peter Zeidler. Dass schwere Zeiten bevorstehen, wurde dem 44-Jährigen am Donnerstag bei der 0:3-Niederlage in der Fußball-Regionalliga gegen Siegen deutlich vor Augen geführt.

Von Joachim Klumpp

Im Laufe der zweiten Hälfte hatte Peter Zeidler am Donnerstag mitsamt Begleitung schon mal seinen Platz auf der Haupttribüne im Gazistadion verlassen. Doch Fluchtgefahr bestand nicht – trotz des deprimierenden 0:3-Spielstands, der schließlich auch das Endergebnis dokumentierte. Und damit den sportlichen Tiefpunkt in dieser Saison. Dabei waren die Gäste nicht nur mit einem motivierten Christian Okpala gekommen, sondern auch einer gehörigen Portion Respekt. „Wir wussten, dass uns ein schweres Spiel erwartet“, sagte deren Trainer Ralf Loose, und wurde kurz danach von seinem Kickers-Kollegen Robin Dutt korrigiert: „Zurzeit ist es nicht schwer, hier drei Punkte zu holen.“

Ein Satz, der einem Offenbarungseid gleichkam, aber ganz bewusst gewählt worden war. Denn Robin Dutt spürte spätestens in diesen 90 Minuten, dass die Mannschaft seine Vorgaben, warum auch immer, nicht mehr umsetzt. Der Trainer agierte nach zuletzt vielen leichtfertigen Gegentoren vor 2620 Zuschauern erst einmal vorsichtig – mit Akcay und Hartmann im defensiven Mittelfeld – und nahm das auf seine Kappe, gepaart allerdings mit der Erkenntnis: „Es ist nicht die Taktik, sondern andere Dinge die im Argen liegen“, wie er sagte.

Zunächst einmal scheint es um den Teamgeist, der die Mannschaft in der Anfangsphase der Saison so stark gemacht hat, nicht mehr zum Besten gestellt. Was zum einen daran liegen mag, dass die Vertragssituation etlicher Spieler ungeklärt ist. Wobei Manuel Hartmann, dem auch Angebote aus der zweiten Liga vorliegen, schon mal um Geduld bittet und sich erst Mitte Mai entscheiden will. Andere schwebten nach dem Pokalerfolg gegen den HSV schon auf Wolke sieben, wieder andere (allen voran Mirnes Mesic) sind längst weg. Auf dem Weg in die zweite Liga. „Doch wer empfiehlt sich bei uns mit den Leistungen dafür“, fragt Dutt.

Dass solche Ergebnisse nicht gerade förderlich für sein ohnehin umstrittenes Engagement in Freiburg sind, versteht sich von selbst, das sei aber zweitrangig: „Zunächst einmal geht es um den Verein, dem ich viel zu verdanken habe.“ Das sei auch eine Frage des Charakters, den Dutt bis vor Kurzem in der Mannschaft noch gelobt hat. Offensichtlich etwas voreilig. Genau wie die angeblich positive Arbeit im Trainingslager in der Türkei. „Die Winterpause war ein Knackpunkt“, sagt der Trainer. Aber nicht der einzige. Weil schon nach der ersten Niederlage – übrigens am neunten Spieltag gegen Siegen – die Formkurve nach unten zeigte, was schnell in Vergessenheit geraten ist. Lange war von Aufstieg die Rede, auch Dutt hat diese Vision bewusst gefördert, heute sagt er: „Das Gesamtpaket reicht nicht dafür.“

Möglicherweise nicht einmal zum Minimalziel sechster Platz. Denn gegen Siegen fehlte neben der spielerischen Linie auch der kämpferische Wille. „Niederlagen wie diese hatten wir in den vergangenen dreieinhalb Jahren nicht“, sagt Dutt, der sich unbedingt mit dem besten Ergebnis seiner Amtszeit verabschieden will. „Es droht kein Debakel, es ist schon eines“, so Dutt am Donnerstag.

Gegensteuern, heißt die Devise. Aber wie? Die Mittel sind begrenzt, sportlich nahezu ausgeschöpft. Dutt: „Wir können hin und her wechseln, wie wir wollen.“ Jetzt sollen Emotionen geschürt, der Ton der Kommunikation schärfer werden – was gestern im Training begann. Dennoch forderte Robin Dutt: „Es ist Zeit, dass nicht nur der Trainer deutliche Worte findet.“

Der Präsident Dirk Eichelbaum appellierte prompt persönlich an die Mannschaft, nachdem der Vorstand zuvor die Baustelle Trainer – mit Peter Zeidler – geschlossen hatte. Jetzt stehen Vertragsverhandlungen an (Kacani, Tucci, Bischoff). Und Manager Joachim Cast fügt hinzu: „Im Laufe des Monats wollen wir den einen oder anderen Neuzugang präsentieren.“ Aber keinen Interimstrainer. Präsident Eichelbaum betont: „Wir wollen die Saison mit Robin Dutt durchziehen.“ Der will das auch, klebt aber nicht an seinem Stuhl: „Wenn der Verein der Meinung ist, es wäre besser, sich zu trennen, dann sind wir uns in fünf Minuten einig.“ Das klingt, als ob es schon fünf nach zwölf ist.

STZ

Peter Zeidler – Steckbrief

Geburtsdatum/-ort: 8.8.1962 in Schwäbisch-Gmünd
Nationalität: deutsch
Lizenz: A-Lizenz
Beruf: Gymnasiallehrer für Französisch und Sport
Laufbahn als Spieler:
1972 – 1978 TSV Böbingen
1978 – 1986 TSV Heubach
1986 – 1992 TSV Böbingen
1992 – 1996 SV 03 Tübingen
1996 – 1998 TSV Böbingen

Trainerstationen:
1984 – 1992 VfB Stuttgart (U9, U11, U13, U15, U19)
1992 – 1996 SV 03 Tübingen (Spielertrainer)
1996 – 1998 TSV Böbingen (Spielertrainer)
1998 – 2000 VfB Stuttgart Amateure (Ass.-Trainer)
2000 – 2002 VfR Aalen (Ass.-Trainer)
2002 – 2004 VfR Aalen (Trainer)
seit 01.07.2005 1. FC Nürnberg II (Trainer)

Erfolge:
1991 Deutscher Meister U19
1995 Aufstieg SV 03 Tübingen in die Verbandsliga
mehrmalig Württembergischer Meister D-, E-, F-Jugend
mehrere Male Württembergischer Pokalsieger (VfB Stuttgart Amateure, VfR Aalen)
mehrmalige Teilnahme am DFB Pokal

Quelle: Homepage 1.FC Nürnberg

Peter Zeidler neuer Kickers-Trainer (ab 01.07.2007)


Im Anschluß an das Spiel gegen die Sportfreunde Siegen stellten die Stuttgarter Kickers ihren neuen Trainer und Nachfolger von Robin Dutt vor. Die Wahl unter mehreren Bewerbern fiel auf den 44jährigen Peter Zeidler, der am 1. Juli seinen Posten beim Stuttgarter Traditionsverein antreten wird. Der Vertrag wurde zunächst für ein Jahr abgeschlossen, verlängert sich aber bei der Qualifikation für die neue einteilige 3. Liga. Der gebürtige Schwabe bewährte sich bereits als Cheftrainer beim VfR Aalen und verfehlte in der Saison 2003/2004 mit zwei Punkten Rückstand auf den Aufsteiger Saarbrücken nur ganz knapp den Aufstieg in die 2. Liga. Seit dem 1. Juli 2005 trainierte er die zweite Mannschaft vom 1. FC Nürnberg und führte mehrere Talente an den Profikader von Hans Meyer heran.

Begonnen hatte Peter Zeidler seine Trainertätigkeit 1984 beim VfB Stuttgart und dort arbeitete er auch in der A1-Jugend mit Ralf Rangnick zusammen. Als Spielertrainer war er dann von 93-96 beim SV Tübingen tätig und avancierte von 1998 bis 2000 zum Co-Trainer der Regionalliga-Mannschaft vom VfB Stuttgart. Danach wechselte er als Co-Trainer zum VfR Aalen, ehe er im Dezember 2002 zum Cheftrainer berufen wurde. Seine DFB-Fußballehrer-Lizenz erwarb er zwischen Juli 2006 bis Dezember 2006 an der Sporthochschule in Köln. Mit verkürztem Deputat arbeitete er als Oberstudienrat auch am Rosenstein-Gymnasium in Heubach. Der Familienvater von zwei Kindern freut sich nun auf seine neue Aufgabe bei den Kickers.

Kickers – SF Siegen 0:3 (0:2)

 
Es war eine ganz schlechte Leistung, die die Kickers-Mannschaft den 2620 Fans im GAZi-Stadion auf der Waldau am heutigen Abend zeigte. Spielerisch lief wie zuletzt fast nichts zusammen, aber leider fehlte in den heutigen Partie auch der Einsatz und der Kampf. Nach den beiden Toren von Gaetan Krebs in der 37. und 41. Spielminute zeigten die Blauen kaum Gegenwehr. Robin Dutt wechselte zur Halbzeit gleich drei neue Spieler ein, doch sollte es auch im zweiten Durchgang nicht besser werden. Alexander Blessin besiegelte mit seinem Tor die 0:3-Heimpleite (53.).

Zur Aufstellung:
Aufgrund vieler verletzter oder angeschlagener Spieler wählte Robin Dutt heute eine eher defensivere Variante: Vor der Viererabwehrkette mit Sascha Benda, Marco Wildersinn, Jens Härter und Nico Kanitz ließ er mit zwei defensiven Mittelfeldspieler spielen. Manuel Hartmann und Mustafa Akcay sollten zentral vor der Abwehr die Angriffe abfangen. Oliver Stierle, Sven Sökler und Bashiru Gambo wechselten häufig die Positionen im offensiven Mittelfeld hinter der einzigen Spitze Angelo Vaccaro.
Auch Siegen spielten mit nur eine Spitze, dahinter mit einem dichten Sechsermittelfeld und der Viererabwehrkette.

Die Trainerstimmen:

Ralf Loose: „Auf dem Papier war es ein schweres Spiel für uns, der Gegner war sehr motiviert aufgrund der deutlichen Hinspielniederlage und dem Okpala-Transfer. Aber wir haben gut ins Spiel gefunden und eine ausgeglichene erste Halbzeit gesehen, in der wir unsere Chancen eiskalt genutzt haben. Nach dem Wechsel strebten wir dem dritten Tor entgegen und waren selbstverständlich glücklich, dass es so früh gelang. Danach sind wir kompakt gestanden und haben den Sieg nach Hause gebracht. Ich bin sehr glücklich denn es ist nicht einfach bei den Kickers zu punkten. Das Spiel heute war gute Werbung für das Spitzenspiel gegen Wehen nächste Woche.“
Robin Dutt: „Ich bin maßlos enttäuscht, denn erneut haben wir nicht zu unserer spielerischen Linie gefunden. Aber heute zeigte die Mannschaft in Tugenden wie Wille, Leidenschaft und Kampf nicht 100%. Ich stelle mich heute auch nicht vor die Mannschaft, wie ich es sonst immer tue. Ich habe einen richtig dicken Hals, es war ein Debakel was wir heute ablieferten. Ich habe mich immer voll reingehängt, aber heute ließen sich Teile der Mannschaft hängen. Das ist nicht die Mannschaft, die ich kenne, so vergraulen wir uns noch die letzten Fans. Den Jungs muss es bewusst sein, dass es eine Ehre ist für die Kickers spielen zu dürfen. Eine Niederlage in dieser Art hatte ich in den drei Jahren noch nie erlebt. Das trifft mich sehr hart.“

Die Spielstatistik:

Kickers: David Yelldell – Sascha Benda, Marco Wildersinn, Jens Härter, Nico Kanitz (46. Thomas Weller) – Manuel Hartmann, Mustafa Akcay (46. Laszlo Kanyuk), Bashiru Gambo, Sven Sökler (46. Sokol Kacani), Oliver Stierle – Angelo Vaccaro – Trainer: Robin Dutt
SF Siegen: Richter – Weikl, Bogusz, Islamoglu, Nickenig (75. Banouas) – Nemeth, Vujevic (84. Stark), Gaede, Blessin, G. Krebs – Okpala (81. Bettenstaedt) – Trainer: Loose

Zuschauer:
2.620 Fans im GAZi-Stadion auf der Waldau

Torfolge:
0:1 Krebs (36.)
0:2 Krebs (41.)
0:3 Blessin (53.)

Schiedsrichter:
Robert Hartmann (Augsburg)

Verwarnungen:
Gelbe Karten: Kacani – Bogusz